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Berlin (ots) - Nahezu jedes Popelunternehmen schickt seine Chefs in Kurse für
Personalführung. Dort sollen sie lernen, "eine vertrauensvolle Beziehung zu den
Mitarbeitern aufzubauen, um ein motiviertes Team erfolgreich zu den gesetzten
Zielen zu führen", wie es im Managementsprech gerne heißt. Bei Volkswagen,
immerhin Deutschlands größtem Industriekonzern bei Umsatz und Beschäftigtenzahl,
hat die Führung offenkundig geschwänzt.
VW-Chef Oliver Blume schürt seit Wochen bei den Mitarbeitern ein Klima der
Verunsicherung und verbreitet "Totengräberstimmung", wie Kritiker sagen. Von
Erfolg gekrönt ist dies nicht: Gewerkschaften und Betriebsräte lehnen die ebenso
intransparenten wie ideenlosen Kürzungspläne noch mehr ab als beim ersten
Bekanntwerden, zumal ihnen keine ernsthaften Verhandlungen dazu angeboten
wurden, und Großaktionär Niedersachsen widerspricht Blumes Darstellung, wie
ernst die Krise bei VW tatsächlich ist. Und wenn aus den Vorstandsreihen vor
einer wichtigen Aufsichtsratssitzung jetzt vermeintliche Schließungsbeschlüsse
von vier Standorten an die wirtschaftsnahe Kampfpresse durchgesteckt werden,
dürfte dies eher nach hinten losgehen. Von "Kokolores" spricht die IG Metall,
denn eine Mehrheit im Kontrollgremium wird Blume dafür nicht bekommen.
Was er mit diesem Vorgehen bezweckt, sei dahingestellt. Da sein Scheitern als
Führungskraft immer offensichtlicher wird, scheint er sich nun im Pokerspielen
zu versuchen. Nur gilt dabei: Wer "all in" geht, kann eben auch alles verlieren.
Riskieren kann er das freilich, denn anders als die Tausenden Beschäftigten in
Zwickau, Emden, Neckarsulm und Hannover, deren Werke Blume am liebsten
dichtmachen will, muss er mit Blick auf die finanzielle Absicherung den
Jobverlust nicht fürchten. Ob er dann wohl die viele Zeit nutzen wird, um mal
einen Kurs in Personalführung zu besuchen?
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