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Faszien: Faszinierendes Netzwerk des Körpers / Warum sie in der Osteopathie eine Schlüsselrolle spielen (FOTO)

23.07.2026 12:50 Uhr Verband der Osteopathen Deutschland e.V.

Wiesbaden (ots) - Lange galten Faszien als unscheinbares "Füllmaterial" des Körpers. Heute weiß die Wissenschaft: Sie bilden ein hochkomplexes, dreidimensionales Netzwerk, das den gesamten Organismus durchzieht und verbindet. Für die Osteopathie sind Faszien deshalb seit jeher von zentraler Bedeutung - lange bevor sie in den Fokus der modernen Forschung rückten.

Der Begründer der Osteopathie, Dr. Andrew Taylor Still, erkannte ihre Bedeutung bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Seine Aussage "Faszien sind der Ort, an dem man nach den Ursachen von Krankheiten suchen sollte" wirkt heute aktueller denn je. Moderne Forschung bestätigt zunehmend, was Osteopathinnen und Osteopathen seit Generationen in ihrer täglichen Arbeit berücksichtigen: Faszien beeinflussen Beweglichkeit, Stabilität, Körperwahrnehmung und zahlreiche weitere Funktionen des menschlichen Körpers.

Netzwerk, das alles verbindet

Faszien finden sich nahezu überall im Körper. Sie umhüllen Muskeln, Knochen, Gelenke, Sehnen, Organe, Blutgefäße und Nerven - sogar Gehirn und Rückenmark sind von Faszien umgeben. Sie verbinden sämtliche Strukturen miteinander und sorgen dafür, dass der Körper als funktionelle Einheit arbeiten kann. Dabei übernehmen sie weit mehr Aufgaben als nur das Zusammenhalten einzelner Gewebe. Faszien ermöglichen Beweglichkeit, übertragen Kräfte, unterstützen die Durchblutung und den Lymphfluss, schützen Organe, begleiten die Wundheilung und spielen eine wichtige Rolle für das Immunsystem. "Faszien sind weit mehr als Bindegewebe. Sie bilden das tragende Netzwerk unseres Körpers und ermöglichen erst das harmonische Zusammenspiel aller Strukturen", erklärt Prof. Marina Fuhrmann, Vorsitzende des Verbandes der Osteopathen Deutschland (VOD) e.V.

Faszien und Osteopathie

Für Osteopathinnen und Osteopathen spielt das Fasziensystem eine wesentliche Rolle. Da sämtliche Körperstrukturen miteinander verbunden sind, werden Beschwerden nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenhang mit dem gesamten Organismus. Einschränkungen der Beweglichkeit oder Spannungsveränderungen im Fasziengewebe können sich auf Muskeln, Gelenke, Organe oder das Nervensystem auswirken. Ziel der osteopathischen Behandlung ist es, solche funktionellen Einschränkungen aufzuspüren und die natürliche Beweglichkeit des Gewebes zu unterstützen.

Dabei beschränkt sich Osteopathie keineswegs auf die Behandlung oberflächlicher Faszien. Vielmehr wirkt sie direkt oder indirekt auf das gesamte fasziale Netzwerk - bis auf zellulärer Ebene. Die moderne Faszienforschung liefert zunehmend wissenschaftliche Erklärungen für Zusammenhänge, die in der Osteopathie seit über 150 Jahren berücksichtigt werden. Sie verdeutlicht, dass der menschliche Körper nur als funktionelle Einheit verstanden werden kann. "Die Erkenntnisse der Faszienforschung zeigen eindrucksvoll, wie eng alle Strukturen unseres Körpers miteinander verbunden sind. Genau dieses ganzheitliche Verständnis bildet seit jeher die Grundlage der Osteopathie", betont Prof. Marina Fuhrmann.

Stabil und gleichzeitig elastisch

Die besonderen Eigenschaften der Faszien beruhen auf ihrem Aufbau. Spezielle Zellen - sogenannte Fibroblasten - produzieren Kollagen- und Elastinfasern. Kollagen verleiht dem Gewebe enorme Stabilität: Die Fasern können Zugfestigkeiten erreichen, die mit Stahl vergleichbar sind. Elastin hingegen sorgt für die notwendige Dehnbarkeit und Flexibilität.

Diese Kombination aus Stabilität und Elastizität macht das Fasziensystem zu einem einzigartigen biologischen Netzwerk. Wissenschaftler beschreiben seinen Aufbau häufig mit dem sogenannten Tensegrity-Modell. Dabei stabilisiert sich der Körper durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Zug- und Druckkräften. Belastungen werden nicht nur lokal, sondern über das gesamte Netzwerk verteilt. Ohne dieses Netzwerk würden Muskeln ihre Form verlieren, Knochen ihre stabile Einbindung und innere Organe ihren Halt. Sämtliche Strukturen des Körpers sind über Faszien miteinander verbunden - Veränderungen an einer Stelle können sich deshalb auf weit entfernte Bereiche auswirken.

Faszien - auch ein Sinnesorgan?

Besonders spannend ist die Erkenntnis, dass Faszien über eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Sinnesrezeptoren verfügen. Schätzungen gehen von weit über 100 Millionen Rezeptoren aus. Damit gehören sie zu den rezeptorreichsten Geweben des menschlichen Körpers.

Sie registrieren unter anderem:

- Berührung - Druck - Schmerz - Temperatur - Körperhaltung und Bewegung - Veränderungen des Gewebemilieus

Aus diesem Grund betrachten viele Wissenschaftler das Fasziensystem heute nicht nur als tragendes Organ, sondern auch als eines der wichtigsten Sinnesorgane des Körpers.

Gut zu wissen:

Osteopathie ist eine eigenständige, ganzheitliche Form der Medizin, in der Diagnostik und Behandlung mit den Händen erfolgen. Osteopathie geht dabei den Ursachen von Beschwerden auf den Grund und behandelt den Menschen in seiner Gesamtheit. Osteopathie ist bei vielen Krankheiten sinnvoll und behandelt vorbeugend.

Hintergrund:

Als erster und mit bundesweit mehr als 7.000 Mitgliedern größter Berufsverband setzt sich der VOD für Patientensicherheit und Verbraucherschutz ein. Der VOD e.V. fordert hierfür eine berufsgesetzliche Regelung und die Schaffung des eigenständigen Berufs des Osteopathen auf qualitativ höchstem Niveau. Er klärt über die Osteopathie auf, informiert sachlich und neutral, fördert Forschungsprojekte und betreibt Qualitätssicherung im Interesse der Patienten. Darüber hinaus vermittelt der VOD hoch qualifizierte Osteopathen. Über 2,8 Millionen Besucher informieren sich jedes Jahr auf osteopathie.de. Fast 100 gesetzliche Krankenkassen bezuschussen Osteopathie.

Weitere Informationen:

Verband der Osteopathen Deutschland e.V.

Wilhelmstraße 42

65183 Wiesbaden

Telefon: 0 611 / 5808975 - 0

mailto:info@osteopathie.de

http://www.osteopathie.de

www.osteopathie.de//forsa_2024 (http://www.osteopathie.de/forsa_2024)

Pressekontakt:

Michaela Wehr Tel. 0 15 20 / 2 14 71 05 mailto:presse@osteopathie.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/79623/6319958 OTS: Verband der Osteopathen Deutschland e.V.


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Verband der Osteopathen Deutschland e.V.
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