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Hamburg (ots) - Während Großbanken Marktanteile abgeben und Neobanken um
Vertrauen ringen, wächst eine Institutsgruppe leise, aber konsequent:
Genossenschaftsbanken. Eine Analyse darüber, warum ein 170 Jahre altes
Geschäftsmodell zum Gewinner des modernen Bankenmarkts werden könnte.
In der Strategiediskussion des deutschen Bankensektors tauchen
Genossenschaftsbanken selten als Protagonisten auf. Sie gelten als solide,
regional, verlässlich - aber nicht als innovativ, nicht als disruptiv, nicht als
zukunftsweisend. Diese Einschätzung könnte ein Fehler sein. Ein teurer.
Denn während die Branche über KI, Embedded Finance und das Ende des
Filialmodells diskutiert, haben Volksbanken und Raiffeisenbanken still und
stetig Marktanteile gewonnen - und das ausgerechnet in einer Phase, in der das
Vertrauen in Finanzinstitutionen auf einem historischen Tiefstand liegt. Das ist
kein Zufall. Es ist die Konsequenz einer Governance-Struktur, die
Interessenkonflikte nicht managt, sondern strukturell eliminiert.
Die Zahlen, die kaum jemand kennt
Die aktuelle Deloitte-Studie (https://www.deloitte.com/de/de/Industries/banking-
capital-markets/research/bankenmarkt-deutschland-2030-studie.html) zum deutschen
Bankenmarkt bis 2030 kommt zu einem bemerkenswerten Befund: Während Großbanken
und Landesbanken zwischen 2014 und 2024 Marktanteile verloren und sich
strategisch neu ausrichten mussten, konnten Genossenschaftsbanken gemeinsam mit
Sparkassen Marktanteile und Profitabilität steigern. Die Konsolidierung des
Sektors trifft andere härter.
Die Zahlen des BVR-Jahresberichts 2024 sprechen eine deutliche Sprache: Die
addierte Bilanzsumme aller 672 deutschen Genossenschaftsbanken stieg auf 1,2
Billionen Euro - ein Plus von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das
Eigenkapital wuchs auf 66 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss vor Steuern auf
9,5 Milliarden Euro. Das sind keine Kennzahlen einer Nischeninstitution.
Besonders aufschlussreich ist der Marktanteil bei Privatkundeneinlagen: Mit 27
Prozent liegt er doppelt so hoch wie der Anteil am Gesamtgeschäftsvolumen von
13,5 Prozent. Das bedeutet: Wenn es darum geht, wo Menschen ihr eigenes Geld
verwahren - nicht wo sie Kredite aufnehmen müssen, sondern wo sie freiwillig ihr
Erspartes platzieren -, wählen sie überproportional häufig eine
Genossenschaftsbank. Das ist das härteste Vertrauensvotum, das ein
Finanzinstitut bekommen kann.
Warum das Modell strukturell anders ist
Um zu verstehen, warum Genossenschaftsbanken in einem Misstrauensklima
überproportional gut abschneiden, muss man die Anreizarchitektur verstehen -
nicht die Markenkommunikation.
In einer Aktiengesellschaft existiert ein fundamentaler Zielkonflikt: Die Bank
soll Gewinne für Anteilseigner maximieren und gleichzeitig im besten Interesse
ihrer Kundschaft handeln. Dieser Konflikt lässt sich durch Compliance-Regeln,
Ethikkodizes und Kulturprogramme mildern, aber nicht auflösen. Er ist der
Satzung eingeschrieben.
Anreizarchitektur Im Vergleich - Aktienbank vs. Genossenschaftsbank
Eigentümer
- Aktienbank: Aktionäre (getrennt von Kundschaft)
- Genossenschaftsbank: Mitglieder (identisch mit Kundschaft)
Zielkonflikt
- Aktienbank: strukturell vorhanden , durch Regulierung gemildert
- Genossenschaftsbank: strukturell aufgelöst durch Identität von Eigentümer und
Kunde
Gewinnverwendung
- Aktienbank: primär Dividende an Aktionäre ·
- Genossenschaftsbank: Stärkung der Rücklagen und Mitgliederleistungen
Zeithorizont
- Aktienbank: Quartalsergebnis als wichtiger Steuerungswert
- Genossenschaftsbank: Langfristigkeit als Satzungsauftrag
Bei einer Genossenschaftsbank ist dieser Konflikt nicht vorhanden - nicht weil
die Führung tugendhafter wäre, sondern weil die Governance-Struktur ihn gar
nicht erst entstehen lässt. Wer als Mitglied Einlagen platziert, ist
gleichzeitig Miteigentümer. Was die Bank verdient, stärkt die Rücklagen, aus
denen günstigere Konditionen und stabilere Dienste finanziert werden. Die
Anreize zeigen in dieselbe Richtung.
Was das für Entscheiderinnen und Entscheider bedeutet
Wer unternehmerisch denkt, sollte das Genossenschaftsmodell nicht durch die
Linse der Folkloristik betrachten - als sympathisches Relikt aus einer anderen
Zeit. Es ist ein Governance-Modell mit konkreten strategischen Implikationen:
für die Wahl des Finanzpartners, für die Bewertung von Kreditgebern, für die
Frage, welchem Institut man seine Liquidität anvertraut.
Eine Bilanzsumme von 1,2 Billionen Euro, ein Eigenkapital von 66 Milliarden
Euro, ein Jahresüberschuss von 9,5 Milliarden Euro - und 17,8 Millionen
Mitglieder, die gleichzeitig Eigentümerinnen und Eigentümer sind. Das ist ein
Sektor, der im internationalen Vergleich außergewöhnlich robust, außergewöhnlich
kundennah und außergewöhnlich krisenfest aufgestellt ist.
Dass diese strukturellen Versprechen in der Praxis eingelöst werden, lässt sich
messen. Das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ)
(https://disq.de/fairness.html) hat beispielsweise für seinen Deutschen
Fairness-Preis 2025 über 800 Unternehmen auf Basis einer
bevölkerungsrepräsentativen Kundenbefragung bewertet - in den Dimensionen
Preis-Leistung, Transparenz, Zuverlässigkeit und Weiterempfehlung. In der
Kategorie Genossenschaftsbanken erzielte die Sparda-Bank Hamburg
(https://www.sparda-bank-hamburg.de/homepage.html) die höchste Gesamtbewertung.
Das ist kein Selbstmarketing. Es ist das Urteil der Kundschaft - und damit der
härteste Beleg dafür, dass Governance-Qualität im Alltag ankommt.
Auszeichnung
- Deutscher Fairness-Preis 2025 (DISQ/ntv)
- Kategorie Genossenschaftsbanken
- Höchste Gesamtbewertung: Sparda-Bank Hamburg
- Grundlage: repräsentative Befragung, über 800 Unternehmen, vier
Bewertungsdimensionen
Das Genossenschaftsmodell ist kein Auslaufmodell. Es ist eine Governance-Antwort
auf die Vertrauenskrise des modernen Bankwesens - und die Daten geben ihm Recht.
Wer es als Entscheiderin oder Entscheider weiterhin unterschätzt, übersieht
einen der konsistentesten Wachstumsträger im deutschen Finanzsektor.
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