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Berlin (ots) - Prominente deutsche Stimmen, ehemalige politische Gefangene und
republikanische Organisationen fordern Antworten zur umstrittenen Ehrung in der
Frankfurter Paulskirche.
Mit einem Schreiben vom 16. Oktober haben 306 iranische Vereine und
Gemeinschaften, darunter 70 aus Deutschland, aus Europa, den USA, Kanada und
Australien gegen die Entscheidung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die
Freiheit protestiert, Reza Pahlavi den "Freiheitspreis 2026 für das iranische
Volk" entgegennehmen zu lassen. Die Unterzeichner sehen darin einen Widerspruch
zum Anspruch des Preises und eine Missachtung jener Iranerinnen und Iraner, die
sowohl die heutige religiöse Diktatur als auch eine Rückkehr zur Monarchie
ablehnen. Zusätzliche Brisanz erhält die Entscheidung durch den geplanten
Veranstaltungsort: die Frankfurter Paulskirche, ein historisches Symbol
parlamentarischer Demokratie und Volkssouveränität.
Das Schreiben ist der bislang jüngste Höhepunkt einer breiten Protestwelle.
Zuvor hatten bereits 82 prominente Persönlichkeiten aus Deutschland - darunter
Bundestagsabgeordnete, ehemalige Minister und Diplomaten - die Ehrung einer
"zutiefst polarisierenden Figur" im Namen des iranischen Volkes kritisiert. Zu
den Unterzeichnern zählen die ehemaligen Bundesministerinnen Herta
Däubler-Gmelin und Brigitte Zypries, der ehemalige Bundesminister Peter
Altmaier, die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland
Margot Käßmann, die ehemalige Richterin des Bundesverfassungsgerichts Susanne
Baer sowie 15 Mitglieder des Deutschen Bundestages. Auch frühere politische
Gefangene aus der Schah-Zeit und Überlebende der Folter durch den Geheimdienst
SAVAK meldeten sich zu Wort. Sechs von ihnen beschrieben in einem eigenen
Protestbrief Haft, Misshandlung und Hinrichtungen unter der Pahlavi-Diktatur und
warnten davor, die Erinnerung an deren Opfer durch eine solche Auszeichnung zu
relativieren. Hinzu kommt der Protest von 25 iranischen Organisationen und
Parteien aus einem breiten republikanischen politischen Spektrum.
Im Zentrum der Kritik steht nicht allein die Biografie des vorgesehenen
Preisträgers, sondern auch sein Umgang mit dem politischen Erbe seiner Familie.
Reza Pahlavi habe die Repression der Monarchie und die Verbrechen der SAVAK bis
heute nicht eindeutig verurteilt, argumentieren die Kritiker. Für ehemalige
Gefangene sind Folter, Erniedrigung und der Tod von Mitgefangenen keine
abstrakten historischen Fragen, sondern bis heute offene Wunden. Zugleich
verweisen iranische Dissidenten auf Berichte über Drohungen, Einschüchterungen
und Übergriffe durch monarchistische Anhänger in mehreren westlichen Ländern -
Vorwürfe, die nach ihren Angaben teilweise Gegenstand polizeilicher oder
gerichtlicher Prüfungen sind.
Umso schwerer wiegt, dass die iranischen Gemeinschaften nach eigener Darstellung
bis heute keine substanzielle Antwort der Stiftung erhalten haben. Diese
anhaltende Nichtbeachtung wird von vielen Betroffenen als verletzend empfunden
und verschärft das Misstrauen. Gerade deshalb wäre eine transparente
Stellungnahme der Stiftung dringend geboten: Sie müsste nicht nur die Kriterien
ihrer Entscheidung offenlegen, sondern auch erklären, warum die Einwände von 306
Vereinen, zahlreichen Personen der Zivilgesellschaft, ehemaligen politischen
Gefangenen und republikanischen Organisationen bislang unbeantwortet geblieben
sind.
Im Folgenden ist der Wortlaut des offenen Briefes zu lesen, der von 306
iranischen Verbänden und Gemeinschaften in der Diaspora unterzeichnet wurde.
Offener Protestbrief von 306 iranischen Gemeinschaften gegen die Übergabe des
"Freiheitspreises 2026" an Reza Pahlavi zur Entgegennahme im Namen des
iranischen Volkes
Herrn Steffen Saebisch
Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Herrn Wolfgang Kubicki
Vorsitzender der Freien Demokratischen Partei Deutschlands
16. Oktober 2026
Sehr geehrter Herr Saebisch,
sehr geehrter Herr Kubicki,
im Namen der in Europa und Amerika ansässigen iranischen Gemeinschaften
(Unterstützer des Nationalen Widerstandsrates Iran) betrachten wir die
Entscheidung, den "Freiheitspreis 2026 für das iranische Volk" Reza Pahlavi, dem
Sohn des gestürzten iranischen Diktators, zu verleihen, als einen
offensichtlichen Widerspruch zu den Zielen dieses Preises und als eine
Beleidigung der Revolution des iranischen Volkes gegen den monarchistischen
Faschismus und die abhängige Diktatur des Schahs.
Reza Pahlavi hat nicht nur die Verbrechen der monarchistischen Diktatur und die
Verbrechen der folternden SAVAK nicht verurteilt, sondern sie bei verschiedenen
Gelegenheiten, darunter im vergangenen Jahr, gerechtfertigt und wiederholt
seinen Stolz auf die Vergangenheit und das Handeln seiner Familie zum Ausdruck
gebracht.
Viele unserer Mitglieder waren selbst oder durch ihre engsten Angehörigen Opfer
von Verhaftung, Gefängnis, brutaler Folter und Hinrichtung unter der Diktatur
des Schahs. Die Verbrechen der SAVAK des Schahs sind keine ferne Erinnerung und
kein abstraktes Thema, sondern eine lebendige Wunde; die Spuren der Folter sind
sogar noch an den Körpern unserer Mütter sichtbar.
Die Frankfurter Paulskirche, der Ort der Verleihung dieses Preises und ein
historisches Symbol der Volkssouveränität und der parlamentarischen Demokratie
in Deutschland, verstärkt die Auswirkungen der Entscheidung der Stiftung gegen
den Kampf des iranischen Volkes für Freiheit und Demokratie. Es handelt sich um
Menschen, die gegen den herrschenden religiösen Faschismus und den
monarchistischen Faschismus der Vergangenheit für eine demokratische Republik
mit Trennung von Religion und Staat, für die Gleichberechtigung von Frauen und
Männern und für das Recht der Nationalitäten auf Autonomie kämpfen.
Der Sohn des Schahs hat mit der Unterdrückung von Gegnern außerhalb Irans
begonnen. Zahlreiche Verfahren werden von Justizbehörden und
Polizeidienststellen in europäischen und nordamerikanischen Ländern geprüft. Es
gibt eine Reihe von Beschwerden wegen Körperverletzung und sogar Tötung durch
die Bande Reza Pahlavis gegen Gegner.
Rund 80 namhafte deutsche Persönlichkeiten und führende Vertreter erklärten in
einem offenen Brief vom 1. Oktober: "Die Verleihung eines Preises im Namen des
iranischen Volkes an den Sohn des früheren Diktators dieses Landes, der eine
höchst polarisierende Figur ist, steht im Widerspruch zu unseren eigenen Werten.
Für Deutschland können die Folgen dieser Entscheidung nicht losgelöst von der
Geschichte der Pahlavi-Diktatur betrachtet werden."
Wir sind der Auffassung, dass diese Persönlichkeiten mit ihrem denkwürdigen
Schreiben, aus Respekt vor dem Kampf des iranischen Volkes und den zahllosen
Menschen, die im Kampf für die Freiheit ihr Leben ließen, dem wachen Gewissen
Deutschlands Ausdruck verleihen.
Mit freundlichen Grüßen
Kopie an: Herrn Mike Josef, Oberbürgermeister von Frankfurt am Main, sowie die
Verantwortlichen der Frankfurter Paulskirche
( Unterzeichnende Vereine und Verbände)
Pressekontakt:
Martin Patzelt, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages
E-Mail: mailto:martin.patzelt.dsfi@gmail.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/146655/6372810
OTS: Unabhängige Humanitäre Hilfe e.V. (UNHH e.V.)
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