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Nürtingen (ots) -
- Eine aktuelle gesundheitsökonomische Untersuchung des Office of Health
Economics (OHE) belegt konsistent, dass der frühzeitige Einsatz einer
schnellen Erregeridentifizierung und Resistenztestung das Risiko für das
Entstehen einer Sepsis verringern, klinische Outcomes verbessern und
Gesundheitssystemen erhebliche Kosteneinsparungen ermöglichen kann
- DART 2030: Deutschlands nationale Antibiotika-Resistenzstrategie setzt das
explizite Ziel, die sepsisbedingte Sterblichkeit bis 2030 um 30 % zu senken
und benennt schnelle Labordiagnostik als ein Handlungsfeld
- Mit dem Qualitätssicherungsverfahren (QS) Sepsis setzt Deutschland auch auf
regulatorischer Ebene ein klares Signal für schnelle Diagnostik als
unverzichtbaren Bestandteil einer leitliniengerechten Sepsisversorgung
bioMérieux, einer der weltweiten Marktführer in der In-vitro-Diagnostik, gibt
die Veröffentlichung einer internationalen gesundheitsökonomischen Analyse
bekannt. Diese untersucht, welchen Effekt der frühzeitige Einsatz einer
schnellen Erregeridentifizierung und Resistenztestung (ID/AST) im
Versorgungspfad von Patienten* mit einer Blutstrominfektion und hohem
Sepsisrisiko hat.
Durchgeführt vom Office of Health Economics (OHE), einer weltweit führenden und
unabhängigen gesundheitsökonomischen Forschungsorganisation, umfasst die
Untersuchung alle G7-Länder (Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan,
das Vereinigte Königreich und die USA). Sie ist die erste Analyse, die
länderübergreifend und konsistent belegt, dass ein frühzeitiger Einsatz
schneller Labordiagnostik das Risiko einer Progression zur Sepsis verringern,
klinische Outcomes verbessern und den Gesundheitssystemen erhebliche
Kosteneinsparungen ermöglichen kann.
Versorgungslücken bei der Sepsisbehandlung
Sepsis, eine lebensbedrohliche Überreaktion des Körpers auf eine Infektion, ist
weltweit für 21 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich.[1] In Deutschland
verstirbt im Krankenhaus mehr als jeder dritte Sepsispatient (36 %).[2] Die
ersten Stunden sind für die Patientenversorgung entscheidend. Dabei gilt eine
zielgerichtete Antibiotikatherapie als wesentlicher Überlebensfaktor.
Konventionelle Labordiagnostik liefert dringend erforderliche Ergebnisse erst
nach zwei bis drei Tagen und zwingt die klinischen Teams dadurch, wichtige
Therapieentscheidungen bei unvollständiger diagnostischer Datenlage zu
treffen.[3]
Infolgedessen erhalten fast 20 % der Patienten mit einer Blutstrominfektion eine
inadäquate Erstbehandlung - was das Risiko einer klinischen Verschlechterung
erhöht und zu höheren Kosten für das jeweilige Krankenhaus sowie das
Gesundheitssystem führt.[4]
In Deutschland wurde dieses Problem erkannt. In der
Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2030 wurde explizit das Ziel definiert, die
sepsisbedingte Sterblichkeit bis 2030 um 30 % zu senken. Der frühzeitige Einsatz
schneller Labordiagnostik wird dabei als eine Schlüsselmaßnahme zur Erreichung
dieses Ziels benannt.[5] Diesen Kurs bekräftigt das neue
Qualitätssicherungsverfahren (QS) Sepsis des Gemeinsamen Bundesausschusses
(G-BA), das seit Januar 2026 die mikrobiologische Diagnostik - v. a. die
Blutkulturdiagnostik - als messbaren Qualitätsstandard in der stationären
Sepsisversorgung verankert.[6]
Die nun vorliegende modellbasierte gesundheitsökonomische Analyse untersucht
konkret, welche Auswirkungen ein systematisch früherer Einsatz einer schnellen
ID/AST im Versorgungspfad vor dem Eintreten einer klinischen Verschlechterung
hätte. Das auf realen Daten französischer Krankenhäuser basierende Modell
berücksichtigt epidemiologische Parameter, Versorgungspfade, Behandlungskosten,
den Progressionsverlauf zur Sepsis, Mortalität sowie Langzeitfolgen über einen
13-Monats-Zeitraum. Für jedes G7-Land wurde es anhand länderspezifischer
Eingangsdaten (u. a. Inzidenz, Diagnosetestmuster und nationale
Gesundheitskosten) validiert und angepasst. Klinische Fachexperten stellten
dabei die Übereinstimmung mit den jeweiligen nationalen Versorgungsstandards
sicher. Die Ergebnisse sind über alle G7-Länder hinweg konsistent.
Eine schnellere Erregeridentifizierung kann das klinische Outcome deutlich
verbessern
Frühere Studien haben gezeigt, dass schnelle ID/AST-Methoden klinisch
verwertbare Ergebnisse in weniger als 30 Stunden liefern und damit die Zeit bis
zum Ergebnis im Vergleich zum jeweiligen nationalen Versorgungsstandard
erheblich verkürzen können. Die OHE-Analyse baut auf diesen etablierten
Erkenntnissen auf, indem sie die klinischen Auswirkungen eines früheren
Einsatzes dieser schnelleren Diagnostik im Versorgungspfad quantifiziert.
Grundlage der Modellberechnungen für Deutschland sind 77.000 erwachsene
Patienten, die pro Jahr wegen einer Blutstrominfektion stationär behandelt
werden.[2] Die Ergebnisse zeigen, dass ein früherer Zugang zu
labordiagnostischen Informationen jährlich rund 7.400 Sepsisfälle und etwa 3.800
sepsisbedingte Todesfälle verhindern könnte.[2] Die Zahl der gemeldeten
Sepsisfälle könnte um mehr als 20 % sinken. Dies würde zu weniger
sepsisbedingten Todesfällen und einer deutlichen Reduktion langfristiger
Post-Sepsis-Komplikationen führen, was positive Auswirkungen auf die
Lebensqualität der Betroffenen hätte.
"Im Rahmen von DART 2030 und QS Sepsis verfolgt Deutschland bereits klare
Strategien zur Reduktion sepsisbedingter Sterblichkeit. Das Modell liefert
hierfür wichtige ökonomische Evidenz und unterstreicht die zentrale Bedeutung
schneller Labordiagnostik. Nun müssen strukturelle Reformen sicherstellen, dass
diese in den entscheidenden ersten Stunden direkt am Patientenbett verfügbar
ist", sagt Dr. med. Maxime Ndolumingo, Associate Director Medical Affairs bei
bioMérieux (Central Europe), Germany.
Gesamtwirtschaftlicher Nutzen für das Gesundheitssystem
Die Analyse zeigt, dass ein früherer Einsatz schneller ID/AST im Versorgungspfad
konsistent zu Kosteneinsparungen führen kann, unabhängig davon, wie das
Gesundheitssystem strukturiert oder finanziert ist. Hervorzuheben ist, dass 53 %
bis 83 % aller potenziellen Einsparungen bereits während des initialen
Krankenhausaufenthalts entstehen - jenem Zeitraum, in dem klinische wie
wirtschaftliche Folgen einer Verschlechterung am stärksten ins Gewicht
fallen.[1] Eine frühzeitige Verfügbarkeit labordiagnostischer Informationen
verringert das Risiko, dass Patienten in die kostenintensivsten Stadien der
Sepsistherapie gelangen. Für Deutschland weist die Analyse konkret eine mögliche
Ersparnis von rund 2.000 EUR pro Patient aus - bedingt in erster Linie durch
weniger intensivmedizinische Behandlungen, kürzere Krankenhausaufenthalte und
einen reduzierten Behandlungsaufwand aufgrund schwerer Komplikationen.
Auf Bevölkerungsebene beziffert die Analyse für Deutschland ein jährliches
Einsparpotenzial von rund 153 Millionen Euro. Diese Zahlen spiegeln sowohl
vermiedene Kosten in der Akutphase als auch reduzierte Langzeitkomplikationen
wider.[2]
Warum politisches Handeln geboten ist
Labordiagnostika machen heute nur einen Bruchteil der Gesundheitsausgaben aus,
ihr Einsatz wird aber oftmals durch strukturelle Barrieren limitiert:
Bewertungsrahmen, die ihren umfassenden Nutzen für Gesundheitssystem und
Bevölkerung nicht abbilden; pauschale Vergütungsmodelle, die sie als
Kostenfaktor statt als wertschöpfendes Instrument behandeln; und fehlgesetzte
Anreize, bei denen Laboratorien die Kosten tragen, während die Einsparungen
andernorts im System anfallen.
"Unsere gesundheitsökonomische Analyse zeigt, dass diese Labordiagnostika sowohl
für Patienten als auch für Gesundheitssysteme einen erheblichen Mehrwert liefern
können. Und zwar weit über ihre anfänglichen Kosten hinaus. Dies gibt
politischen Entscheidungsverantwortlichen eine klare, evidenzbasierte Grundlage,
um zu überdenken, wie Diagnostika bewertet und finanziert werden", sagt Dr.
Sophie Vandepitte, Global Director Market Access Strategy bei bioMérieux und
Postdoktorandin in Gesundheitsökonomie und -management an der Universität Gent.
Die modellbasierten Erkenntnisse sprechen eindrücklich für die Durchführung
einer prospektiven Real-World-Studie, um ihre Relevanz für die klinische Praxis
zu bestätigen. Gleichzeitig zeichnen sie einen klaren Weg vor:
Vergütungsstrukturen sollten angepasst, labordiagnostische Kapazitäten
ausgebaut, Anreize neu ausgerichtet und schnelle Labordiagnostik frühzeitiger in
klinische Versorgungspfade integriert werden.
Die vollständige Studie "The Value of Fast Diagnostics in Time-Critical
Infections: A Use Case in Bloodstream Infections and Sepsis" ist verfügbar
unter: https://www.ohe.org/publications/the-value-of-fast-diagnostics-in-time-cr
itical-infections/
* Zur besseren Lesbarkeit wird das generische Maskulinum verwendet. Alle
Geschlechter sind dabei ausdrücklich eingeschlossen.
Über Biomérieux
Pioneering Diagnostics
Als einer der weltweiten Marktführer im Bereich der In-vitro-Diagnostik ist
bioMérieux seit 1963 in 46 Ländern vertreten und beliefert mit Unterstützung
eines großen Distributorennetzwerks mehr als 160 Länder. Im Jahr 2025 erreichte
der Umsatz 4,1 Mrd. EUR, wobei über 94 % der Erlöse außerhalb Frankreichs
erzielt wurden.
bioMérieux bietet Diagnostiklösungen (Systeme, Reagenzien, Software und
Dienstleistungen), die die Ursache von Krankheiten und Kontaminationen
identifizieren, um die Patientengesundheit zu verbessern und die
Verbrauchersicherheit zu gewährleisten. Die Produkte werden hauptsächlich zur
Diagnose von Infektionskrankheiten eingesetzt. Darüber hinaus finden sie
Anwendung bei der Erkennung von Mikroorganismen in Lebensmitteln, Pharmazeutika
und Kosmetika.
http://www.biomerieux.com .
bioMérieux ist an der Euronext Paris notiert.
Kürzel: BIM - ISIN Code: FR0013280286
Reuters: BIOX.PA/Bloomberg: BIM.FP
Referenzen
1 Gray A, Chung E, Hsu R et al. Global, regional, and national sepsis incidence
and mortality, 1990-2021: a systematic analysis. The Lancet Global Health, 2025.
2 Hassan S., Hamlyn T., Fong H., Hampson G. 2026. The Value of Fast Diagnostics
in Time-Critical Infections. OHE Contract Research Report, London: Office of
Health Economics.
3 Bauer, K.A., Perez, K.K., Forrest, G.N. and Goff, D.A., 2014. Review of rapid
diagnostic tests used by antimicrobial stewardship programs. Clinical Infectious
Diseases: An Official Publication of the Infectious Diseases Society of America
, 59 Suppl 3, pp.S134-145. DOI: 10.1093/cid/ciu547.
4 Kadri, S.S., Lai, Y.L., Warner, S., Strich, J.R., Babiker, A., Ricotta, E.E.,
Demirkale, C.Y., Dekker, J.P., Palmore, T.N., Rhee, C., Klompas, M., Hooper,
D.C., Powers, J.H., Srinivasan, A., Danner, R.L. and Adjemian, J., 2021a.
Inappropriate Empiric Antibiotic Therapy in Bloodstream Infections at U.S.
Hospitals based on Discordant In vitro Susceptibilities: A Retrospective Cohort
Analysis of Prevalence, Predictors and Mortality Risk. The Lancet. Infectious
diseases , 21(2), pp.241-251. DOI: 10.1016/S1473-3099(20)30477-1.
5 Federal Government of Germany, 2024. 1st DART 2030 Action Plan 2024-2026 .
[online] Available at: https://ots.de/2qR2MH [Abgerufen: 30. März 2026].
6 Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), 2024. Beschluss über eine Änderung der
Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung:
Themenspezifische Bestimmungen für ein Verfahren 20: Diagnostik und Therapie der
Sepsis . Vom 19. Dezember 2024. Verfügbar unter: https://ots.de/37Cfua
[Abgerufen: 30. März 2026].
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