|
Düsseldorf (ots) - Die Apotheken in Nordrhein warnen vor dem unkontrollierten
Bezug von Arzneimitteln und hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln über
zweifelhafte Internetangebote. Aktuelle Fälle rund um eine neue
verschreibungspflichtige Semaglutid-Tablette zur Gewichtsreduktion und die
schwere Vitamin-D-Vergiftung eines Säuglings zeigen: Bei Gesundheitsprodukten
können falsche Berater, eine unpassende Produktauswahl, eine fehlerhafte
Dosierung oder eine unsachgemäße Anwendung gravierende Folgen haben.
"Arzneimittel sind keine gewöhnlichen Konsumgüter, aber auch
Nahrungsergänzungsmittel können - insbesondere bei Fehlgebrauch - massive
Auswirkungen auf die Gesundheit haben", erklärt Dr. Armin Hoffmann, Präsident
der Apothekerkammer Nordrhein. "In der Apotheke vor Ort erhalten die Menschen
nicht nur ein sicheres Arzneimittel. Sie erhalten zudem eine fachliche Prüfung,
eine verständliche Beratung und einen verantwortungsvollen Ansprechpartner, dem
die Gesundheit seiner Patienten am Herzen liegt. Genau das schützt vor
Fehlanwendungen und vermeidbaren Gesundheitsschäden."
Neue "Abnehmpille" erfordert sorgfältige Begleitung
Bereits vor der erwarteten Markteinführung von Semaglutid-Tabletten zur
Gewichtsreduktion im September werben fragwürdige Internetportale mit
Verordnungen und Vorbestellungen. Das verschreibungspflichtige Arzneimittel
steht zwar auf der Liste der Lifestyle-Arzneimittel, ist aber dennoch ein
hochwirksames verschreibungspflichtiges Medikament mit möglichen unerwünschten
Wirkungen und Risiken sowie mit besonderen Einnahmebedingungen.
Apothekerinnen und Apotheker prüfen ärztliche Verordnungen unabhängig,
berücksichtigen weitere Medikamente und Erkrankungen und erklären die korrekte
Einnahme. Diese pharmazeutische Kontrolle ist entscheidend für eine sichere und
erfolgreiche Behandlung.
"Für eine sichere Therapie reicht nicht ein Klick auf einen Bestellbutton",
betont Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. "Sie
braucht eine ärztliche Diagnose und eine qualifizierte pharmazeutische
Begleitung. Gerade bei komplexen Arzneimitteln können Apotheken Anwendungsfehler
erkennen, Risiken vermindern und die Patientinnen und Patienten während der
Behandlung persönlich und individuell unterstützen."
Vitamin-D-Vergiftung zeigt Risiken falscher Produktauswahl
Wie schwerwiegend die Folgen einer falschen Produktauswahl sein können, zeigt
ein im Juli dieses Jahres bekannt gewordener Fall in Deutschland: Ein sechs
Monate alter Säugling musste wegen einer schweren Vitamin-D-Vergiftung stationär
behandelt werden. Statt eines für Säuglinge geeigneten Präparats war ein
hochdosiertes Vitamin-D-Produkt für Erwachsene verabreicht worden.
Eltern sollten deshalb ausschließlich Präparate verwenden, die ausdrücklich für
Säuglinge geeignet sind. Hochkonzentrierte Erwachsenenprodukte dürfen nicht
eigenständig auf eine Dosierung für Kinder umgerechnet werden.
"Ähnlich aussehende Produkte können völlig unterschiedliche Wirkstoffmengen
enthalten", warnt Hoffmann. "Die Apotheke prüft, ob ein Präparat für das
jeweilige Alter geeignet ist, welche Dosierung vorgesehen ist und wie es sicher
angewendet wird. Eine persönliche Beratung kann im entscheidenden Moment vor
einer gefährlichen Fehlanwendung schützen."
Apotheken sind zentrale Sicherheitsinstanz zwischen Verordnung und Anwendung
Apotheken vor Ort verbinden die zuverlässige und niedrigschwellige Versorgung
mit Arzneimitteln mit persönlicher pharmazeutischer Beratung. Sie prüfen
Verordnungen, erkennen Wechselwirkungen und Dosierungsfehler, beraten zur
sicheren Anwendung und Selbstmedikation, finden Lösungen bei Lieferengpässen und
gewährleisten die Versorgung im Nacht- und Notdienst.
"Apotheken sind weit mehr als Abgabestellen", sagt Preis. "Sie sind eine
zentrale Sicherheitsinstanz zwischen Verordnung und Anwendung. Sie erkennen
Probleme, bevor daraus Schäden entstehen können und sind für die Menschen
persönlich, wohnortnah und unmittelbar erreichbar. Gerade in einem immer
unübersichtlicheren Gesundheitsmarkt ist diese verlässliche Beratung
unverzichtbar."
Die Apotheken in Nordrhein empfehlen, verschreibungspflichtige Arzneimittel
ausschließlich nach ärztlicher Verordnung und mit pharmazeutischer Beratung
anzuwenden. Insbesondere bei hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln sowie
Präparaten für Kinder und Säuglinge sollten sich Verbraucher vor der Anwendung
in ihrer Apotheke vor Ort zur richtigen Auswahl und Dosierung beraten lassen.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Vorsicht bei dubiosen Online-Angeboten: Aktuelle Fälle bei Semaglutid und
Vitamin D zeigen die Risiken einer ungeprüften Produktauswahl und Anwendung.
- Neue "Abnehmpille": Semaglutid ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel
mit besonderen Einnahmebedingungen sowie möglichen Neben- und
Wechselwirkungen.
- Vitamin-D-Vergiftung: Ein sechs Monate alter Säugling musste nach der Gabe
eines hochdosierten Vitamin-D-Produkts für Erwachsene stationär behandelt
werden.
- Beratung schützt: Gerade bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, hohen
Dosierungen und Präparaten für Kinder können Auswahl- und Anwendungsfehler
schwerwiegende Folgen haben.
- Apotheken vor Ort geben Sicherheit: Sie prüfen Arzneimittel und Dosierungen,
erkennen Risiken und Wechselwirkungen und sorgen mit persönlicher Beratung für
eine sichere Anwendung.
Pressekontakt:
Jens A. Krömer
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Apothekerkammer Nordrhein
Poststr. 4
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 8388-119
https://www.aknr.de/presse
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/15266/6339092
OTS: Apothekerkammer Nordrhein
|