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Düsseldorf (ots) - Von Lothar Leuschen
Reformen sind schwierig in Deutschland. Bauen oder Sanieren dauert immer länger
und wird immer teurer. Autos aus der deutschen Autoschmiede entpuppen sich
international zunehmend als Ladenhüter. Und jetzt kann Deutschland nicht einmal
mehr Elfmeter schießen. Quo vadis, Wirtschaftswunderland, wohin gehst du? So ist
weithin die Stimmungslage zwischen Passau und Flensburg, seit das Team von
Julian Nagelsmann bei der Fußball-WM den Einzug ins Achtelfinale verpasste, und
das nicht nur nach erschreckend schwacher Leistung gegen den Fußballzwerg
Paraguay, sondern dann auch noch in der einstigen Paradedisziplin
Elfmeterschießen. Dass Bundeskanzler Friedrich Merz der Mannschaft nachher für
begeisterte Auftritte dankte, die ein ganzes Land stolz gemacht hätten, passt
ins Bild. Ernst zu nehmende Kommunikation gehört anscheinend auch nicht mehr zur
Kernkompetenz im Land der Dichter und Denker.
In diesem Fußballturnier in Übersee war von Beginn an der Wurm drin. Und schon
die Nominierung des Kaders hatte nichts von der Souveränität, die ein Verband
und sein Spitzenpersonal ausstrahlen müssen, um Erfolg erzeugen zu können.
Deshalb ist es nun an der Zeit für einen grundlegenden Neuanfang. Der beginnt
nicht zuletzt beim Bundestrainer. Auch in seinem dritten Turnier nach EM und
Nations League konnte Nagelsmann die Eliteauswahl nicht in die Nähe eines
akzeptablen Ergebnisses führen. Das allein sollte dem DFB schon reichen, das
Pferd zu wechseln. Überdies hat Nagelsmann sich die Rückkehr von Manuel Neuer
aufschwätzen lassen und hielt an der Fehlbesetzung von Joshua Kimmich auf der
rechten Abwehrseite fest. Dass der Bundestrainer sich abermals nach Einfluss von
außen im ersten K.o.-Spiel seiner besten Waffe beraubte, ist der Tropfen, der
das Fass zum Überlaufen bringen sollte. Deniz Undav war in der Startelf
wirkungslos. Nagelsmann hat das sicher gewusst, knickte aber ein. Deshalb ist er
der falsche Mann auf seiner Position. Das gilt auch für DFB-Chef Bernd Neuendorf
und Geschäftsführer Andreas Rettig. Wer Wettbewerb, Ehrgeiz und Individualität
durch Lagerfeueratmosphäre ersetzt, hat im Leistungssport nichts zu suchen.
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