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Berlin (ots) - Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: Die
BSW-Bundesspitze hat es zur obersten Priorität erklärt, dass die Erfurter
Fraktion die Brombeer-Koalition verlässt. Weil CDU-Regierungschef Voigt wegen
des mutmaßlichen Plagiierens bei seiner Doktorarbeit nicht mehr tragbar sei.
Dabei wären das Resultat eines Ausstiegs am Ende Neuwahlen und möglicherweise
eine absolute Mehrheit für die AfD von Björn Höcke. Das ist mehr als fahrlässig.
Es gibt also gute Gründe dafür, dass die Thüringer Fraktion sich am Montag für
einen Verbleib im Dreierbündnis mit CDU und SPD ausgesprochen hat.
Das Frappierende an der Reaktion aus der Berliner Zentrale: Sie deckt sich
letztlich mit dem, was die AfD sagt, die ihrer Klientel erfolgreich erklärt, das
BSW sei längst Teil des "Altparteienkartells". Dabei sollte auch Sahra
Wagenknecht und Fabio De Masi aufgefallen sein, dass die ach so konformistischen
und karrieristischen Thüringer in den Umfragen immer noch wesentlich besser
dastehen als etwa die Brandenburger, die - angeblich zugunsten der eigenen
Glaubwürdigkeit - die Koalition mit der SPD aufgekündigt haben. Und gerade bei
vier Prozent Zustimmung herumdümpeln, während sich in Thüringen aktuell immerhin
noch sieben Prozent der Wahlberechtigten für das BSW entscheiden würden.
Angesichts der miesen Lage des BSW würde man vermuten, dass Geschlossenheit nach
außen zu demonstrieren gerade oberstes Gebot sein müsste. Doch mit rationalen
Kriterien ist das Agieren des Kreises um die Parteigründerin Wagenknecht nicht
mehr zu fassen. Ihr fällt tatsächlich nichts Besseres ein, als den vergifteten
Vorschlag Höckes, doch in Thüringen Ministerpräsidentin zu werden, in einem am
Sonntag geposteten Video unter Verweis auf die "spezielle Situation im Thüringer
BSW" abzulehnen, wegen der sie "im Landtag gar keine Mehrheit hätte". Das hieße
im Umkehrschluss: Grundsätzlich wäre Madame bereit, sich von der extrem rechten
Partei vorschlagen zu lassen und das Amt zu übernehmen - wenn denn diese
unmöglichen Parteifreunde in Erfurt nicht wären.
Mittlerweile lässt das Verhalten von Wagenknecht kaum noch einen anderen Schluss
zu als den, dass sie wirklich nichts anderes kann, als Parteien zu spalten. Nur
dass es jetzt das Eigengewächs ist, das sie und die Bundesspitze gegen die Wand
fahren. Dass die Thüringer Finanzministerin Katja Wolf angesichts dessen eine
selbstbewusst-freche Retourkutsche fährt, ist durchaus verständlich: Sie sagte
unter Anspielung auf Wagenknechts 2021er Buchtitel "Die Selbstgerechten", dem
BSW im Freistaat gehe es um die Menschen, die für wenig Geld arbeiten und die
keine "selbstgerechten Eigendebatten" brauchten
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