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Bonn/Berlin (ots) - Dürren, Überschwemmungen und extreme Hitze treiben weltweit
immer mehr Menschen in den Hunger. Gleichzeitig wächst die Sorge vor einem
starken Klimaphänomen El Niño mit gravierenden Folgen für Ernten und
Lebensmittelpreise. Und auch der Irankrieg verschärft die globale
Ernährungskrise schon jetzt. Vor Beginn der UN-Klimaverhandlungen in Bonn
fordert die Welthungerhilfe entschlossene politische Entscheidungen und deutlich
mehr öffentliche Klimafinanzierung für besonders betroffene Länder. "Die Bonner
Klimakonferenz ist ein Lackmustest für die internationale Gemeinschaft und die
zentrale Vorbereitung auf die Weltklimakonferenz COP31 im November", betont
Dunja Krause, Klimaexpertin der Welthungerhilfe. Klimaschocks, gewaltsame
Konflikte und Hunger verstärken sich gegenseitig.
"Die Klimakrise ist längst auch eine Ernährungskrise. Wenn Ernten in Folge von
Extremwetterereignissen wie Dürren und Überschwemmungen ausfallen, steigen die
Lebensmittelpreise und der Hunger nimmt zu. Besonders betroffen sind Menschen im
Globalen Süden, die am wenigsten zur Krise beigetragen haben. Durch einen
starken El Niño werden Regenfälle und lange Dürreperioden noch stärker
ausfallen", warnt Dunja Krause. Der Irankrieg zeigt, wie eng fossile
Abhängigkeiten und Ernährungssicherheit miteinander verknüpft sind. "Die
Blockade der Straße von Hormus hat eine fatale Kettenreaktion angestoßen. Die
hohen Preise für Energie und Düngemittel lassen die Preise für Lebensmittel
enorm ansteigen."
Deutschlands Anspruch als Vorreiter im Klimaschutz und verlässlicher Partner des
Globalen Südens muss sich auch im Bundeshaushalt widerspiegeln. "Bundeskanzler
Merz fordert international ambitionierten Klimaschutz ein und will auch
weiterhin einen fairen Anteil am internationalen Klimafinanzierungsziel in Höhe
von 300 Milliarden leisten. Dann muss die Bundesregierung auch konsequent
handeln und in Zukunft deutlich mehr als die sechs Milliarden Euro aus dem
öffentlichen Haushalt bereitstellen. Gerade bei der Anpassung an den Klimawandel
sollte dabei öffentlichen Zuschüssen Vorrang vor Krediten eingeräumt werden.
Kürzungen bei der internationalen Klimafinanzierung oder im Haushalt des
Entwicklungsministeriums senden hier das völlig falsche Signal", betont Krause.
Zudem müsse der Ausstieg aus fossilen Energien deutlich beschleunigt werden.
Agrar- und Ernährungssysteme sind Treiber der Klimakrise und zugleich Teil der
Lösung. Die Art und Weise, wie Lebensmittel produziert, verteilt und konsumiert
werden, verursacht erhebliche Treibhausgasemissionen und ist gleichzeitig
besonders anfällig für Klimafolgen. "Die Umgestaltung von Agrar- und
Ernährungssystemen muss zu einer zentralen Säule der Klimapolitik werden. Wer
Hunger bekämpfen will, sollte Landwirtschaft klimaresilient machen und lokale
Ernährungssysteme als Ganzes stärken - vom Acker bis zum Teller", fordert
Krause. "Dazu gehören besserer Boden- und Wasserschutz, klimaangepasste
Anbaumethoden, dürretolerantes Saatgut, ein geringerer Einsatz fossiler
Düngemittel und stärkere lokale und regionale Märkte und Lieferketten",
unterstreicht Krause.
Klimaexpertin Dunja Krause nimmt an den Verhandlungen auf der Bonner Konferenz
ab dem 08. Juni teil und steht für Interviews zur Verfügung.
Beispiel Somalia: Investitionen in Klimaanpassung zeigen Wirkung
Wie wichtig frühzeitige Investitionen in Klimaresilienz sind, zeigt das Beispiel
Somalia. Das Land leidet seit Jahren unter extremen Dürren, infolgedessen einige
Gebiete aktuell sogar vor einer Hungersnot stehen. Nachdem nun erstmals seit
über einem Jahr wieder leichte Regenfälle eingesetzt haben, werden dort erste
Erfolge sichtbar, wo die Welthungerhilfe gemeinsam mit somalischen Partnern
frühzeitig in Boden- und Wasserschutz investiert hat. Gemeinden konnten während
der Trockenzeit Rückhalte- und Schutzstrukturen errichten, die das Regenwasser
speichern und nutzbar machen. Erste Weideflächen beginnen sich zu erholen und
sichern damit Lebensgrundlagen.
El Niño erhöht das Risiko neuer Extremwetterereignisse
Diese Maßnahmen sind besonders entscheidend, da Prognosen auf die mögliche
Entwicklung eines starken El Niño noch in diesem Jahr hindeuten. Dadurch könnten
sich auch die Niederschlagsmuster in Somalia und anderen Teilen des Horns von
Afrika verändern und - je nach Region - sowohl das Risiko von Überschwemmungen
als auch von Dürren erhöhen.
Klimaanpassung und humanitäre Hilfe gemeinsam stärken
Der Umgang mit diesen zunehmenden Extremwetterereignissen zeigt: Humanitäre
Hilfe und langfristige Klimaanpassung müssen stärker zusammengedacht werden.
Entscheidend sind dabei frühzeitige Investitionen in klimaresiliente
Landwirtschaft, lokale Frühwarnsysteme und vorausschauende humanitäre Hilfe, um
Gemeinden besser auf drohende Krisen vorzubereiten und widerstandsfähiger
gegenüber der Klimakrise zu machen.
Zur Einordnung aktueller Prognosen und möglicher Auswirkungen eines El Niño auf
Ernährungssicherheit und humanitäre Krisen hat die Welthungerhilfe gemeinsam mit
Partnern ein aktuelles Hintergrundbriefing veröffentlicht.
Emerging 2026 El Niño: Potential Implications for Agriculture, Food Security and
Anticipatory Action - Welthungerhilfe (https://ots.de/j1KZ9r)
Weitere Informationen finden Sie auch unter http://www.welthungerhilfe.de/presse
Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in
Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie setzt sich mutig und
entschlossen für eine Welt ohne Hunger ein. Seit ihrer Gründung am 14.12.1962
wurden 12.777 Auslandsprojekte in rund 72 Ländern und Gebieten mit 5,42
Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip
der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den
Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit
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