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Berlin (ots) - Wie gefährlich ist Künstliche Intelligenz (KI)? Der aktuelle
Vorfall mit dem aus dem Ruder gelaufenen Test neuer Modelle beim
US-Softwarekonzern Open-AI gibt der schon lange laufenden Debatte neue Nahrung.
Das Unternehmen selbst gibt sich reumütig und räumt ein, in dem letztlich
glimpflich abgelaufenen Vorfall fahrlässig gehandelt zu haben. Und verspricht
künftig bessere Sicherheitsvorkehrungen.
Doch dabei kann man es nicht belassen, denn es geht nicht um einen Einzelfall
und auch nicht um eine falsche Anwendung. Es gibt zunehmend systemische Probleme
mit neuen KI-Tools, und das nicht nur wegen des massiv steigenden
Ressourcenverbrauchs. Zum einen greifen diese offensichtlich selbstständig zu
rabiaten Methoden, um ein gestecktes Ziel zu erreichen. Zum anderen sind sie
immer besser in der Lage, Sicherheitslücken in IT-Systemen aufzuspüren.
Das mag Firmenkunden und Behörden freuen, die auf diese Weise ihre
IT-Infrastruktur sicherer machen können. Aber eben auch Leute, die gerne davon
Gebrauch machen, wenn Künstliche Intelligenz eigene Cyberattacken schneller
werden lässt und schwerer auffindbar macht. Neue KI-Modelle machen das Internet
nicht sicherer, sondern beschleunigen den Wettlauf zwischen Angriff und
Verteidigung ins Extreme, wie Fachleute warnen.
Die wirtschaftsliberale Idee, ungeregelte Konkurrenz der Anbieter wird das
Sicherheitsproblem schon irgendwie lösen, führt auch hier in die Irre. Denn die
lange Leine verschärft das Problem nur. So versucht Open-AI mit dem jetzt in
Verruf geratenen Modell GPT5.6 gegenüber dem Wettbewerber Anthropic aufzuholen,
dessen Tools beim Aufspüren von Sicherheitslücken derzeit die Nase vorne haben.
Staatliche Regulierung und unabhängige Kontrollen des KI-Ökosystems wären der
einzig gangbare Weg. Den Markt dominieren aber dummerweise die USA, die gerade
unter der Trump-Regierung an so etwas überhaupt kein Interesse haben. Sie
belassen es bisher bei Appellen an freiwillige Vorkehrungen der Tech-Konzerne.
Man will die auch bei Exporten mittlerweile wichtigste Branche im Land nicht
verärgern.
Bei der Trump-Administration kommt noch hinzu, dass sie Markteingriffe
grundsätzlich ablehnt und bei ihren eigenen punktuellen Eingriffen politische
Interessen verfolgt. Die kürzliche Sperrung von neuen Anthropic-Modellen hatte
auch damit zu tun, dass das Unternehmen den Ultrarechten unangenehm aufgefallen
war, da es die Nutzung seiner Modelle für autonome Waffensysteme des US-Militärs
nicht zulässt.
Langfristig müssten KI-Systeme entwickelt werden, deren Sicherheit und
Zuverlässigkeit systematisch überprüft und nachvollziehbar bewertet werden
können. Dafür braucht es nicht nur technische Schutzmechanismen, sondern auch
unabhängige Forschung und mehr staatliche Kontrolle. Da dies im fundamentalen
Widerspruch zu den Geschäftsinteressen von Open-AI & Co. steht, dürfte es damit
nichts werden. In den USA bleibt KI-Regulierung bis auf Weiteres eine
Luftnummer.
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