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Köln (ots) - Ausbruch in Lager im Südwesten des Landes - Familien legen bis zu
60 Kilometer zu Fuß zurück, um Hilfe zu erreichen
Im Lager für Vertriebene Iftin im Bezirk Gedo im Südwesten Somalias ist es zu
einem Ausbruch von Unterernährung gekommen, der nach Angaben von Mitarbeitenden
der Hilfsorganisation Islamic Relief bereits mindestens ein Todesopfer gefordert
hat. Während sich die schwerste Dürre seit Jahren weiter verschärft, warnen
humanitäre Helfer vor Ort vor weiteren Todesfällen, wenn die Hilfe nicht schnell
ausgeweitet wird. Menschen aus Iftin berichten.
Die anhaltende Dürre - ausgelöst durch mehrere ausgefallene Regenzeiten - hat
Ernten, Viehbestände und Wasserquellen vernichtet. Millionen Menschen wurden
gezwungen, ihr zu Hause zu verlassen und in provisorischen Lagern für
Binnenvertriebene Schutz zu suchen. Viele Familien erreichen Iftin erst nach
tagelangen Fußmärschen über 50 bis 60 Kilometer - erschöpft, unterernährt und
oft ohne jede verbleibende Lebensgrundlage.
Islamic Relief versorgt die Menschen vor Ort mit Nahrungsmitteln, sauberem
Wasser und Bargeldhilfen. Doch der Bedarf übersteigt die verfügbaren Mittel bei
weitem. Eine gemeinsame Analyse von UN-Organisationen und
Nichtregierungsorganisationen zeigt, dass rund 80 Prozent der Menschen im Bezirk
Gedo mit nur einer mageren Mahlzeit pro Tag auskommen müssen.
Awil Abukar Mohamed, leitender Kommunikationskoordinator von Islamic Relief in
Somalia, hat das Lager Iftin besucht und mit den Menschen gesprochen. Er sagt:
"Die Stille ist es, die mich am meisten verfolgt. Es ist nicht die Stille des
Friedens, sondern die bedrückende, erstickende Stille der Erschöpfung. Die
Menschen haben ihre gesamte Energie aufgebraucht, nur um hierher zu gelangen,
und viele kommen schwach, erschöpft und dem Tod nahe an, nachdem sie tagelang
gelaufen sind. Im Lager sind kleine Kinder und ältere Menschen der sengenden
Sonne ausgeliefert, ohne angemessenen Schutz und ohne etwas zu trinken. Eltern
verzichten tagelang auf Essen, nur damit ihre Kinder ein paar zusätzliche Bissen
bekommen können. Islamic Relief versorgt die Menschen mit Lebensmitteln und
Bargeldhilfen, damit sie auf den lokalen Märkten das Nötigste kaufen können,
aber das reicht bei weitem nicht aus. Wir müssen den Menschen dringend mehr
Hilfe zukommen lassen, bevor noch mehr Menschen sterben."
Auch neu angekommene Familien berichten von extremen Entbehrungen auf der
Flucht. Die 26-jährige Hawa A. floh mit ihren Kindern nach einer fünftägigen
Wanderung nach Iftin, nachdem die Dürre ihre gesamte Herde vernichtet hatte.
Während sie ihren unterernährten Säugling im Arm hält, sagt sie:
"Ich habe ihm nichts zu geben. Er kann nicht einmal mehr essen oder trinken.
Haben wir es nicht verdient, so zu leben wie der Rest der Menschen? Wir sind es
so leid, nach Hilfe zu suchen."
Eine weitere Mutter, Muslimo M., 32, war ebenfalls fünf Tage lang bei extremer
Hitze zu Fuß unterwegs. Sie sagt:
"Ich schaue in meine Küche und fange an zu weinen, weil meine Kinder nach Essen
fragen, das ich nicht habe."
Die Krise betrifft nicht nur Somalia: Auch in Teilen Kenias und Äthiopiens
verschärft die Dürre die humanitäre Lage und zerstört Lebensgrundlagen in der
gesamten Region am Horn von Afrika. In Somalia hat sich die Zahl der Menschen,
die unter akuter Hungersnot leiden, im Vergleich zum Vorjahr auf rund 6,5
Millionen verdoppelt - fast ein Drittel der Bevölkerung. Schätzungen zufolge
werden mindestens 1,85 Millionen Kinder unter fünf Jahren von akuter
Unterernährung betroffen sein.
Gleichzeitig verschärfen globale Entwicklungen die Lage zusätzlich. Steigende
Transport- und Lebensmittelpreise infolge gestörter Lieferketten setzen
humanitäre Programme weiter unter Druck. Hinzu kommen massive Kürzungen
internationaler Finanzhilfen: Der von den Vereinten Nationen koordinierte
Humanitarian Response Plan für Somalia ist für das Jahr 2026 derzeit nur zu rund
13 Prozent finanziert.
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen leisten Hilfsorganisationen weiterhin
lebensrettende Unterstützung. Allein Islamic Relief erreichte im Jahr 2025 mehr
als 700.000 Menschen in Somalia mit humanitärer Hilfe sowie Programmen zur
Stärkung der Landwirtschaft und zur Anpassung an die Folgen der Klimakrise.
Ohne eine deutliche Aufstockung der internationalen Hilfe droht sich die Lage in
den kommenden Monaten weiter dramatisch zu verschärfen. Humanitäre
Organisationen warnen, dass insbesondere Kinder und ältere Menschen zunehmend
gefährdet sind, an den Folgen von Hunger und Unterernährung zu sterben.
Anmerkungen für Redaktionen
1. Die Zahlen stammen aus aktuellen Analysen der von den Vereinten Nationen
unterstützten "Integrated Food Security Phase Classification" (IPC).
2. In Somalia sind rund 6,5 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit
betroffen (UN/IPC).
3. Der von den Vereinten Nationen koordinierte Humanitarian Response Plan (HRP)
für Somalia ist für das Jahr 2026 derzeit nur zu rund 13 Prozent finanziert.
Über Islamic Relief
Islamic Relief ist eine internationale humanitäre und entwicklungspolitische
Organisation, die seit 1984 weltweit in Not- und Krisengebieten tätig ist. Die
Organisation leistet Nothilfe, unterstützt nachhaltige Entwicklungsprogramme und
setzt sich für den Schutz besonders vulnerabler Bevölkerungsgruppen ein. Islamic
Relief Deutschland ist Teil des internationalen Netzwerks und unterstützt die
weltweite humanitäre Arbeit der Organisation. In Somalia arbeitet Islamic Relief
gemeinsam mit lokalen Partnern an der Versorgung von Vertriebenen, der Stärkung
von Lebensgrundlagen sowie der Anpassung an die Folgen des Klimawandels.
Pressekontakt:
Sara Ahmed Martinez, Pressereferentin
Telefon: 01512 205 05 77
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OTS: Islamic Relief Deutschland e.V.
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