|
Osnabrück (ots) - Schauspielerin Uschi Glas (82) äußert sich enttäuscht über
verpasste Chancen beim Jungen Deutschen Film um Fassbinder, Wenders und Herzog.
Obwohl sie mit "Zur Sache, Schätzchen" den Publikumshit der 68er-Bewegung
gedreht habe, sei sie systematisch ausgeschlossen worden: "Das lag an meiner
politischen Haltung. Ich wollte mich von niemandem vereinnahmen lassen, von
keiner Seite. Der Junge Deutsche Film war komplett links", sagte Glas der "Neuen
Osnabrücker Zeitung" (noz).
Die Ablehnung sei ihr gegenüber offen kommuniziert worden: "Ich habe zu denen
gesagt, dass ich mir weder ein Arafat-Tuch umwickle noch den Kommunismus oder
die DDR bejuble. Damit war ich draußen. Das haben die mir ausdrücklich so
gesagt." Glas empfand den Druck damals als Nötigung: "Ich hätte meine Seele
nicht verkaufen können. Ich fühlte mich wirklich erpresst." Dass sie keine
Rollen im Arthouse-Kino ihrer Zeit mehr erhielt, habe sie hingenommen:
"Allerdings hatte ich nicht geglaubt, dass die ernst machen. Ich dachte, die
werden mich schon holen. Immerhin hatte ich gerade den erfolgreichsten Film der
68er-Bewegung gemacht."
In der Folge konzentrierte sich Glas auf kommerzielle Unterhaltungsfilme: "Ich
wollte immer gute Filme machen, interessante Rollen spielen. Aber ich habe
meinen Beruf nie zur Selbstverwirklichung ausgeübt. Das war auch mein
Einkommen", sagte Glas. "Nachdem ich bei den jungen Regisseuren keine Rollen
mehr bekam, spielte ich einige Jahre lang in Filmen, die man spöttisch - und zu
Unrecht - 'Opas Kino' nannte, Paukerfilme, Komödien, die beim Publikum großen
Anklang fanden." Die heutige Debatte darüber, ob man noch seine Meinung sagen
dürfe, erinnere sie stark an die damalige Zeit: "Was im Moment politisch los
ist, ist mir überhaupt nicht fremd. Vieles davon erinnert mich an die 68er."
Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion
Telefon: +49(0)541/310 207
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/58964/6275140
OTS: Neue Osnabrücker Zeitung
|