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Berlin (ots) - Die Mitgliederversammlung des TÜV-Verbands hat turnusgemäß den
CEO von TÜV NORD zum neuen Verbandspräsidenten gewählt. Resilienz,
Wettbewerbsfähigkeit und eine wirksame Regulierung werden im Mittelpunkt seiner
Präsidentschaft stehen.
Dr. Dirk Stenkamp (63) ist neuer Vorsitzender des Präsidiums des TÜV-Verbands e.
V. Die Mitgliederversammlung hat den Vorstandsvorsitzenden der TÜV NORD AG an
die Spitze des Verbands gewählt. Er übernimmt die Präsidentschaft turnusgemäß
von Dr. Michael Fübi, Vorstandsvorsitzender der TÜV Rheinland AG, in einer Zeit,
in der die Wirtschaft vor tiefgreifenden technologischen, geopolitischen und
wirtschaftlichen Herausforderungen steht. "Deutschland und Europa stehen vor der
Aufgabe, ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem hoch anspruchsvollen globalen Umfeld
zu stärken", sagte Stenkamp anlässlich seiner Wahl. Gleichzeitig müssen
Unternehmen und Kritische Infrastrukturen widerstandsfähiger gegenüber
geopolitischen Krisen, Cyberbedrohungen und technologischen Abhängigkeiten
werden. "Sicherheit und Qualität entwickeln sich immer mehr zu entscheidenden
Wettbewerbsfaktoren für den Wirtschaftsstandort Europa. Die TÜV-Organisationen
tragen mit unabhängigen Prüfungen, technischer Expertise und ihrer Erfahrung in
sicherheitskritischen Bereichen dazu bei, Vertrauen zu schaffen, Innovationen zu
ermöglichen sowie die Resilienz der Wirtschaft und die Verteidigungsfähigkeit
des Staates zu stärken."
Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und wirksame Regulierung im Fokus
Ein Schwerpunkt seiner Präsidentschaft werde die Stärkung der Resilienz
Kritischer Infrastrukturen und sicherheitsrelevanter Anlagen sein. Angesichts
zunehmender internationaler Unsicherheiten gewinne die Sicherheit von
Energieversorgung, Verkehrsnetzen, Industrieanlagen, digitalen Infrastrukturen
und sicherheitskritischen Lieferketten weiter an Bedeutung. "Der großflächige
Stromausfall in Berlin zum Jahreswechsel 2026 hat gezeigt, wie anfällig zentrale
Versorgungs- und Produktionsstrukturen zum Beispiel für Angriffe und Sabotage
sind", so Stenkamp. "Wer die Wettbewerbsfähigkeit unseres Industriestandorts
sichern will, muss die Sicherheit seiner Energieversorgung und seiner
Industrieanlagen stärken. Resilienz ist kein Selbstzweck, sondern eine
Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität, Versorgungssicherheit und die
Handlungsfähigkeit von Wirtschaft und Staat."
Technische Sicherheit als Beitrag zu Resilienz und Verteidigungsfähigkeit
Technische Sicherheit werde damit zunehmend verteidigungsrelevant. Geprüfte
Notstromsysteme, funktionsfähige Industrieanlagen und sichere digitale Systeme
und seien nicht nur Fragen des regelkonformen Betriebs, sondern operative
Faktoren der Durchhaltefähigkeit im Krisen- und Verteidigungsfall. "Resilienz
entsteht nicht erst im Ernstfall", so Stenkamp. "Sie entsteht durch verlässliche
Standards, vorausschauende Prüfung und transparente Kenntnisse über den Zustand
sicherheitskritischer Anlagen. Genau hier liegt eine besondere Stärke der
TÜV-Organisationen."
Vor diesem Hintergrund sieht Stenkamp auch eine Chance, Staat und Bundeswehr
gezielt zu entlasten. Unabhängige Prüforganisationen könnten standardisierte
Prüfaufgaben zuverlässig und nach einheitlichen Qualitätsmaßstäben übernehmen.
"Wir brauchen Beschleunigung ohne Sicherheitsverlust", sagte Stenkamp.
"Unabhängige Prüfungen können helfen, technische Risiken frühzeitig zu erkennen
und Verfahren effizienter und schneller zu machen. So können sich staatliche
Stellen stärker auf ihre hoheitlichen Kernaufgaben konzentrieren."
Wirksame Regulierung statt zusätzlicher Bürokratie
Zugleich wird Stenkamp den Fokus auf eine Regulierung legen, die Sicherheit
gewährleistet, ohne Unternehmen durch unnötige Bürokratie zu belasten. Mit den
neuen europäischen Regelwerken sind die politischen Weichen gestellt. Nun komme
es darauf an, die Anforderungen effizient umzusetzen und bürokratische Hürden
abzubauen. Stenkamp: "Nicht die Regulierung ist das Problem, sondern ihre
Umsetzung. Europa muss stärker darauf achten, dass neue Vorgaben praktikabel,
wirksam und innovationsfreundlich ausgestaltet werden, ohne dabei die hohen
Standards für Sicherheit und Qualität aus dem Blick zu verlieren. Unternehmen
brauchen Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen, um investieren
und Innovationen vorantreiben zu können."
Mit Blick auf die Digitalisierung sieht Stenkamp die kommenden Jahre vor allem
als Phase der Umsetzung. Beim AI Act, dem Cyber Resilience Act und weiteren
europäischen Vorgaben komme es nun darauf an, die Anforderungen in der Praxis
umzusetzen und Vertrauen in digitale Technologien zu stärken. "Gerade bei
Künstlicher Intelligenz entscheidet sich der Erfolg nicht allein an der
Entwicklung neuer Anwendungen, sondern auch daran, ob ihre Sicherheit,
Transparenz und Verlässlichkeit nachvollziehbar nachgewiesen werden können",
sagte Stenkamp. "Die TÜV-Organisationen begleiten die praktische Umsetzung
dieser Anforderungen mit ihrer Prüf- und Zertifizierungsexpertise."
Michael Fübi stärkte Verbandsposition im politischen Berlin und lenkte Fokus auf
Cybersicherheit
Die Mitgliederversammlung dankte dem scheidenden Verbandspräsidenten Dr. Michael
Fübi für sein Engagement an der Spitze des TÜV-Verbands in den vergangenen zwei
Jahren. Unter dem Vorsitz von Michael Fübi stärkte der TÜV-Verband seine
Position als unabhängige Stimme für technische Sicherheit und
Zukunftstechnologien weiter. Als Präsident des TÜV-Verbands baute er die
politische Sichtbarkeit des Themas Cybersicherheit maßgeblich aus. So
adressierte der Verband mit der TÜV Cybersecurity Studie 2025 die sich
verschärfende Bedrohungslage für deutsche Unternehmen und forderte eine schnelle
Umsetzung der NIS2-Richtlinie für mehr Cybersicherheit in nationales Recht.
Diese Entwicklung spiegelte sich auch in der Auszeichnung des TÜV-Verbands als
"Verband des Jahres 2024" in der Kategorie "Fortschritt und Management" wider.
Zudem bezog der Verband 2025 seine neue Geschäftsstelle im Herzen des
politischen Berlins und schuf damit optimale Voraussetzungen für den Dialog mit
politischen Entscheidungsträgern und relevanten Stakeholdern.
Dr. Dirk Stenkamp ist seit 2017 Vorstandsvorsitzender der TÜV NORD AG. Der
Physiker promovierte am Forschungszentrum Jülich und an der RWTH Aachen im
Bereich Halbleiterphysik. Anschließend war er für die ZEISS-Gruppe tätig und
wechselte später als Vorstand und Chief Operating Officer zur centrotherm
photovoltaics AG. Im Jahr 2013 wurde Stenkamp in den Vorstand der TÜV NORD AG
berufen. Seit 2014 ist er Gastprofessor an der Shanghai Maritime University.
Darüber hinaus ist er u. a. Vorstandsmitglied des BDI-Ausschusses Digitale
Wirtschaft, Medien und Telekommunikation und Mitglied des Kuratoriums des
Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS).
Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen
Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch
unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit
sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen
ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und
qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen
Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere
Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit
Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.
Pressekontakt:
Maurice Shahd
Pressesprecher
TÜV-Verband e. V.
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OTS: TÜV-Verband e. V.
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