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Berlin (ots) - Bundesregierung muss ambitionierte Maßnahmen für Deutschlands
Plan zur Wiederherstellung der Natur vorlegen - Bürger*innen können mitreden!
- Entwurf der Bundesregierung bleibt hinter EU-Vorgaben zurück
- Mehrwöchige Online-Beteiligung ab Ende April
- Renaturierung von Flüssen stärkt Biodiversität, Hochwasserschutz und
Klimaresilienz
Ab Ende April dürfen Bürger*innen mitreden, wie Deutschlands Natur künftig
wiederhergestellt werden soll - von frei fließenden Flüssen über gesunde Wälder
bis zu städtischen Ökosystemen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) ruft dazu auf, sich aktiv an der Beteiligung zum nationalen
Wiederherstellungsplan im Rahmen der EU-Wiederherstellungsverordnung (WVO)
einzubringen. Denn: Der aktuelle Entwurf der Bundesregierung bleibt weit hinter
dem europäischen Anspruch zurück. Zur Beteiligung der Öffentlichkeit im
Verfahren schaltet das Bundesumweltministerium in den nächsten Tagen ein
Online-Tool frei, mit dem Bürger*innen, Verbände sowie weitere Interessierte
sich aktiv im Rahmen der Durchführung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung
der Natur beteiligen können.
Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: "Mit der öffentlichen Beteiligung wird die
Wiederherstellung der Natur zum Zukunftsprojekt. Je mehr Menschen ihre Ideen
einbringen, desto besser können wir unsere Ökosysteme schützen und erneuern!
Klar ist aber auch: Die Bundesregierung muss jetzt liefern. Der aktuelle Plan
lässt den Mut vermissen, die Zerstörung unserer Natur wirklich umzukehren. Statt
kleinteiliger Programme brauchen wir ein nationales Aufbruch-Projekt für
Renaturierung - mit klaren Zielen, ausreichenden Mitteln und dem Willen,
Blockaden zu beseitigen."
Die Wiederherstellungsverordnung verpflichtet alle EU-Mitgliedsstaaten, bis 2030
naturnahe Lebensräume zu fördern. Für Gewässer heißt das beispielsweise: Bis
2030 müssen mindestens 25.000 Kilometer frei fließende Flüsse geschaffen werden.
Dafür müssen nicht mehr gebrauchte Staudämme oder Barrieren abgebaut werden. In
Deutschland sieht der BUND beim Lebensraum Wasser großes Potenzial: bis 2030
könnten hierzulande 500 Kilometer, bis 2050 weitere 1500 Kilometer frei
fließende Flüsse wiederhergestellt werden. Bislang gibt es in Deutschland nur
knapp 200 Kilometer frei fließende Flüsse.
Nur ein Prozent der Flüsse ohne starken menschlichen Einfluss
Frei fließende Flüsse sind wichtig, denn sie bieten unter anderem durch ihre
Auen mehr Sicherheit beim Hochwasserschutz. Zusätzlich können Auen große
Wassermengen wie ein Schwamm aufnehmen und wieder langsam in die Landschaft
abgeben oder zur Grundwasserneubildung beitragen. Zudem sind sie ein bedeutender
Kohlenstoffspeicher und Hotspot der biologischen Vielfalt. In Deutschland bilden
Bäche und Flüsse ein Netz von etwa 590.000 Kilometern, wovon nur noch ein
Prozent ohne starken menschlichen Einfluss ist. Die meisten Flüsse sind
begradigt oder verbaut. Das ist insbesondere für Wanderfische wie Aale, Störe
oder Lachse ein großes Problem. Sie sind gefährdet, weil sie durch die Barrieren
nicht zwischen ihren Lebensräumen Meer und Fluss wechseln können.
Umsetzung bei weiteren Lebensräumen nötig - Renaturierungsmaßnahmen sind ein
Gewinn
Neben den Flüssen und Auen stehen auch Wälder, Moore, Agrarlandschaften und
Meeresökosysteme im Fokus der Verordnung. Laut aktuellem Bericht des European
Academies' Science Advisory Council (EASAC) zahlen sich Investitionen in die
Wiederherstellung der Natur aus: Die geschätzten Kosten von rund 150 Millionen
Euro für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme in Europa werden durch
mindestens zehnmal so hohe Vorteile aufgewogen. Sie ergeben sich aus vermiedenen
Katastrophenschäden, einer verbesserten öffentlichen Gesundheit, einer höheren
Klimaresilienz sowie einer verbesserten Nahrungsmittel- und
Wasserversorgungssicherheit.
Bandt: "Ob an Flüssen, in Mooren oder im Wald - jede Renaturierungsmaßnahme ist
ein Gewinn für Natur und Menschen. Die Maßnahmen sind langfristig
kosteneffizient, machen Deutschland resilient und sichern uns unsere Ressourcen
ab. Die kommenden Wochen sind eine Chance, gemeinsam festzulegen, wie
Deutschland diesen Weg gehen kann."
Hintergrund:
Laut des im Oktober 2024 von der Europäischen Umweltagentur (EUA)
veröffentlichten Berichts (https://www.eea.europa.eu/en/analysis/publications/ee
a-signals-2024/signals-country-translation-de.pdf) "Europe's state of water
2024: the need for improved water resilience" sind die meisten geschützten
aquatischen Lebensräume und Arten in einem schlechten oder sehr schlechten
Erhaltungszustand. Es gibt nicht nur einen starken Rückgang bei der Zahl der
Wanderfische, sondern auch bei den Populationen von Amphibien, Süßwasserfischen
und von den Gewässern abhängigen Vögeln.
Eine Studie des Umweltbundesamtes (https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/
fluessen-baechen-wieder-mehr-raum-zurueckgeben) zeigt, dass etwa zwei Prozent
der Fläche Deutschlands für die Gewässerentwicklung benötigt werden, um die
gesetzlichen Ziele im Gewässerschutz und damit verbunden viele weitere
Umweltvorteile erreichen zu können. Aber auch beim Zustand der anderen
Ökosysteme ergibt sich ein erschreckendes Bild. So sind 80 Prozent der
geschützten Lebensräume in Europa und über 70 Prozent in Deutschland in einem
schlechten Zustand.
Neben der Wasserrahmenrichtlinie, der Meeresschutzrichtlinie und den Natura
2000-Richtlinien ist die Verordnung über die Wiederherstellung der Natur von
entscheidender Bedeutung für den Erhalt und die Wiederherstellung von
Süßwasser-, Land- und Meeresökosystemen. Die Länder der Europäischen Union
müssen demnach bis 2030 signifikante Fortschritte bei der Wiederherstellung
naturnaher Lebensräume erzielen. Darunter fällt auch die Entfernung von
obsoleten, vom Menschen geschaffenen Hindernisse an Flüssen und Auen bis 2030,
um so europaweit mindestens 25.000 Flusskilometer wieder frei fließend zu
gestalten. Neben den zusätzlichen 500 Kilometern frei fließenden Flüssen, die
kurzfristig bis 2030 wieder hergestellt werden können, sind in Deutschland bis
2050 weitere 5000 Kilometer renaturierte Flussstrecke denkbar, davon 1500
Kilometer frei fließend nach der Verordnung zur Wiederherstellung der Natur.
Durch ein "Gesetz zur Stärkung der natürlichen Infrastruktur" - wie von
Bundesumweltminister Carsten Schneider angekündigt - wären diese Ziele
erreichbar.
Bis September 2026 muss die Bundesregierung der EU-Kommission in ihrem Entwurf
des Nationalen Wiederherstellungsplans für die Natur in Deutschland melden, mit
welchen Maßnahmen und Programmen wieder naturnahe Wälder, frei fließende Flüsse,
intakte Moore, lebendige Agrarlandschaften und gesunde Meere geschaffen werden
können. Hierzu beginnt jetzt für die nächsten sechs Wochen die Beteiligung der
Öffentlichkeit.
Mehr Informationen:
- BUND zu Lebensräume
(https://www.bund.net/lebensraeume/eu-wiederherstellungsverordnung/) und zur
Wiederherstellungsverordnung
- Erfolgreiche BUND Renaturierungsprojekte: Grünes Band
(https://www.bund.net/gruenes-band/) , Elbauen
(https://www.bund.net/fluesse-gewaesser/lebendige-elbauen/) und
Deichrückverlegung (https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/det
ail/news/bund-und-bfn-stellen-evaluation-der-ersten-grossen-deichrueckverlegun
g-vor-1/) , Diepholzer Moorniederung (https://www.bund.net/spenden-und-unterst
uetzen/unsere-spendenprojekte/spendenprojekt-moorschutz/wir-schuetzen-moore-im
-ganzen-land/) , Doggerbank
(https://www.bund.net/meere/meeresschutz/meeresschutzgebiete/doggerbank/) .
- BUND-Mitgliedschaft (https://www.bund.net/spenden-und-unterstuetzen/mitglied-w
erden/mitgliedschaft-im-bund/)
- Kontakt: Sascha Maier, BUND-Gewässerexperte, Tel.: +49 30 27586-532, Mobil:
+49 170 571 96 89, E-Mail: sascha.maier(at)bund.net
- Sie finden den BUND-Bundesverband auch auf Bluesky
(https://bsky.app/profile/bund.net) , Instagram
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(https://www.facebook.com/bund.bundesverband)
Pressekontakt:
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CvD | Daniel Jahn | Sigrid Wolff | Clara Billen | Lara Dalbudak
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OTS: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
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