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Berlin/Frankfurt am Main (ots) - DIN und DKE initiieren internationales
Expertengremium
Das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN) und die Deutsche Kommission
Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) haben das neue ISO/IEC Joint
Technical Committee 5 (JTC 5) (https://www.iso.org/committee/11760382.html)
initiiert, um internationale Standards für den Digitalen Produktpass (DPP) auf
den Weg zu bringen. Der DPP ist ein zentrales Element in der
EU-Batterieverordnung, der EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) und soll
perspektivisch auch im European Product Act (EPA) eine wichtige Rolle spielen.
Ziel ist es, gemeinsame Grundlagen zu schaffen, damit Produktdaten effizient
entlang globaler Lieferketten nutzbar werden. Ohne international abgestimmte
Standards entstehen nationale Insellösungen und der DPP verliert seinen
zentralen Nutzen für globale Wertschöpfungsnetzwerke. Das Sekretariat des
ISO/IEC JTC 5 übernimmt DIN und koordiniert damit die Arbeit eines
internationalen Expertengremiums. Getragen wird diese Arbeit von ISO und IEC mit
über 170 nationalen Normungsorganisationen als Mitgliedern.
Digitale Produktinformationen international anschlussfähig machen
Der Digitale Produktpass bündelt produktbezogene Informationen, die heute häufig
in unterschiedlichen Systemen vorliegen - etwa zu Sicherheit, Reparierbarkeit
oder Konformität - und macht sie über eine neue digitale Ebene jedes Produktes
verfügbar. Diese Ebene soll in Zukunft in aller Welt über einen QR-Code oder
RFID-Chip am Produkt zu erreichen sein.
Internationale Standards schaffen dafür die Grundlage:
- Unternehmen können Produktdaten weltweit effizient austauschen - auch im
Import und Export.
- Behörden können Pflichtdaten digital und automatisiert prüfen.
- Verbraucher*innen können weltweit auf vergleichbare Informationen und neue
Services zugreifen.
Christoph Winterhalter, Vorstandsvorsitzender von DIN: "Der Digitale Produktpass
ist Grundlage für einen automatisierten Datenaustausch in Wertschöpfungsketten
und ein wesentliches Instrument, die Bürokratielast im Zusammenhang mit
Berichtspflichten drastisch zu reduzieren. Ein DPP ist allerdings nur so viel
wert wie die Standards, auf denen er basiert. Werden diese erst nachträglich
harmonisiert, entstehen Reibungsverluste in den Lieferketten und Systembrüche,
die das Vertrauen in den DPP und seinen Mehrwert für die Wirtschaft gefährden.
Mit der Leitung des ISO/IEC JTC 5 übernimmt DIN die Verantwortung dafür, dass
ein praxistaugliches, international anerkanntes Instrument entsteht und
derartige Reibungsverluste vermieden werden."
"Der DPP ist eine Chance für die Digitalisierung industrieller
Wertschöpfungsketten. Er baut auf Technologien auf, die unter anderem aus
konkreten industriellen Anwendungen hervorgegangen sind. Die in die
elektrotechnische Normung überführten Konzepte der Plattform Industrie 4.0 haben
früh bewiesen, dass digitale Produktinformationen über den gesamten Lebenszyklus
standardisiert nutzbar sind. Auf dieser Basis unterstützen wir als DKE nun die
internationale Normung im ISO/IEC JTC 5 und vernetzen die Arbeiten des neuen
Gremiums mit den bestehenden und zukünftigen Arbeiten der IEC", ergänzt
DKE-Geschäftsführer Michael Teigeler.
Digitaler Produktpass soll zum Standard werden
Der Digitale Produktpass ist Teil einer umfassenderen Entwicklung: Erste
konkrete Vorgaben enthält die EU-Batterieverordnung, die den Einsatz eines DPP
für Batterien der Elektromobilität vorsieht. Mit der ESPR wird dieses Konzept
auf weitere Produktgruppen wie Textilien ausgeweitet. Perspektivisch soll der
Digitale Produktpass für eine Vielzahl von Produkten zum Standard werden.
Das DPP-System wird bereits auf nationaler und europäischer Ebene in der Normung
behandelt. Sechs Europäische Normen zu Themen wie Schnittstellen,
Interoperabilität und Datenaustausch werden in Kürze veröffentlicht. Damit der
Digitale Produktpass jedoch über den europäischen Binnenmarkt hinaus
funktioniert und Unternehmen damit nicht für jeden Markt andere Systeme
aufsetzen müssen, sind international abgestimmte Standards notwendig. Das
ISO/IEC JTC 5 setzt auf bestehenden Normungsarbeiten auf und gestaltet einen
gemeinsamen Rahmen. Während bisherige Gremien einzelne Komponenten oder
sektorspezifische Anforderungen adressieren, betrachtet das JTC 5 den Digitalen
Produktpass ganzheitlich. So soll ein DPP-Ökosystem geschaffen werden, in dem
spezifische Lösungen anschlussfähig werden.
Das Gremium nimmt seine Arbeit im dritten Quartal 2026 auf; erste Ergebnisse
werden ab 2028 erwartet.
Pressekontakt:
Matthias Schmidt-Stein,
Tel. +49 171 6962357
mailto:presse@vde.com, mailto:matthias.schmidt-stein@vde.com
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OTS: VDE Verb. der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik
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