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Bonn (ots) - Die Futtermittelwirtschaft sieht sich aktuell mit einer Phase hoher
Unsicherheit konfrontiert. Geopolitische Konflikte, volatile Rohstoffmärkte und
neue regulatorische Anforderungen wirken gleichzeitig auf Märkte und
Lieferketten. In diesem Umfeld gewinnen stabile Handelsstrukturen und
verlässliche politische Rahmenbedingungen besondere Bedeutung. Der Deutsche
Verband Tiernahrung e.V. (DVT) informierte über die Entwicklung der deutschen
Mischfutterproduktion auf seiner Jahrespressekonferenz am Dienstag.
Entwicklung der Mischfutterproduktion
"Die Mischfutterproduktion konnte im Kalenderjahr 2025 nach dem Abwärtstrend
nunmehr bereits zum zweiten Mal wieder zulegen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg
die Mischfutterproduktion von 21,8 auf rund 22,5 Millionen Tonnen, das sind 640
Tausend Tonnen Zuwachs, also 2,9 Prozent mehr", konstatiert DVT-Präsident Cord
Schiplage auf der Jahrespressekonferenz des DVT.
Der Produktionsanstieg zeigte sich bei nahezu allen Tierarten. Besonders
deutlich fiel der Zuwachs auf insgesamt 6,7 Millionen Tonnen (+ 250.000 Tonnen)
beim Rinderfutter aus, und dies bei einem weiter sinkenden Rinderbestand. Das
Schweinefutter stellt weiterhin den größten Anteil an der gesamten
Mischfutterproduktion und erreicht rund 37 Prozent. Der Zuwachs bei weiter
reduziertem Mastschweinebestand und gestiegener Anzahl von Jungschweinen betrug
1,57 Prozent auf 8,4 Millionen Tonnen. Bei Mineralfuttermitteln setzte sich die
positive Entwicklung fort. Die Produktion erhöhte sich auf 644.000 Tonnen (+ 5,3
Prozent). Den größten Anteil hatte Mineralfutter für Rinder mit einem Zuwachs
von 5,5 Prozent auf 427.000 Tonnen. Mineralfutter für Schweine stieg um 4,1
Prozent.
Die bekannte Konzentration der tierischen Veredlung in der Region Nord* trägt
mit rund 72 Prozent der Gesamtentwicklung zum Ergebnis bei (+2,6 Prozent zum
Vorjahr). In der Region Ost wurde dagegen lediglich ein geringer Anstieg
registriert. Dies spiegelt die strukturelle Entwicklung der Tierhaltung in den
ostdeutschen Bundesländern wider.
Geopolitische Risiken und drohende Abhängigkeit
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Futtermittelwirtschaft werden
zunehmend von geopolitischen Entwicklungen beeinflusst. Internationale Konflikte
und politische Spannungen wirken sich auf Energiepreise, Logistik und
Lieferketten aus. Schiplage betont: "Insbesondere Produkte, die in Asien
hergestellt und über internationale Seehandelsrouten nach Europa transportiert
werden, könnten bei einer weiteren Eskalation von Verzögerungen oder
Preissteigerungen betroffen sein. Für Mischfutterhersteller bestätigt sich damit
die zusätzliche Unsicherheit bei der Versorgung mit wichtigen Zusatzstoffen wie
Vitaminen oder Aminosäuren." Die hohe Abhängigkeit der Europäischen Union von
Importen wichtiger Zusatzstoffe ist für den DVT Anlass, bei der EU-Kommission
Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität einer Produktion in Europa zu
fordern. Bei der Aminosäure Lysin liegt die Importabhängigkeit der EU bei über
95 Prozent. Bei Vitaminen beträgt sie je nach Produkt zwischen 60 und mehr als
70 Prozent. Schiplage warnt: "Ein Mangel an Vitaminen oder Aminosäuren könnte
die Tiergesundheit beeinträchtigen, Leistung und Reproduktion verringern und
langfristig die europäische Produktion von tierischen Lebensmitteln gefährden."
Auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bleibt ein prägender Faktor
für die internationalen Agrarmärkte. Die Exportströme von Getreide und Ölsaaten
bewegen sich derzeit weitgehend im normalen Rahmen, jedoch kommt es zeitweise zu
Einschränkungen bei einzelnen Rohstoffen. "Wir sind weiterhin besorgt über das
Risiko von Lieferkettenstörungen in wichtigen Teilmärkten, insbesondere "non-GM"
und Bio-Soja für Futtermittel, die aus Regionen wie Indien, China und Westafrika
(Nigeria) stammen", führt Schiplage aus.
Regulierung und Bürokratiebelastung
Neben geopolitischen Entwicklungen stellen auch regulatorische Vorgaben eine
wachsende Herausforderung für die Futtermittelwirtschaft dar. Dazu zählen unter
anderem europäische Nachhaltigkeitsregelungen wie die Verordnung über
entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) sowie verschiedene Berichtspflichten im
Bereich Nachhaltigkeit. Futtermittelhersteller sehen sich dadurch mit
zusätzlichen Anforderungen an Dokumentation, Rückverfolgbarkeit und
Lieferkettenmanagement konfrontiert. Die europäische Futtermittelindustrie
schätzt die zusätzlichen Kosten der Beschaffung von Soja auf rund 1,6 Milliarden
Euro für den Verwaltungsaufwand.
"Uns ist aber wichtig, eine erneute Verschiebung der Anwendung der Verordnung zu
vermeiden. Stattdessen müssen die noch bestehenden Probleme konsequent und
zeitnah gelöst werden, damit die EUDR planbar, praktikabel und rechtssicher
umgesetzt werden kann und zugleich das gemeinsame Ziel entwaldungsfreier
Lieferketten erreicht wird", führt DVT-Präsident Schiplage aus und verweist
damit auf die erste Priorität.
Der DVT fordert eine praxisnahe Ausgestaltung der Regelwerke sowie eine
Reduzierung bürokratischer Belastungen. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit
der Unternehmen zu erhalten und gleichzeitig die Anforderungen an Nachhaltigkeit
und Transparenz umzusetzen. "Ein schlanker, effizienter Bürokratieapparat kommt
den Unternehmen und damit der gesamten Branche zugute und stärkt die
Innovations-kraft, aber auch Dynamik der landwirtschaftlichen
Wertschöpfungsketten. Zudem sehen wir darin ein hohes Potential, Ressourcen zu
sparen, die an anderer Stelle dem Wirtschaftswachstum zugutekommen können", so
Schiplage abschließend.
Weiterführende Informationen
Die dargestellten Produktionszahlen basieren auf den von der Bundesanstalt für
Ernährung und Landwirtschaft (BLE) erhobenen und veröffentlichten Daten zur
Mischfutterproduktion in Deutschland für das Kalenderjahr 2025. Weitere
Informationen zur Entwicklung der Futtermittelwirtschaft sowie detaillierte
Daten zur Mischfutterproduktion entnehmen Sie den beigefügten Charts (https://ww
w.dvtiernahrung.de/fileadmin/Archiv/Presse/2026/Branchendaten_Futtermittelwirtsc
haft_2026.pdf) .
Über den DVT
Der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. (DVT) vertritt als unabhängiger
Wirtschaftsverband die Interessen der Unternehmen, die Futtermittel,
Vormischungen und Zusatzstoffe für Nutz- und Heimtiere herstellen, lagern und
damit handeln.
*Region Nord: Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen,
Nordrhein-Westfalen / Region Süd: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen,
Rheinland-Pfalz, Saarland / Region Ost: Berlin, Brandenburg, Sachsen,
Sachsen-Anhalt, Thüringen
Pressekontakt:
Deutscher Verband Tiernahrung e. V. (DVT)
Mark Jungbluth | Pressesprecher
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OTS: Deutscher Verband Tiernahrung e.V. (DVT)
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