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Hamburg (ots) - Osterzeit ist Feldhasenzeit. Mit ein bisschen Glück sind die
faszinierenden Wildtiere zurzeit gut auf Feldern und Wiesen zu beobachten. Und
wer genau hinsieht, erkennt die eine oder andere Superkraft bei ihnen: Als
Fluchttiere sind sie ständig auf der Hut und können die Ohren unabhängig
voneinander wie Antennen in alle Richtungen drehen. So nehmen sie jedes Geräusch
wahr und erkennen herannahende Gefahren frühzeitig. Müssen sie fliehen,
erreichen sie eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 80 Kilometer pro Stunde -
damit sind sie rund 35 Stundenkilometer schneller als der
100-Meter-Weltrekordhalter Usain Bolt. Mit ihren kräftigen, langen Hinterbeinen
springen Feldhasen zudem knapp drei Meter weit und drei Meter hoch. Durch ihr
flexibles Rückgrat können sie rasante Haken schlagen.
Die Flucht ist jedoch nur Plan B, denn meistens schützt sie ihre gute Tarnung:
Sie drücken sich mit flach angelegten Ohren auf den Boden, mit dem sie dank
ihres braun-grauen Haarkleids optisch verschmelzen. Ein weiterer Trick der Natur
schützt sie davor, von bodenlebenden Fressfeinden aufgespürt zu werden:
Feldhasen haben an den Pfoten keine Duftdrüsen und hinterlassen so nur eine sehr
schwache Geruchsspur.
Ihr Handicap könnten ihre seitlich stehenden Augen sein, da sie dadurch nicht
scharf sehen können. Aber durch ihren 360-Grad-Rundumblick bemerken sie jede
verdächtige Bewegung schon auf große Distanz.
Feldhasen sind immer in Alarmbereitschaft. Das Hasengehirn registriert selbst im
Dämmerzustand jede kleinste Bewegung und jedes verdächtige Geräusch. Um
rechtzeitig fliehen zu können, dösen Feldhasen daher meistens nur, und das mit
offenen oder halb geschlossenen Augen.
Trotz dieser einzigartigen Fähigkeiten und der ständigen Bereitschaft zur Flucht
hat der Überlebenskünstler schon deutlich bessere Zeiten erlebt. "Vor allem die
intensive Landwirtschaft ist für den Feldhasen genau wie für Rebhuhn und Kiebitz
ein Problem", sagt Professor Dr. Klaus Hackländer, Wildtierbiologe und Vorstand
der Deutschen Wildtier Stiftung. Im Gegensatz zu Kaninchen leben Feldhasen
ganzjährig oberirdisch. Doch in der intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft
fehlt es an Versteckmöglichkeiten, in denen der Feldhase Schutz vor seinen
vielen Fressfeinden findet. Für die neugeborenen Jungen, die bei Gefahr noch
nicht flüchten, sondern sich in ihre Sassen drücken, sind landwirtschaftliche
Maschinen eine tödliche Gefahr. Darüber hinaus fehlt es in der ausgeräumten
Landschaft an Kräutern wie Hirtentäschelkraut oder Ackerstiefmütterchen, die
Feldhasen oft vergebens suchen.
"Würde jeder Landwirt zumindest sieben Prozent seiner Ackerfläche brach liegen
lassen, wäre dem Überlebenskünstler schon sehr geholfen", sagt Hackländer. "Dazu
braucht es aber auch Agrarförderprogramme, die Landwirte für diese
Artenschutzmaßnahme finanziell unterstützen", so der Hasenexperte.
Neben schwierigen Lebensraumbedingungen bedroht den Feldhasen seit 2023 die
meist tödlich verlaufende Viruserkrankung Myxomatose, die man früher nur bei
Kaninchen kannte. "Sie erhöht die Sterblichkeit erheblich, kleine Bestände
können sogar vollständig ausgelöscht werden", sagt Hackländer.
Die Deutsche Wildtier Stiftung schützt Feldhasen auf ihrem Stiftungsgut
Klepelshagen in Mecklenburg-Vorpommern, indem sie über die gesetzlichen Vorgaben
hinaus Brachflächen anlegt und die Landschaft mit Hecken, Streuobstwiesen und
Blühstreifen vielfältig gestaltet. Zudem finden auf dem Grünland Mäharbeiten
erst nach dem 20. Juni statt, und die Mähbalken werden extra hoch eingestellt,
um auf dem Feld hockende Junghasen zu schonen. Und das Ergebnis kann sich sehen
lassen: Zweimal jährlich führen Mitarbeiter nächtliche Hasenzählungen durch, um
den Bestand und den jährlichen Zuwachs zu erheben. Demnach ist die Zahl der
Feldhasen in Klepelshagen erfreulich hoch. Im Frühjahr 2026 wurden rund 20 Hasen
auf einem Quadratkilometer gezählt. Die Hasendichte liegt im Nordostdeutschen
Tiefland im Durchschnitt bei sechs Tieren. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass
wildtierfreundliche Landnutzung für Feldhasen messbare Erfolge liefert", sagt
Hackländer.
Pressekontakt:
Jenifer Calvi
Pressereferentin Deutsche Wildtier Stiftung
Telefon 040-970 78 69 - 14
mailto:J.Calvi@DeutscheWildtierStiftung.de
http://www.DeutscheWildtierStiftung.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/37587/6245778
OTS: Deutsche Wildtier Stiftung
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