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Aktuelle Untersuchung zeigt: Ein frühzeitiger Einsatz von schneller Labordiagnostik könnte in Deutschland jährlich rund 3.800 Todesfälle durch Sepsis vermeiden und ca. 153 Millionen Euro einsparen (FOTO)

20.04.2026 13:20 Uhr bioMérieux

Nürtingen (ots) -

- Eine aktuelle gesundheitsökonomische Untersuchung des Office of Health Economics (OHE) belegt konsistent, dass der frühzeitige Einsatz einer schnellen Erregeridentifizierung und Resistenztestung das Risiko für das Entstehen einer Sepsis verringern, klinische Outcomes verbessern und Gesundheitssystemen erhebliche Kosteneinsparungen ermöglichen kann - DART 2030: Deutschlands nationale Antibiotika-Resistenzstrategie setzt das explizite Ziel, die sepsisbedingte Sterblichkeit bis 2030 um 30 % zu senken und benennt schnelle Labordiagnostik als ein Handlungsfeld - Mit dem Qualitätssicherungsverfahren (QS) Sepsis setzt Deutschland auch auf regulatorischer Ebene ein klares Signal für schnelle Diagnostik als unverzichtbaren Bestandteil einer leitliniengerechten Sepsisversorgung

bioMérieux, einer der weltweiten Marktführer in der In-vitro-Diagnostik, gibt die Veröffentlichung einer internationalen gesundheitsökonomischen Analyse bekannt. Diese untersucht, welchen Effekt der frühzeitige Einsatz einer schnellen Erregeridentifizierung und Resistenztestung (ID/AST) im Versorgungspfad von Patienten* mit einer Blutstrominfektion und hohem Sepsisrisiko hat.

Durchgeführt vom Office of Health Economics (OHE), einer weltweit führenden und unabhängigen gesundheitsökonomischen Forschungsorganisation, umfasst die Untersuchung alle G7-Länder (Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, das Vereinigte Königreich und die USA). Sie ist die erste Analyse, die länderübergreifend und konsistent belegt, dass ein frühzeitiger Einsatz schneller Labordiagnostik das Risiko einer Progression zur Sepsis verringern, klinische Outcomes verbessern und den Gesundheitssystemen erhebliche Kosteneinsparungen ermöglichen kann.

Versorgungslücken bei der Sepsisbehandlung

Sepsis, eine lebensbedrohliche Überreaktion des Körpers auf eine Infektion, ist weltweit für 21 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich.[1] In Deutschland verstirbt im Krankenhaus mehr als jeder dritte Sepsispatient (36 %).[2] Die ersten Stunden sind für die Patientenversorgung entscheidend. Dabei gilt eine zielgerichtete Antibiotikatherapie als wesentlicher Überlebensfaktor. Konventionelle Labordiagnostik liefert dringend erforderliche Ergebnisse erst nach zwei bis drei Tagen und zwingt die klinischen Teams dadurch, wichtige Therapieentscheidungen bei unvollständiger diagnostischer Datenlage zu treffen.[3]

Infolgedessen erhalten fast 20 % der Patienten mit einer Blutstrominfektion eine inadäquate Erstbehandlung - was das Risiko einer klinischen Verschlechterung erhöht und zu höheren Kosten für das jeweilige Krankenhaus sowie das Gesundheitssystem führt.[4]

In Deutschland wurde dieses Problem erkannt. In der Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2030 wurde explizit das Ziel definiert, die sepsisbedingte Sterblichkeit bis 2030 um 30 % zu senken. Der frühzeitige Einsatz schneller Labordiagnostik wird dabei als eine Schlüsselmaßnahme zur Erreichung dieses Ziels benannt.[5] Diesen Kurs bekräftigt das neue Qualitätssicherungsverfahren (QS) Sepsis des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), das seit Januar 2026 die mikrobiologische Diagnostik - v. a. die Blutkulturdiagnostik - als messbaren Qualitätsstandard in der stationären Sepsisversorgung verankert.[6]

Die nun vorliegende modellbasierte gesundheitsökonomische Analyse untersucht konkret, welche Auswirkungen ein systematisch früherer Einsatz einer schnellen ID/AST im Versorgungspfad vor dem Eintreten einer klinischen Verschlechterung hätte. Das auf realen Daten französischer Krankenhäuser basierende Modell berücksichtigt epidemiologische Parameter, Versorgungspfade, Behandlungskosten, den Progressionsverlauf zur Sepsis, Mortalität sowie Langzeitfolgen über einen 13-Monats-Zeitraum. Für jedes G7-Land wurde es anhand länderspezifischer Eingangsdaten (u. a. Inzidenz, Diagnosetestmuster und nationale Gesundheitskosten) validiert und angepasst. Klinische Fachexperten stellten dabei die Übereinstimmung mit den jeweiligen nationalen Versorgungsstandards sicher. Die Ergebnisse sind über alle G7-Länder hinweg konsistent.

Eine schnellere Erregeridentifizierung kann das klinische Outcome deutlich verbessern

Frühere Studien haben gezeigt, dass schnelle ID/AST-Methoden klinisch verwertbare Ergebnisse in weniger als 30 Stunden liefern und damit die Zeit bis zum Ergebnis im Vergleich zum jeweiligen nationalen Versorgungsstandard erheblich verkürzen können. Die OHE-Analyse baut auf diesen etablierten Erkenntnissen auf, indem sie die klinischen Auswirkungen eines früheren Einsatzes dieser schnelleren Diagnostik im Versorgungspfad quantifiziert. Grundlage der Modellberechnungen für Deutschland sind 77.000 erwachsene Patienten, die pro Jahr wegen einer Blutstrominfektion stationär behandelt werden.[2] Die Ergebnisse zeigen, dass ein früherer Zugang zu labordiagnostischen Informationen jährlich rund 7.400 Sepsisfälle und etwa 3.800 sepsisbedingte Todesfälle verhindern könnte.[2] Die Zahl der gemeldeten Sepsisfälle könnte um mehr als 20 % sinken. Dies würde zu weniger sepsisbedingten Todesfällen und einer deutlichen Reduktion langfristiger Post-Sepsis-Komplikationen führen, was positive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen hätte.

"Im Rahmen von DART 2030 und QS Sepsis verfolgt Deutschland bereits klare Strategien zur Reduktion sepsisbedingter Sterblichkeit. Das Modell liefert hierfür wichtige ökonomische Evidenz und unterstreicht die zentrale Bedeutung schneller Labordiagnostik. Nun müssen strukturelle Reformen sicherstellen, dass diese in den entscheidenden ersten Stunden direkt am Patientenbett verfügbar ist", sagt Dr. med. Maxime Ndolumingo, Associate Director Medical Affairs bei bioMérieux (Central Europe), Germany.

Gesamtwirtschaftlicher Nutzen für das Gesundheitssystem

Die Analyse zeigt, dass ein früherer Einsatz schneller ID/AST im Versorgungspfad konsistent zu Kosteneinsparungen führen kann, unabhängig davon, wie das Gesundheitssystem strukturiert oder finanziert ist. Hervorzuheben ist, dass 53 % bis 83 % aller potenziellen Einsparungen bereits während des initialen Krankenhausaufenthalts entstehen - jenem Zeitraum, in dem klinische wie wirtschaftliche Folgen einer Verschlechterung am stärksten ins Gewicht fallen.[1] Eine frühzeitige Verfügbarkeit labordiagnostischer Informationen verringert das Risiko, dass Patienten in die kostenintensivsten Stadien der Sepsistherapie gelangen. Für Deutschland weist die Analyse konkret eine mögliche Ersparnis von rund 2.000 EUR pro Patient aus - bedingt in erster Linie durch weniger intensivmedizinische Behandlungen, kürzere Krankenhausaufenthalte und einen reduzierten Behandlungsaufwand aufgrund schwerer Komplikationen.

Auf Bevölkerungsebene beziffert die Analyse für Deutschland ein jährliches Einsparpotenzial von rund 153 Millionen Euro. Diese Zahlen spiegeln sowohl vermiedene Kosten in der Akutphase als auch reduzierte Langzeitkomplikationen wider.[2]

Warum politisches Handeln geboten ist

Labordiagnostika machen heute nur einen Bruchteil der Gesundheitsausgaben aus, ihr Einsatz wird aber oftmals durch strukturelle Barrieren limitiert: Bewertungsrahmen, die ihren umfassenden Nutzen für Gesundheitssystem und Bevölkerung nicht abbilden; pauschale Vergütungsmodelle, die sie als Kostenfaktor statt als wertschöpfendes Instrument behandeln; und fehlgesetzte Anreize, bei denen Laboratorien die Kosten tragen, während die Einsparungen andernorts im System anfallen.

"Unsere gesundheitsökonomische Analyse zeigt, dass diese Labordiagnostika sowohl für Patienten als auch für Gesundheitssysteme einen erheblichen Mehrwert liefern können. Und zwar weit über ihre anfänglichen Kosten hinaus. Dies gibt politischen Entscheidungsverantwortlichen eine klare, evidenzbasierte Grundlage, um zu überdenken, wie Diagnostika bewertet und finanziert werden", sagt Dr. Sophie Vandepitte, Global Director Market Access Strategy bei bioMérieux und Postdoktorandin in Gesundheitsökonomie und -management an der Universität Gent.

Die modellbasierten Erkenntnisse sprechen eindrücklich für die Durchführung einer prospektiven Real-World-Studie, um ihre Relevanz für die klinische Praxis zu bestätigen. Gleichzeitig zeichnen sie einen klaren Weg vor: Vergütungsstrukturen sollten angepasst, labordiagnostische Kapazitäten ausgebaut, Anreize neu ausgerichtet und schnelle Labordiagnostik frühzeitiger in klinische Versorgungspfade integriert werden.

Die vollständige Studie "The Value of Fast Diagnostics in Time-Critical Infections: A Use Case in Bloodstream Infections and Sepsis" ist verfügbar unter: https://www.ohe.org/publications/the-value-of-fast-diagnostics-in-time-cr itical-infections/

* Zur besseren Lesbarkeit wird das generische Maskulinum verwendet. Alle Geschlechter sind dabei ausdrücklich eingeschlossen.

Über Biomérieux

Pioneering Diagnostics

Als einer der weltweiten Marktführer im Bereich der In-vitro-Diagnostik ist bioMérieux seit 1963 in 46 Ländern vertreten und beliefert mit Unterstützung eines großen Distributorennetzwerks mehr als 160 Länder. Im Jahr 2025 erreichte der Umsatz 4,1 Mrd. EUR, wobei über 94 % der Erlöse außerhalb Frankreichs erzielt wurden.

bioMérieux bietet Diagnostiklösungen (Systeme, Reagenzien, Software und Dienstleistungen), die die Ursache von Krankheiten und Kontaminationen identifizieren, um die Patientengesundheit zu verbessern und die Verbrauchersicherheit zu gewährleisten. Die Produkte werden hauptsächlich zur Diagnose von Infektionskrankheiten eingesetzt. Darüber hinaus finden sie Anwendung bei der Erkennung von Mikroorganismen in Lebensmitteln, Pharmazeutika und Kosmetika.

http://www.biomerieux.com .

bioMérieux ist an der Euronext Paris notiert.

Kürzel: BIM - ISIN Code: FR0013280286

Reuters: BIOX.PA/Bloomberg: BIM.FP

Referenzen

1 Gray A, Chung E, Hsu R et al. Global, regional, and national sepsis incidence and mortality, 1990-2021: a systematic analysis. The Lancet Global Health, 2025.

2 Hassan S., Hamlyn T., Fong H., Hampson G. 2026. The Value of Fast Diagnostics in Time-Critical Infections. OHE Contract Research Report, London: Office of Health Economics.

3 Bauer, K.A., Perez, K.K., Forrest, G.N. and Goff, D.A., 2014. Review of rapid diagnostic tests used by antimicrobial stewardship programs. Clinical Infectious Diseases: An Official Publication of the Infectious Diseases Society of America , 59 Suppl 3, pp.S134-145. DOI: 10.1093/cid/ciu547.

4 Kadri, S.S., Lai, Y.L., Warner, S., Strich, J.R., Babiker, A., Ricotta, E.E., Demirkale, C.Y., Dekker, J.P., Palmore, T.N., Rhee, C., Klompas, M., Hooper, D.C., Powers, J.H., Srinivasan, A., Danner, R.L. and Adjemian, J., 2021a. Inappropriate Empiric Antibiotic Therapy in Bloodstream Infections at U.S. Hospitals based on Discordant In vitro Susceptibilities: A Retrospective Cohort Analysis of Prevalence, Predictors and Mortality Risk. The Lancet. Infectious diseases , 21(2), pp.241-251. DOI: 10.1016/S1473-3099(20)30477-1.

5 Federal Government of Germany, 2024. 1st DART 2030 Action Plan 2024-2026 . [online] Available at: https://ots.de/2qR2MH [Abgerufen: 30. März 2026].

6 Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), 2024. Beschluss über eine Änderung der Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung: Themenspezifische Bestimmungen für ein Verfahren 20: Diagnostik und Therapie der Sepsis . Vom 19. Dezember 2024. Verfügbar unter: https://ots.de/37Cfua [Abgerufen: 30. März 2026].

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