|
Berlin (ots) -
- Nahezu 80 Prozent der Energieversorger erwarten extremere und volatilere
Nachfragemuster
- Rund jede fünfte Stromanfrage von Rechenzentren wird laut Studie
möglicherweise nie realisiert und verzerrt Prognosen
- Gleichzeitig erwarten 60 Prozent der Versorger, dass KI eine wachsende Rolle
bei der Steigerung der Netzeffizienz und operativer Leistungsgewinne spielt -
bislang haben jedoch nur wenige fortgeschrittene KI-Ansätze implementiert
Das rasante Wachstum KI-getriebener Rechenzentren erhöht nicht nur den
Strombedarf, sondern erschwert auch die Vorhersage erheblich - mit
weitreichenden Folgen für die Planung und Bereitstellung von Energiesystemen.
Eine große Mehrheit der Energieverantwortlichen rechnet mit extremeren und
weniger vorhersehbaren Nachfragespitzen, während mehr als drei Viertel angeben,
Schwierigkeiten bei der präzisen Prognose des künftigen Bedarfs zu haben. Das
zeigt die aktuelle Studie des Capgemini (https://www.capgemini.com/de-de)
Research Institute "AI meets the grid: shaping the data center power play" (http
s://www.capgemini.com/wp-content/uploads/2026/06/CRI_Data-centers_V10_compressed
.pdf) .
Die Studie basiert auf einer Befragung von über 600 leitenden Führungskräften
aus der Energiewirtschaft von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als
500 Millionen US-Dollar. Sie verdeutlicht, dass Energiesysteme in eine neue
Phase eintreten, da KI-Workloads zunehmend unvorhersehbar werden. Prognosen
werden deutlich schwieriger - gleichzeitig ist KI selbst Teil der Lösung: Die
Mehrheit der Führungskräfte erwartet, dass ihr Einsatz erhebliche Effizienz- und
Produktivitätsgewinne ermöglicht.
Stromnachfrage wird volatiler und unsicherer
Neben Wachstum ist Unsicherheit die größere Herausforderung. Energieversorger
planen zunehmend für eine Nachfrage, die möglicherweise nie eintritt. Die Studie
zeigt eine zunehmende Diskrepanz zwischen prognostizierter und tatsächlicher
Nachfrage: 67 Prozent der Führungskräfte (in Deutschland 50 Prozent) sprechen
von "Phantom"-Lastanfragen von Rechenzentren, von denen etwa zwei von zehn (19
Prozent) nie realisiert werden. Dies verzerrt Prognosen und erhöht das Risiko
sowohl von Über- als auch von Unterinvestitionen.
Diese Unsicherheit stellt Versorger vor ein erhebliches Dilemma bei der
Kapitalallokation. Sie müssen entscheiden, wie viel Kapazität sie aufbauen und
wo sowie wann sie in die Netzmodernisierung investieren, um künftige Nachfrage
zu bedienen und gleichzeitig Fehlinvestitionen zu vermeiden. Auch für
Hyperscaler ist die Herausforderung erheblich: Sie müssen weitreichende
Infrastrukturentscheidungen auf Basis unsicherer Prognosen, Netzverfügbarkeit
und Anschlusszeiten treffen.
Darüber hinaus geben mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Versorger an,
Schwierigkeiten zu haben, den künftigen Bedarf zuverlässig vorherzusagen, da
sich Verbrauchsmuster durch KI weniger stabil und schwieriger modellierbar
entwickeln. Entsprechend rechnen sie damit, dass Nachfragevolatilität zu einer
zentralen Herausforderung für die Systemplanung und -steuerung wird.
Zusätzlich erwarten 68 Prozent der Führungskräfte Versorgungsengpässe, da die
Nachfrage durch Rechenzentren schneller wächst als das Angebot ausgeweitet
werden kann.
Die Situation wird durch die geografische Konzentration von Rechenzentren weiter
verschärft, die lokale Netze erheblich belastet: Mehr als die Hälfte der
Führungskräfte sieht Lastkonzentration als wesentliches Hindernis für eine
stabile Versorgung. Große Cluster hochverdichteter Anlagen führen zu lokalen
Engpässen, die Netzstabilität und Investitionsplanung beeinträchtigen.
"KI transformiert Energiesysteme weit über das reine Nachfragewachstum hinaus.
Sie macht strukturelle Engpässe bei Netzkapazitäten, Planung und
Stromverfügbarkeit sichtbar und lässt die Nachfrage zugleich dynamischer und
schwerer prognostizierbar werden", erklärt Sebastian Menge, VP & Head of Energy
Platforms bei Capgemini Invent in Deutschland. "Energieversorger übernehmen
dabei eine Schlüsselrolle: Sie nutzen KI-gestützte Erkenntnisse, um Netz- und
kundeneigene Ressourcen auszubalancieren, verfügbare Kapazitäten schneller zu
erschließen und die nächste Wachstumsphase von Rechenzentren zu ermöglichen."
KI in der Doppelrolle: Nachfragetreiber und Hebel für Netzleistung
Laut Studie wird der Stromverbrauch für Training und Nutzung von KI-Anwendungen
in den nächsten drei bis fünf Jahren deutlich steigen - von derzeit 25 Prozent
auf 60 Prozent des gesamten Strombedarfs von Rechenzentren - und damit andere
IT-Workloads weitgehend verdrängen.
Gleichzeitig sehen Energieverantwortliche KI als entscheidenden Hebel für
Netzplanung und Zuverlässigkeit: Rund sechs von zehn erwarten, dass
fortschrittliche KI-Analysen Verbesserungen von über 10 Prozent bei der
Reduzierung von Störungen, der operativen Produktivität sowie bei der Vermeidung
und Behebung von Ausfällen ermöglichen.
Trotz Potenzial bleibt KI-Einsatz begrenzt
Trotz dieser Potenziale ist die Einführung von KI bislang begrenzt: 45 Prozent
(in Deutschland 37 Prozent) nutzt derzeit KI zur Netzoptimierung, und nur 16
Prozent (in Deutschland 12 Prozent) haben fortgeschrittene KI-gestützte Ansätze
implementiert, etwa zur Optimierung von Stromflüssen, zur Stärkung der Resilienz
oder zur Verbesserung der Echtzeit-Systemsteuerung, um mit der steigenden
Nachfrage Schritt zu halten.
Ein wesentlicher Engpass sind zudem die langen Bauzeiten für Netzinfrastruktur,
die das rasante Nachfragewachstum durch KI-Rechenzentren ausbremsen. Dies
unterstreicht den dringenden Bedarf, die Netzmodernisierung mithilfe von KI und
Klimatechnologien zu beschleunigen, um eine zuverlässige, bezahlbare und
nachhaltige Energieversorgung sicherzustellen.
Vor-Ort-Erzeugung treibt strukturellen Umbruch voran
Angesichts von Netzengpässen und Verzögerungen setzen Rechenzentren zunehmend
auf eigene Stromlösungen - nicht mehr nur als Backup, sondern als primäre
Versorgung "behind-the-meter"[1] (BTM) oder in unmittelbarer Nähe.
Fast drei von zehn geben an, bereits Vor-Ort-Stromlösungen einzusetzen, und 39
Prozent planen deren Einführung innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre. Mehr
als sieben von zehn erwarten, dass diese Lösungen die Abhängigkeit vom Stromnetz
innerhalb von fünf Jahren deutlich reduzieren.
Die Mehrheit (86 Prozent) sieht die Fähigkeit, unabhängig vom Netz zu agieren,
als Wettbewerbsvorteil. Diese Entwicklung verändert die traditionelle Beziehung
zwischen Energieversorgern und großen Energieverbrauchern grundlegend und
schafft sowohl neue Chancen als auch neue Koordinationsanforderungen.
Diversifizierter Energiemix als Grundlage für stabiles Wachstum
Ein diversifizierter Energiemix wird als entscheidend betrachtet, um
Zuverlässigkeit und langfristige Resilienz sicherzustellen. Gleichzeitig sind
erneuerbare Energien allein derzeit noch nicht in der Lage, eine kontinuierliche
Versorgung im großen Maßstab für Rechenzentren und KI-Workloads sicherzustellen
- so die Einschätzung von 78 Prozent der Energie- und 73 Prozent der
Rechenzentrumsverantwortlichen. Beide Gruppen investieren daher aktiv in
Batteriespeichersysteme (BESS), um Versorgungslücken zu überbrücken.
Langfristige Lösungen wie Kernenergie (Small Modular Reactors) benötigen zudem
Zeit für ihre Umsetzung. Daher sehen weltweit mehr als zwei Drittel (68 Prozent)
der Befragten Erdgas als kurzfristige Übergangslösung, bis erneuerbare Energien
und Speichertechnologien ausreichend skalieren können - was jedoch Spannungen
mit Klimazielen mit sich bringt.
Hier (https://www.capgemini.com/insights/research-library/data-centers-and-elect
ricity-demand/) finden Sie die vollständige Studie.
[1] Behind-the-meter (BTM)-Stromlösungen umfassen Vor-Ort-Erzeugung,
Energiespeicherung oder Energiemanagementsysteme, die Elektrizität direkt am
Standort eines Kunden bereitstellen, ohne über das öffentliche Stromnetz zu
fließen.
Methodik der Studie
Im Januar 2026 führte das Capgemini Research Institute eine globale Befragung
von 612 Führungskräften aus der Energiebranche (ab Direktorenebene und darüber)
durch, deren Unternehmen einen Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar
erzielen und aktiv mit Rechenzentren arbeiten. Ergänzend wurden 175
Führungskräfte aus Unternehmen befragt, die Rechenzentren besitzen oder
betreiben, mit einem Jahresumsatz von über 250 Millionen US-Dollar. Die Erhebung
umfasste insgesamt 21 Länder in Nordamerika, Europa, dem asiatisch-pazifischen
Raum sowie Lateinamerika.
Über Capgemini
Capgemini ist ein globaler Partner für die KI-gestützte Geschäfts- sowie
Technologietransformation. Das Unternehmen schafft messbaren Mehrwert für seine
Kunden, indem es die Zukunft von Organisationen gestaltet und im Zusammenspiel
von KI, Technologie sowie dem Mensch Realität werden lässt. Seit fast 60 Jahren
steht Capgemini für Verantwortung wie auch Vielfalt und beschäftigt über 420.000
Mitarbeitende in mehr als 50 Ländern. Das End-to-End-Leistungsspektrum gründet
auf einer umfangreichen Branchenexpertise, einem starken Partner-Ökosystem sowie
Kompetenzen in den Bereichen Strategie, Technologie, Design, Engineering und
Operations. Die Gruppe erzielte 2025 einen weltweiten Umsatz von 22,5 Milliarden
Euro.
Make it real | https://www.capgemini.com/de-de
Über das Capgemini Research Institute
Das Capgemini Research Institute ist Capgeminis hauseigener Think-Tank in
digitalen Angelegenheiten. Das Institut veröffentlicht Forschungsarbeiten über
den Einfluss digitaler Technologien auf große Unternehmen. Das Team greift dabei
auf das weltweite Netzwerk von Capgemini-Experten zurück und arbeitet eng mit
akademischen und technologischen Partnern zusammen. Das Institut hat
Forschungszentren in Indien, Singapur, Großbritannien, und den USA.Besuchen Sie
uns auf https: www.capgemini.com/de-de/insights/capgemini-research-institute
(https://www.capgemini.com/de-de/insights/research-institute/)
Pressekontakt:
Betty Lauerbach
Tel.: + 49 151 40251 722
E-Mail: mailto:betty.lauerbach@capgemini.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/16952/6302759
OTS: Capgemini
|