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Sven Schulze bei WELT TALK SPEZIAL: "Ich möchte nicht, dass Sachsen-Anhalt ein Experimentierfeld wird" (FOTO)

31.08.2026 15:40 Uhr WELT

Berlin (ots) - Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat CDU-Ministerpräsident Sven Schulze die AfD angegriffen. Er zeigte sich im Gespräch bei WELT TALK SPEZIAL mit Helge Fuhst auf dem Nachrichtensender WELT überzeugt, dass die Wahl durch regionale Themen bestimmt werde. "Es geht um Sachsen-Anhalt", sagte er und verwies darauf, dass etwa das Ende der Personaldebatten in der Bundespolitik hilfreich gewesen sei.

Die ganze Sendung WELT TALK SPEZIAL mit Helge Fuhst in der WELT-Mediathek (https ://www.welt.de/videos/video6a955adcd7e51a6452b9eb3e/welt-talk-spezial-sachsen-an halt-darf-kein-experimentierfeld-werden-sagt-sven-schulze.html) .

Die zentralen Aussagen von Schulze im Überblick:

- Migration

Schulze lobte die Migrationspolitik der Bundesregierung. In Sachsen-Anhalt seien im ersten Halbjahr nur noch rund 1000 Neuzugänge zu verzeichnen gewesen. Das sei "ein Bruchteil dessen, was wir in den letzten Jahren hatten". So wenige seien zuletzt in den Jahren 2011, 2012 in das Land gekommen. Innenminister Alexander Dobrindt habe das Thema zur Chefsache gemacht und das habe Konsequenzen: "Die Migrationswende ist da."

Zugleich verwies Schulze auf die Notwendigkeit von Migration etwa im Bereich Gesundheit und Pflege. "Es ist mir doch egal, wo der Arzt herkommt. Hauptsache, er ist ein guter Arzt."

- Wirtschaft

Auch für die Wirtschaftspolitik des Bundes hatte Schulze gute Worte und lobte die Abschaffung der Gasspeicherumlage. Dies habe zur Sicherung etwa der Stickstoffwerke Piesteritz nahe Wittenberg beigetragen. "Und heute kann ich verkünden, dass allein in diesem Jahr knapp 250 Millionen Euro Investitionen nur in diesen Chemiepark von dem Unternehmen kommen."

Zugleich hob er die nach wie vor hohen Energiepreise hervor. "Die Spritpreise sind momentan so hoch, dass sie auf Dauer für uns in den Flächenländern nicht tragbar sind", sagte Schulze weiter. Einer Übergewinnsteuer erteilte er jedoch eine Absage und verwies stattdessen auf die Verantwortung der Unternehmen.

Schulze verwies auf eine positive Bilanz einer Partei in Sachsen-Anhalt. "Wir haben viel erreicht seit 1989", sagte er und verwies insbesondere auf die Chemie- und die Automobilindustrie. In letzterer arbeiteten 25.000 Menschen. "Wir können heute jedem eine Perspektive bieten."

- AfD

"Wenn es eine Sache gibt, die nicht gut gelaufen ist, ist, dass die AfD mit dem Gefühl, den Menschen zu sagen, Deutschland sei ein Absteigerland, verfangen konnte", sagte Schulze. "Das ist nicht Sachsen-Anhalt", sagte er und fragte, in welche Vergangenheit die AfD zurückwolle: "In die 90er Jahre? Wo wir hier jedem sagen mussten, geh lieber in den Westen, weil wir keine Arbeit haben? Oder zurück in die DDR?"

Außerdem kritisierte Schulze die Russlandnähe der AfD. Im Hinblick auf eine Tasse der russischen Armee, die der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider in einem Video zeigte, sagte er: "Wer sowas offen zeigt, der will sowas auch." Man könne der AfD nicht vorwerfen, dass sie nicht sage, was sie wolle. "Ich will die russische Armee nicht wieder auf unserem Boden stehen haben", sagte der CDU-Politiker.

Die AfD biete zudem keine Lösungen, sondern beschreibe Probleme lediglich. "Die Kernbotschaft ist aber, dass es uns um die Themen geht, die man nicht, wie es die AfD macht, nur beschreiben sollte, sondern auch lösen. Jobs und Arbeitsplätze, innere Sicherheit, Bildungspolitik", nannte er als Beispiele.

Hinsichtlich eines möglichen AfD-Verbotsverfahrens zeigte sich Schulze skeptisch. Er könne die Erfolgsaussichten nicht beurteilen. "Ich möchte die AfD in Wahlen schlagen."

- Regierungsbildung

"Ich möchte nicht, dass meine Heimat Sachsen-Anhalt ein Experimentierfeld wird", sagte Schulze mit Blick auf eine mögliche AfD-Regierung und appellierte an die Wähler: "Wenn ihr verhindern wollt, dass die AfD die absolute Mehrheit kriegt, dann ist die Unterstützung für Sven Schulze und für meine Partei genau der richtige Weg." Wie er selbst nach der Wahl plant, eine Regierung zu bilden, führte er nicht aus.

In Richtung des BSW sagte er, Sahra Wagenknecht gehe es nicht darum, "unser Land voranzubringen, sondern nur darum, wieder Einfluss in Berlin zu gewinnen." Wenn das BSW "reinkommt, dann werden die Herrn Siegmund unterstützen". Wagenknecht mache einen "irren Wahlkampf. Alle Themen, die sie anspricht, haben nichts mit Sachsen-Anhalt zu tun." Sollte die AfD mit Hilfe des BSW an die Macht kommen, "heißt das, dass Frau Weidel aus der Schweiz und Frau Wagenknecht aus dem Saarland unsere Heimat Sachsen-Anhalt missbrauchen, um in Berlin mehr Einfluss zu gewinnen."

- Eigene Rolle und Verhältnis zur Bundesregierung

Mehrfach verwies Schulze in dem Gespräch auf seine eigenen Zustimmungswerte. "48 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt sagen gerade, sie wollen mich als Ministerpräsident gern behalten." Er sehe seine Aufgabe nicht darin, die Themen aus Berlin in Sachsen-Anhalt durchzusetzen, sondern die Themen Sachsen-Anhalts in Berlin durchzusetzen. Die Menschen würden das auch wahrnehmen. "Die Menschen sehen auch, in dem halben Jahr, wo er jetzt Ministerpräsident war, hat er begonnen, Entscheidungen so zu führen, dass wir in die Zukunft schauen."

Dabei schätze er auch die Wahlkampfhilfe aus Berlin. "Der Kanzler war in diesem Jahr schon mehrfach bei uns", sagte er. "Das ist für mich auch wichtig, dass wir den Draht in die Bundesregierung haben." Am Ende gehe es trotz allen Meinungsverschiedenheiten darum, "dass wir für dieses Land Sachsen-Anhalt hier weiter kämpfen, für das Land, wo ich gern auch zukünftig Ministerpräsident sein möchte."

Pressekontakt:

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