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Potsdam (ots) - Frauen waren schon immer ein Teil der Militär- und
Kriegsgeschichte. In welchem Maße sie "ihren Mann" in den Kriegen Europas seit
dem 16. Jahrhundert standen, darüber ist jetzt das Grundlagenbuch "Vergessene
Soldatinnen" erschienen. Oberstabsgefreiter Gerrit Reichert spricht mit der
Autorin, der Historikerin Professor Dr. Karen Hagemann.
Das allgemeine Abbild des Krieges ist männlich. Für den Zeitraum der Moderne,
des 17. Jahrhunderts bis heute, gilt: der Archetyp des Soldatischen ist ein
kämpfender Mann. Ob zu Pferd, zu Fuß, motorisiert, zu Wasser oder in der Luft,
in der allgemeinen Erinnerungskultur hatten Frauen keinen Platz. Ausnahmen wie
Jeanne d'Arc in Frankreich oder Friederike Krüger in Deutschland, nach der im
vergangenen Jahr die Hindenburg-Kaserne in Münster umbenannt wurde, bestätigten
nur als Ausnahmen diese Regel. Die historischen Fakten jedoch sprechen eine
andere Sprache. Männer kämpften nie allein, sondern mit Frauen in ihrem Rücken,
mitunter auch an ihrer Seite. Vom 17. Jahrhundert bis in das 20. Jahrhundert
spannt sich ein Bogen, der Frauen in allen europäischen Armeen einen
beachtlichen Anteil im militärischen Gefüge und eine permanent größer werdende
Aufgabenfülle zuwies. Das bezog die Uniformierung, die militärische
Unterstellung, die soldatische Entlohnung und zuweilen den Kampfeinsatz mit ein.
Frauen an und hinter der Front
So bewerkstelligten Frauen in den Trossen und Trains der europäischen Armeen des
17. und 18. Jahrhunderts das, was wir heute "Logistik" nennen. Sie
transportierten Material, schanzten oder organisierten die Feldküchen, was die
Versorgung der Soldaten in der Kampflinie miteinbeziehen konnte. Schon zu diesem
frühen Zeitpunkt belegen Quellen, dass Frauen Uniformen ihrer jeweiligen
Einheiten trugen und bei Einsätzen auf dem Schlachtfeld bewaffnet waren. Eine
erste vollwertige, dabei nur kurzweilige Anerkennung als Soldatinnen erfuhren
Frauen 1792 als offiziell titulierte "Femme Soldats" während der französischen
Revolution. Im 19. Jahrhundert wäre das sich seit dem Krimkrieg (1853-1856)
rasant entwickelnde militärische Sanitätswesen ohne den massiven Einsatz von
Frauen gar nicht denkbar gewesen. In den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts kamen
Frauen als kämpfende Truppen zum Einsatz, in Russland und in der polnischen
Heimatarmee, der Armia Krajowa. In allen anderen Armeen dienten Frauen im
Fernmeldewesen, dem Sanitätswesen, der Verwaltung, der Logistik, der Luftabwehr,
als Pilotinnen, Kraftfahrerinnen, Autoschlosserinnen, Schweißerinnen oder
Mechanikerinnen, in mehr als 130 originär soldatischen Verwendungen.
Bewusste Provokation
Mit dem Buchtitel "Vergessene Soldatinnen" habe sie bewusst provozieren wollen,
sagt Autorin und Gesprächspartnerin im Podcast Prof. Dr. Karen Hagemann. Der
Titel wolle mit einer Denktradition brechen, die Frauen im militärischen Einsatz
jahrhundertelang die Rolle als "Helferin", nicht jedoch die der Soldatin
zuspreche. Was aber unterschied zum Beispiel den Sanitätssoldaten am Krankenbett
von der "Helferin"? Eigentlich nichts. Oder was die 160000 deutschen
"Flakhelferinnen" von den "Flaksoldaten"? Das Buch gibt die Antwort: ebenfalls
nichts. Darum ist der Buchtitel nicht nur Provokation, sondern legitime Aussage
zugleich.
Die Podcast-Folge können Sie auf Apple Podcast, Spotify, Youtube
(https://www.youtube.com/watch?v=KfYd4UeBMgo) , oder der Website des ZMSBw (http
s://zms.bundeswehr.de/de/mediathek/vergessene-soldatinnen-frauen-im-militaer-610
1528) hören.
Pressekontakt:
Oberstleutnant Michael Gutzeit
Leiter der Informationsarbeit
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OTS: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bu
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