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WIESBADEN (ots) -
- Umsatz von aus Russland kontrollierten Unternehmen in Deutschland auf 8,4
Milliarden Euro im Jahr 2024 gesunken
- 96 % weniger Fluggäste mit letztbekanntem Streckenziel Russland im 1. Halbjahr
2026 von deutschen Flughäfen gestartet als im 1. Halbjahr 2019 vor der
Pandemie
- Zuzüge russischer Staatsangehöriger nach Deutschland seit dem Angriff
Russlands auf die Ukraine stark gesunken, Fortzüge aus Deutschland gestiegen
Der deutsch-russische Austausch hat seit dem Beginn des Angriffs Russlands auf
die Ukraine im Februar 2022 in vielerlei Hinsicht deutlich abgenommen. Im 1.
Halbjahr 2026 hat Deutschland 96,4 % weniger Waren aus der Russischen Föderation
importiert als im 1. Halbjahr 2021, dem Vergleichszeitraum vor Kriegsausbruch.
Im 1. Halbjahr 2026 wurden Waren im Wert von gut 0,5 Milliarden Euro aus
Russland importiert, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Im 1.
Halbjahr 2021 beliefen sich die Importe von dort noch auf 15,0 Milliarden Euro.
Auch die Exporte nach Russland sind deutlich gesunken: Mit -73,1 % fiel der
Rückgang im selben Zeitraum jedoch weniger stark aus als bei den Importen.
Deutschland exportierte im zurückliegenden Halbjahr Waren im Wert von 3,4
Milliarden Euro nach Russland. Im 1. Halbjahr 2021 waren es noch gut 12,7
Milliarden Euro.
Die Europäische Union (EU) hat seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine eine
Vielzahl von Sanktionen beschlossen, die den Handel mit Russland einschränken.
Die bisherigen 21 Sanktionspakete der EU enthalten unter anderem Einfuhrverbote
bestimmter Güter wie beispielsweise Energieträger oder Ausfuhrverbote
insbesondere für industrie- oder militärnahe Güter, aber schränken auch den
Zugang Russlands zu Kapital- und Finanzmärkten ein, schließen das Land vom
Bankensystem SWIFT aus und verhängen Einreise- und Flugverbote sowie
Einlaufverbote gegen die russische Schattenflotte.
Deutschland importiert Nahrungs- und Futtermittel, Metalle und chemische
Erzeugnisse aus Russland
Die Importe aus Russland im Gesamtwert von gut 0,5 Milliarden Euro setzten sich
im 1. Halbjahr 2026 im Wesentlichen aus Nahrungs- und Futtermitteln (206,1
Millionen Euro oder 38,7 %), aus Metallen (168,3 Millionen Euro oder 31,6 %)
sowie aus chemischen Erzeugnissen (95,9 Millionen Euro oder 18,0 %) zusammen. Im
1. Halbjahr 2021 waren Erdöl und Erdgas mit Abstand die meistimportierten Güter
aus Russland gewesen - mit einem Wert von 9,2 Milliarden Euro und einem Anteil
von 61,5 %. Weitere wichtige Importgüter im Vergleichszeitraum vor Kriegsbeginn
waren Metalle (13,5 %) sowie Kokerei- und Mineralölerzeugnisse (7,4 %).
Deutschland exportiert vor allem Pharmaerzeugnisse nach Russland
Bei den Exporten nach Russland im Gesamtwert von 3,4 Milliarden Euro entfiel im
1. Halbjahr 2026 ein Großteil auf pharmazeutische Erzeugnisse (1,5 Milliarden
Euro oder 42,4 %). Dahinter folgten Maschinen (11,1 %) sowie Nahrungs- und
Futtermittel (10,5 %). Im 1. Halbjahr 2021 waren knapp ein Viertel aller
deutschen Exporte nach Russland Maschinen (23,4 % oder 3,0 Milliarden Euro) -
vor Kraftwagen und Kraftwagenteilen (17,9 %) sowie chemischen Erzeugnissen (11,3
%).
Anteil russisch kontrollierter Unternehmen in Deutschland gesunken
Nicht nur im Außenhandel, sondern auch bei den auslandskontrollierten
Unternehmen haben die deutsch-russischen Wirtschaftsverflechtungen abgenommen.
Im Jahr 2024 gehörten 76 oder 0,2 % der insgesamt gut 42 400
auslandskontrollierten Unternehmen in Deutschland zu einer Muttergesellschaft
mit Sitz in Russland. Die von Russland aus kontrollierten Unternehmen
erwirtschafteten einen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro, das waren 0,4 % der von
auslandskontrollierten Unternehmen hierzulande erwirtschafteten Umsätze. Im Jahr
2021 hatten die 229 russisch kontrollierten Unternehmen noch einen Anteil von
0,7 % an allen auslandskontrollierten Unternehmen hierzulande. Sie
erwirtschafteten damals knapp 25,4 Milliarden Euro oder 1,3 % der Umsätze aller
auslandskontrollierten Unternehmen.
Auch das Geschäft deutscher Unternehmen in Russland nahm ab. Nach Angaben der
Bundesbank waren 290 oder 0,9 % der insgesamt gut 32 100 von deutschen
Investoren kontrollierten Auslandsunternehmen im Jahr 2024 in Russland tätig.
Dort erwirtschafteten sie einen Jahresumsatz von rund 13 Milliarden Euro oder
0,4 % der Umsätze, die aus Deutschland kontrollierte Auslandsunternehmen
weltweit erzielten. Im Jahr 2021 hatten die 481 aus Deutschland kontrollierten
Unternehmen in Russland einen Anteil von 1,5 % an allen Auslandsunternehmen
deutscher Investoren und erwirtschafteten dort rund 38 Milliarden Euro oder 1,4
% von deren Auslandsumsätzen weltweit.
Gut 39 900 Fluggäste mit letztbekanntem Ziel Russland starteten im 1. Halbjahr
2026 an deutschen Flughäfen
Dass die deutsch-russischen Beziehungen abgekühlt sind, zeigt sich auch im
Flugverkehr. Wegen des bestehenden Direktflugverbots ging im 1. Halbjahr 2026
die Zahl der an deutschen Hauptverkehrsflughäfen startenden wie auch der dort
landenden Fluggäste mit Direktverbindung nach und von Russland gegen null. Zum
Vergleich: Vor den von Reisebeschränkungen geprägten Pandemiejahren hatte sowohl
die Zahl der aus Russland ankommenden als auch die der dorthin abfliegenden
Fluggäste mit Direktverbindung im 1. Halbjahr 2019 noch bei jeweils rund 1,0
Millionen Fluggästen gelegen.
Mit letztbekanntem Streckenziel Russland flogen im 1. Halbjahr 2026 noch gut 39
900 Fluggäste von deutschen Hauptverkehrsflughäfen ab - beispielsweise mit
Umstieg in der Türkei oder anderen Drittstaaten ohne Direktflugverbot. Das waren
95,9 % weniger als im 1. Halbjahr 2019 (gut 978 300 Fluggäste), vor den
pandemiebedingten Einschränkungen des Flugverkehrs.
Zuletzt mehr russische Staatsangehörige aus Deutschland fortgezogen als
zugezogen
Das Verhältnis von Zuzügen und Fortzügen russischer Staatsangehöriger nach und
aus Deutschland hat sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Frühjahr
2022 gedreht. Im 1. Halbjahr 2026 zogen mehr russische Staatsangehörige aus
Deutschland fort (gut 4 400) als nach Deutschland zuzogen (gut 3 800). Zu Beginn
des Angriffs Russlands auf die Ukraine im 1. Halbjahr 2022 überwogen die Zuzüge
russischer Staatsangehöriger nach Deutschland (12 700) noch deutlich gegenüber
den Fortzügen mit gut 3 400. Auch im Jahr 2021 vor dem Angriff, das
pandemiebedingt noch von Reisebeschränkungen geprägt war, hatte es im 1.
Halbjahr mehr Zuzüge (gut 5 300) als Fortzüge (knapp 3 700) russischer
Staatsangehöriger gegeben.
1 700 russische Bildungsausländerinnen und -ausländer starteten 2025 in
Deutschland ein Studium
Der verringerte Austausch zwischen Deutschland und Russland zeigt sich auch an
Hochschulen hierzulande. Im Studienjahr 2025 begannen 1 700 russische
Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer ein Studium in Deutschland. Das
waren 40 % weniger als im Jahr 2021 (knapp 2 900). Im Vergleich zum
Vor-Corona-Niveau im Jahr 2019 mit damals 3 100 russischen
Bildungsausländerinnen und -ausländern fiel der Rückgang mit -45 % noch größer
aus. Im Vergleich zum Höchststand im Jahr 2014 (gut 3 500) hat sich die Zahl
mehr als halbiert (-52 %).
Methodische Hinweise:
Gegenstand der Außenhandelsstatistik ist der grenzüberschreitende Warenverkehr
Deutschlands mit dem Ausland. Ausgewertet wurden die Ergebnisse auf Basis des
Güterverzeichnisses für Produktionsstatistiken. Nicht inbegriffen ist der
grenzüberschreitende Handel mit Dienstleistungen. Dieser wird von der Deutschen
Bundesbank erhoben.
Nach der EU-Unternehmensdefinition entspricht ein Unternehmen der kleinsten
Kombination Rechtlicher Einheiten, die eine organisatorische Einheit zur
Erzeugung von Waren und Dienstleistungen bildet und insbesondere in Bezug auf
die Verwendung der ihr zufließenden Mittel über eine gewisse
Entscheidungsfreiheit verfügt. Ein Unternehmen übt eine Tätigkeit oder mehrere
Tätigkeiten an einem Standort oder an mehreren Standorten aus. Ein Unternehmen
kann einer einzigen Rechtlichen Einheit entsprechen oder aus mehreren
Rechtlichen Einheiten bestehen.
Die Statistik über die Struktur und Tätigkeit von Auslandsunternehmenseinheiten
beruht im Wesentlichen auf der Verordnung (EU) Nr. 2152/2019 vom 27. November
2019 über Europäische Unternehmensstatistiken und verpflichtet die
EU-Mitgliedstaaten zu einer Datenlieferung über Kenngrößen grenzüberschreitend
kontrollierter Unternehmen an das statistische Amt der Europäischen Union
(Eurostat). Hierbei wird unterschieden zwischen Kenngrößen von
auslandskontrollierten Unternehmen in Deutschland, und Kenngrößen von
Unternehmen im Ausland, die von deutschen Investoren kontrolliert werden. Die
Angaben zu auslandskontrollierten Unternehmen werden vom Statistischen Bundesamt
bereitgestellt. Die Angaben zu Unternehmen im Ausland werden von der Deutschen
Bundesbank erstellt.
Bei den Zahlen zu den Flugreisenden werden fluggastbezogene Zahlen zu den
Passagieren an Bord betrachtet, welche in einem Flugzeug mit einem Start an
einem deutschen Hauptverkehrsflughafen und einem Ziel im betroffenen Land oder
umgekehrt erfasst wurden. Die Statistik erfasst den Luftverkehr an den
Hauptverkehrsflughäfen mit mehr als 150 000 Fluggasteinheiten im Jahr. Die Daten
sind nicht um Kalender- oder Saisoneffekte bereinigt.
Gezählt werden nur Flugreisende mit einem durchgehenden Ticket, deren Umstieg
dem Berichtsflughafen in Deutschland bekannt ist. Reisen Fluggäste
beispielsweise mit zwei getrennten Tickets von Deutschland in die Türkei und
anschließend weiter in die Russische Föderation, so werden die Fluggäste dem
letztbekannten Streckenziel Türkei zugeordnet. Zu den ankommenden Fluggästen an
deutschen Flughäfen liegen keine Informationen über einen möglichen vorherigen
Umstieg vor, hier ist ausschließlich der Nachweis der letzten Direktverbindung
nach Deutschland möglich. Für die Fluggastzahlen im 1. Halbjahr 2026 fehlt die
Meldung des Flughafens Hahn für den Berichtsmonat Juni 2026.
In der Wanderungsstatistik werden Zu- und Fortzüge dargestellt, die nach den
melderechtlichen Regelungen bei den Meldebehörden registriert wurden. Ergebnisse
von Zu- und Fortzügen russischer Staatsangehöriger enthalten Fälle mit
unbekanntem Herkunfts- bzw. Zielland.
Bildungsausländerinnen und -ausländer sind hier Studienanfängerinnen und
-anfänger mit russischer Staatsangehörigkeit, die ihre
Hochschulzugangsberechtigung im Ausland bzw. an einem Studienkolleg erworben
haben. Dagegen werden als Bildungsinländer/-innen mit der russischen
Staatsangehörigkeit diejenigen russischen Studierenden nachgewiesen, die ihre
Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland, aber nicht an einem Studienkolleg,
erworben haben.
Weitere Informationen:
Ausgewählte Tabellen bietet auch die Themenseite Außenhandel im Internetangebot
des Statistischen Bundesamtes.
Weitere Informationen und Daten zu auslandskontrollierten Unternehmen in
Deutschland (Inward Foreign Affiliates Statistics - IFATS) finden Sie auf der
Themenseite des Statistischen Bundesamtes. Detaillierte Ergebnisse und
Zeitreihen können darüber hinaus über GENESIS-Online (Tabellen 48131) abgerufen
werden.
Weitere Informationen zu Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland
(Outward Foreign Affiliates Statistics - OFATS) finden Sie auf der Themenseite
der Deutschen Bundesbank.
Weitere Ergebnisse zum Luftverkehr bieten die Datenbank GENESIS-Online (Tabellen
46421) sowie die Themenseite Transport und Verkehr im Internetangebot des
Statistischen Bundesamtes.
Diese Pressemitteilung ist, gegebenenfalls ergänzt mit weiteren Informationen
und Verlinkungen zum Thema, veröffentlicht unter
www.destatis.de/pressemitteilungen.
Weitere Auskünfte:
Pressestelle
Telefon: +49 611 75 3444
www.destatis.de/kontakt
Pressekontakt:
Statistisches Bundesamt
Pressestelle
www.destatis.de/kontakt
Telefon: +49 611-75 34 44
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/32102/6375036
OTS: Statistisches Bundesamt
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