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Bonn (ots) - Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. (VdF) rechnet
für 2026 mit einer Streuobsternte von rund 450.000 Tonnen. Ob diese Menge
tatsächlich erreicht wird, hängt jedoch entscheidend von den Niederschlägen in
den kommenden Wochen ab.
"Die Zahl der Äpfel an den Bäumen ist ausreichend, die Früchte sind derzeit
jedoch noch sehr klein", erklärt VdF-Geschäftsführer Klaus Heitlinger. "Schon
ein Zentimeter mehr Durchmesser kann die Erntemenge deutlich erhöhen. Deshalb
kommt es jetzt auf Regen an. Bleiben die Niederschläge aus, wachsen die Äpfel
nicht weiter und können vorzeitig von den Bäumen abgeworfen werden."
Nach Einschätzung des Verbands werden die kommenden zwei Wochen entscheidend für
die weitere Entwicklung der Ernte sein. Erfahrungsgemäß können sich gute Ernten
im Saisonverlauf noch verstärken, während schwächere Ernten häufig weiter nach
unten korrigiert werden müssen.
Große regionale Unterschiede möglich
Streuobsternten unterliegen starken jährlichen Schwankungen. Ursache ist unter
anderem die sogenannte Alternanz, also der Wechsel zwischen stärkeren und
schwächeren Ertragsjahren. Dieses im Obstbau bekannte Phänomen wurde durch den
Spätfrost im Jahr 2017 zusätzlich verstärkt.
Auch regional können die Erntemengen deutlich voneinander abweichen. Lokale
Regenfälle in den kommenden Wochen können dazu führen, dass sich die
tatsächlichen Erträge vor Ort erheblich von der bundesweiten Prognose
unterscheiden.
Ertragspotenzial der Bestände nimmt ab
Unabhängig von den jährlichen Schwankungen ist das Ertragspotenzial vieler
Streuobstbestände in Deutschland in den vergangenen Jahren zurückgegangen.
Während für 2018 noch eine Ernte von mehr als einer Million Tonnen
prognostiziert wurde, haben insbesondere die trockenen Sommer der Jahre 2019 bis
2023 den Bäumen zugesetzt.
Viele Streuobstbäume leiden unter unzureichender Wasserversorgung. Hinzu kommt
das hohe Alter zahlreicher Bestände. Ein großer Teil der Bäume ist älter als 80
Jahre und erreicht zunehmend das Ende seiner natürlichen Lebensdauer.
Streuobstwiesen sind wertvolle Ökosysteme
Klaus Heitlinger betont die Bedeutung der Streuobstwiesen über ihre
wirtschaftliche Funktion hinaus: "Mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten finden
auf Streuobstwiesen einen Lebensraum. Zugleich steht die Vielfalt der angebauten
Obstarten für besondere Geschmacksprofile, die von vielen Verbraucherinnen und
Verbrauchern geschätzt werden. Produkte wie Streuobstwiesen-Apfelsäfte sowie
Quitten- und Birnensäfte erfreuen sich daher großer Beliebtheit."
Angesichts der Folgen des Klimawandels und der Überalterung vieler Bestände
setzen sich die deutschen Fruchtsafthersteller für den Erhalt und die Förderung
des Streuobstanbaus ein. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem Pflanzaktionen
und Aufpreismodelle, mit denen höhere Erzeugerpreise für Streuobst ermöglicht
werden.
Ernteschätzung mit Augenmaß
Seit 32 Jahren führt der VdF die sogenannte Kelterapfel-Behangdichtenschätzung
durch. Das Verfahren wurde am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee entwickelt.
Mit einem Spezialfernrohr, dem sogenannten "Gucki", nehmen ehrenamtliche
Schätzer jeweils zehn Ausschnitte eines Baumes ins Visier und zählen den
Apfelbehang. Auf Grundlage eines festgelegten Berechnungsverfahrens lässt sich
daraus eine bundesweite Ernteprognose ableiten.
In diesem Jahr beteiligen sich 45 ehrenamtliche Schätzer an der Erhebung. Mit
ihrer Arbeit leisten sie zugleich einen wichtigen Beitrag dazu, die
wirtschaftliche und ökologische Bedeutung der Streuobstbestände sichtbar zu
machen.
Pressekontakt:
Klaus Heitlinger, Geschäftsführer
Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V.
Mainzer Straße 253, D-53179 Bonn
Telefon: +49 2 28 9 54 60-0
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