|
Bonn (ots) - Am 3. August jährt sich der Beginn des Völkermords an den
Ezid:innen im Irak zum zwölften Mal. Bis heute kämpfen die Überlebenden darum,
ihr Leben wieder aufzubauen. CARE ist zutiefst besorgt über die anhaltende
Vertreibung ezidischer Familien. Viele von ihnen leben seit Jahren unter sehr
schwierigen Bedingungen in Camps für Vertriebene. Häufig sind sie Gewalt
ausgesetzt und haben nur eingeschränkten Zugang zu Bildung und
Arbeitsmöglichkeiten. Vor allem für Mädchen und Frauen stellen die anhaltenden
Sicherheitsrisiken eine ständige Bedrohung dar. Gleichzeitig reichen die Mittel
für humanitäre Hilfe und Wiederaufbau nicht aus, um den Menschen Schutz und
Unterstützung bei der Schaffung neuer Perspektiven zu bieten.
"Zwölf Jahre nach dem Völkermord sind die humanitären Bedarfe vieler ezidischer
Familien noch immer nicht gedeckt. Tausende sind nach wie vor vertrieben und
können nicht in ihre Heimat zurückkehren. Es fehlen die Voraussetzungen für eine
sichere, freiwillige und würdige Rückkehr. Gleichzeitig gehen Hilfs- und
Fördergelder weiter zurück, was unverzichtbare Schutz- und
Unterstützungsleistungen gefährdet. Der Gedenktag ist nicht nur ein Moment, um
an das Geschehene zu erinnern - er ist eine Mahnung, dass die internationale
Gemeinschaft den Schutz und die Würde der Ezid:innen, die noch immer mit den
Folgen des Völkermords leben, weiterhin unterstützen muss", sagt Malek Al
Raddad, Interim-Länderdirektor von CARE Irak .
Fast eine Million Iraker:innen sind nach wie vor Binnenvertriebene - viele von
ihnen ezidische Familien in der Region Kurdistan im Irak. Seit Jahren hoffen sie
auf eine Rückkehr in ihre Heimatregion Sindschar. 150.000 Menschen sind zwar
bereits zurückgekehrt, doch Sicherheitsbedenken, Angst und Traumata halten viele
weitere von einer Rückkehr ab. In ihrer Heimat mangelt es an grundlegenden
Versorgungsleistungen, darunter Gesundheitsversorgung, sauberes Wasser und
Infrastruktur. Beschäftigungsmöglichkeiten sind äußerst begrenzt.
Landwirtschaftliche Flächen sind stark dezimiert, und die Wasserknappheit hält
aufgrund der Dürre an. Die Niederschlagsmenge ist in den letzten fünf Jahren um
40 Prozent zurückgegangen. Rund 80 Prozent der öffentlichen Infrastruktur und 70
Prozent der Häuser in Sindschar wurden zerstört. Viele Häuser sind nach wie vor
unbewohnbar.
"Die Sicherheitslage in Sindschar ist auch heute fragil. Für dauerhafte
Stabilität reicht es nicht aus, Gewalt zu verhindern - es bedarf
Rechenschaftspflicht, effektiver Institutionen und der Garantie, dass die
Menschen ihr Leben in Sicherheit wiederaufbauen können. Darüber hinaus ist der
Zugang zu den Gemeinden in Sindschar für Hilfsorganisationen aufgrund
administrativer Herausforderungen nach wie vor schwierig", sagt Mohammed Masoud
Abbas, CARE-Koordinator für Sicherheit und Zugang .
CARE fordert Regierungen weltweit auf, ihren moralischen und rechtlichen
Verpflichtungen nachzukommen, um sicherzustellen, dass Ezid:innen in Würde und
Sicherheit leben können. Zudem ruft CARE die Geber nachdrücklich dazu auf, die
Finanzmittel für Hilfsmaßnahmen deutlich zu erhöhen.
CARE Irak arbeitet mit der irakischen Partnerorganisation The Lotus Flower
zusammen, um intern vertriebenen Menschen sichere Zufluchtsorte, psychosoziale
Unterstützung und Schutzmaßnahmen zu bieten. CARE wurde 1945 gegründet, um Armut
und Hunger in Europa mit Millionen CARE-Paketen zu lindern. Heute setzt sich
CARE in über 100 Ländern mit überwiegend einheimischen Kräften und
Partnerorganisationen für die Überwindung von Not, Armut und Ausgrenzung ein und
stellt insbesondere Frauen und Mädchen ins Zentrum seiner Arbeit.
Pressekontakt:
Rückfragen bitte an:
CARE Deutschland e.V.
Kerstin Bandsom
Telefon: +49 (0) 228 975 63 - 41
Mobil: +49 (0) 170 74 48 600
E-Mail: bandsom@care.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/6745/6325159
OTS: CARE Deutschland e.V.
|