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Berlin (ots) - Alle zwei Jahre, wenn der Katholikentag stattfindet, wird auch
über die gesellschaftliche Rolle der christlichen Kirchen diskutiert - und
darüber, wie politisch diese sein dürfen. Debatten, die gut zum Katholikentag
passen, geht dieser doch auf die erste Generalversammlung des Katholischen
Vereins Deutschlands in Mainz, im Jahr 1848 zurück, der sich gegen staatliche
Einmischungen in kirchliche Angelegenheiten aussprach.
Wie politisch Kirche heutzutage ist, wurde in den vergangenen Wochen sehr
deutlich. Die beiden christlichen Kirchen sprechen sich gerade verstärkt gegen
die AfD aus. Ein Anlass, der dazu führte, dass keine AfD-Vertreter*innen zum
Katholikentag eingeladen wurden, ist das kirchenfeindliche Programm der AfD in
Sachsen-Anhalt und deren dort drohende Alleinregierung.
Dass die katholische Kirche die AfD ablehnt, ist eine gesellschaftlich breit
geteilte Position. Da ist man sich einig, von großen Teilen der CDU bis zu
linksradikalen Antifa-Gruppen. Bei anderen Themen ist es da schon schwieriger.
Vor dem Katholikentag demonstrierten daher Politiker*innen aus CDU und CSU, wie
groß ihre Schwierigkeiten mit einer politischen Kirche sind. Bayerns
Ministerpräsident Markus Söder warnte, die Kirche dürfe nicht zur NGO werden.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die mit einer ähnlichen Kritik schon
einmal aufgefallen war, riet der Kirche nun zu mehr "spirituellen Impulsen" und
weniger Tagespolitik. Und Innenminister Alexander Dobrindt, der wünscht sich
eine politische Kirche, nur anders, als er die Kirche aktuell wahrnimmt. "Ich
finde, man sollte Fahrzeuge segnen, auch Autos. Aber die Frage eines Tempolimits
braucht keine christliche Prägung", erklärte er, und äußerte den Eindruck, die
Kirche tendiere dazu, eine "Klimaschutzreligion" zu werden. Beim Thema
"Lebensschutz" hingegen wünsche er sich eine "viel lautere Stimme" der Kirche.
Ein Wunsch, dem alle, die auch nur einen Tick progressiver denken als Dobrindt,
wohl heftig widersprechen. Viel zu viele, teilweise aggressive
Lebensschützer*innen, werden in der katholischen Kirche geduldet. Am
fundamentalistischen "Marsch für das Leben" nehmen jedes Mal hohe
Kirchenvertreter teil. Und die Sexualmoral der Kirche sorgt jeden Tag für
individuelles Leid.
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