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Gütersloh/Berlin (ots) - Am 23. Juni 2016 stimmten die Britinnen und Briten für
den Austritt aus der Europäischen Union. Zum Jahrestag präsentiert die
Bertelsmann Stiftung exklusive Daten aus zehn Jahren Meinungsforschung im
Vereinigten Königreich und der EU. Die Ergebnisse zeigen: Der Brexit hat weder
eine Austrittswelle in Europa ausgelöst noch die Einstellungen auf beiden Seiten
des Ärmelkanals dauerhaft auseinandergetrieben. Im Gegenteil: Die öffentliche
Meinung auf beiden Seiten spricht zunehmend für pragmatische Zusammenarbeit.
Die Analyse basiert auf zehn Jahren Umfragedaten zu Brexit, Europa und den
Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Unmittelbar nach dem
Referendum wurde vielfach befürchtet, weitere Mitgliedstaaten könnten dem
britischen Beispiel folgen und die EU verlassen. Diese Erwartungen haben sich
nicht erfüllt. Im März 2026 gingen nur noch 21 Prozent der Britinnen und Briten
sowie 18 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger davon aus, dass weitere Staaten
die Union verlassen werden - weniger als halb so viele wie noch 2018.
2016 votierte nur eine knappe Mehrheit von 52 Prozent für den Austritt. In den
zehn Jahren danach hat sich diese Mehrheit nie wieder gezeigt. Im März 2026 lag
die Zustimmung zu einem EU-Verbleib bei 57 Prozent. Zugleich haben sich die
Hoffnungen vieler Brexit-Befürworter nicht erfüllt. Während kurz nach dem
Referendum noch eine Mehrheit optimistisch in die Zukunft blickte, hat sich die
Stimmung inzwischen deutlich eingetrübt. Im März 2026 bewerteten nur noch 41
Prozent der Britinnen und Briten ihre persönliche Zukunft positiv, ein Minus von
27 Prozentpunkten.
Die Daten zeigen außerdem, dass der Brexit keine dauerhafte psychologische
Trennung zwischen britischer und europäischer Öffentlichkeit hinterlassen hat.
Bei zentralen Fragen liegen die Einstellungen heute oft erstaunlich nah
beieinander. So unterstützen 66 Prozent der Britinnen und Briten sowie 71
Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger eine stärkere Rolle der EU in der
Außenpolitik. Gleichzeitig unterscheiden viele Menschen zwischen stärkerer
europäischer Integration und pragmatischer Zusammenarbeit. Während die
Unterstützung für eine Vertiefung der Integration zurückgegangen ist, bleiben
die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft, das Vertrauen in die Zukunft der Union und
die Unterstützung für eine gemeinsame europäische Außenpolitik hoch.
Florian Kommer, Europaexperte der Bertelsmann Stiftung, sagt: "Im
Brexit-Referendum sahen viele den Anfang vom Ende der Europäischen Union. Zehn
Jahre später ergibt sich ein völlig anderes Bild. Unsere Ergebnisse legen nahe,
dass der Spielraum für eine engere Zusammenarbeit zwischen der EU und
Großbritannien heute größer ist als oft angenommen."
Jake Benford, Großbritannien-Experte der Bertelsmann Stiftung, sagt:
"Bürgerinnen und Bürger erkennen zunehmend, dass die Zersplitterung Europas
ihren Preis hat: weniger Sicherheit, weniger Widerstandsfähigkeit und weniger
Einfluss in der Welt. Nun liegt es an der Politik, die Gräben der Vergangenheit
zu überwinden und diesem wachsenden Pragmatismus durch eine engere strategische
Partnerschaft Rechnung zu tragen."
Der vollständige Datensatz findet sich auf unserer Website: https://eupinions.eu
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Pressekontakt:
Florian Kommer, +49 (0) 30 275788-201,
mailto:florian.kommer@bertelsmann-stiftung.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/7977/6298851
OTS: Bertelsmann Stiftung
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