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Köln (ots) - Die Private Krankenversicherung (PKV) steht angesichts steigender
Beiträge und Gesundheitskosten erneut im Fokus. Gleichzeitig wächst die Zahl der
Versicherten. Für potenzielle Neukunden und Wechselwillige stellt sich deshalb
umso mehr die Frage, welche Anbieter langfristig finanziell solide aufgestellt
sind und zugleich mit leistungsstarken Produkten und gutem Service überzeugen.
Wie in den Vorjahren hat DFSI Ratings daher 33 marktrelevante private
Krankenversicherer hinsichtlich Substanzkraft, Produktqualität und Service
untersucht. Das wichtigste Ergebnis des aktuellen Qualitätsratings: Mit der
Gesamtnote "Sehr Gut (1,1)" belegt die Allianz erneut Platz eins. Dahinter
folgen Barmenia und Württembergische mit jeweils "Sehr Gut (1,2)".
In einem Interview mit dem "Spiegel" forderte kürzlich der Chef der Techniker
Krankenkasse (TK), Jens Baas: "Wir sollten die private Krankenversicherung (PKV)
abschaffen, die gesetzliche aber auch." Der Chef der größten gesetzlichen
Krankenversicherung plädiert damit für einen grundlegenden Umbau des
Krankenversicherungssystems, der "das Beste aus zwei Welten" verbinden soll.
Ungeachtet dieser politischen Diskussion bleibt die PKV ein bedeutender
Bestandteil des deutschen Krankenversicherungssystems.
Das zeigen auch die aktuellen Bestandszahlen. Ende 2025 waren rund 8,79
Millionen Menschen privat vollversichert, 49.700 Personen beziehungsweise 0,6
Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Noch deutlich stärker wuchs die Zahl der
Zusatzversicherungen: Sie stieg um rund 873.000 auf 32,2 Millionen Verträge, ein
Plus von 2,8 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich die betriebliche
Krankenversicherung. Ende 2025 waren rund 2,72 Millionen Beschäftigte über einen
vollständig vom Arbeitgeber finanzierten zusätzlichen Krankenversicherungsschutz
abgesichert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 10,8
Prozent. Die Zahlen zeigen: Trotz der anhaltenden Diskussion über Beiträge und
die künftige Struktur des Gesundheitssystems wächst die Bedeutung privater
Krankenversicherung in mehreren Bereichen weiter.
"Allerdings ist Wachstum allein noch keine wirtschaftliche Stärke", sagt
Sebastian Ewy, Senior Analyst und Studienleiter des DFSI. "Höhere
Beitragseinnahmen können unterschiedliche Ursachen haben: neue Kunden, einen
veränderten Produktmix oder schlicht Beitragserhöhungen. Erst zusammen mit
Leistungsausgaben, Kosten und Kapitalerträgen ergibt sich ein belastbares Bild
davon, wie wirtschaftlich solide ein Anbieter tatsächlich aufgestellt ist."
Gleichzeitig blicken viele Privatversicherte mit Sorge auf die Entwicklung ihrer
Beiträge. Der PKV-Verband rechnet zum Jahreswechsel erneut mit deutlichen
Anpassungen: Voraussichtlich rund die Hälfte der Privatversicherten erhält zum
Januar 2027 eine Beitragserhöhung, im Durchschnitt um rund 13 Prozent.
Ein wesentlicher Grund dafür sind die weiter steigenden Kosten der medizinischen
Versorgung. Das betrifft sämtliche Leistungsbereiche, von ambulanten
Behandlungen über Krankenhausleistungen bis hin zu Arzneimitteln. Allein die
Ausgaben der PKV für ambulante Arztbehandlungen stiegen 2025 um sechs Prozent
auf mehr als neun Milliarden Euro. Für allgemeine Krankenhausleistungen zahlte
die PKV fast 7,5 Milliarden Euro, knapp 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die
Ausgaben für Arzneimittel erhöhten sich um fast acht Prozent.
"Neben den allgemeinen Kostensteigerungen wirkt auch der demografische Wandel:
Die Versicherten werden im Durchschnitt älter und benötigen entsprechend mehr
medizinische Leistungen. Gleichzeitig ermöglichen neue Arzneimittel und moderne
Behandlungsmethoden immer bessere Therapien, treiben aber auch die Kosten nach
oben", erklärt DFSI-Versicherungsexperte Sebastian Ewy.
Auch die gesetzliche Krankenversicherung steht unter erheblichem Kostendruck.
"Die steigenden Gesundheitsausgaben treffen beide Systeme. Auch in der GKV
müssen sich insbesondere Gutverdiener zum Jahreswechsel auf höhere Beiträge
einstellen", erklärt Ewy. "Die aktuelle Entwicklung zeigt damit vor allem eines:
Die Finanzierung der medizinischen Versorgung wird für gesetzliche wie private
Krankenversicherer zunehmend anspruchsvoller."
"Die PKV bleibt ein leistungsfähiger Bestandteil des deutschen
Krankenversicherungssystems. Für Versicherte ist aber entscheidend, nicht allein
auf den aktuellen Beitrag oder einzelne Tarifleistungen zu schauen", sagt Ewy.
"Gerade bei einer langfristigen Entscheidung wie der privaten
Krankenversicherung spielt auch eine wichtige Rolle, wie solide und
zukunftsfähig der Versicherer selbst aufgestellt ist."
Um hier Hilfestellung zu geben, hat die DFSI Ratings GmbH, eine Ausgründung des
Deutschen Finanz-Service Instituts (DFSI) in Köln, wie schon in den vergangenen
Jahren Qualitätsratings zu den 33 marktrelevanten in Deutschland aktiven
privaten Krankenversicherern erstellt. Diese zählen mehr als 90 Prozent aller
PKV-Vollversicherten zu ihren Kunden. Für die Studie wurden bei jedem
Versicherer drei Bereiche akribisch durchleuchtet: finanzielle Substanzkraft,
Produktqualität sowie Service.
"Für Versicherungsvermittler, potenzielle Neukunden und wechselwillige
Bestandskunden bietet unser bundesweit einzigartiges Qualitätsrating eine
einfache Möglichkeit, trotz der komplexen Finanzstrukturen der privaten
Krankenversicherer zu einem klaren Urteil darüber zu gelangen, wie gut einzelne
Anbieter aufgestellt sind", erklärt DFSI-Studienleiter Sebastian Ewy. "Wir
bieten damit auf einfache Weise Orientierung und verbinden den Blick auf die
finanzielle Substanz mit Produktqualität und Service."
Die Folgen einer geringen finanziellen Substanz können dagegen ebenso gravierend
sein wie die Auswirkungen eines leistungsschwachen Tarifs. "Daher sollte vor
Abschluss unbedingt überprüft werden, ob der Versicherer auch in Jahrzehnten -
also dann, wenn Versicherte im Alter höhere Gesundheitskosten haben - die
eingegangenen Verpflichtungen höchstwahrscheinlich noch erfüllen kann", rät Ewy.
"Und das, ohne den Beitrag übermäßig erhöhen zu müssen."
Einen aussagekräftigen Hinweis darauf, ob das nach heutigem Kenntnisstand
möglich sein wird, liefert im DFSI-Qualitätsrating die Substanzkraft. Dafür wird
aus Eigenkapital, Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB), stillen
Reserven/Lasten sowie Alterungsrückstellungen eine sogenannte Substanzkraftquote
errechnet.
Daneben wird die Solvency-II-Quote als eigenständige Kennzahl bewertet, um die
aufsichtsrechtliche Kapitalstärke der Unternehmen sowie einen eventuellen
Konzernrückhalt besser abzubilden. "Sie ergänzt die Substanzkraftquote, da sie
insbesondere bei Konzernunternehmen, die regelmäßig Eigenkapital an eine
Muttergesellschaft abführen - wie etwa Allianz, AXA oder R+V - zusätzliche
Informationen über die aufsichtsrechtliche Kapitalstärke liefert", erläutert
Ewy.
Zudem wird untersucht, wie rentabel Versicherer die Gelder ihrer Kunden anlegen.
"Dafür betrachten wir die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen", erläutert Ewy,
"da die Kapitalanlageerträge ein wichtiger Faktor für die langfristige
finanzielle Stabilität eines Versicherers sind."
Auch das versicherungstechnische Ergebnis - vereinfacht gesagt der Saldo aus
Einnahmen und Ausgaben -, der Marktanteil und die Entwicklung der
Versichertenanzahl werden im DFSI-Qualitätsrating berücksichtigt.
Übrigens: In einem letzten Schritt wurden die gemeldeten Solvency-II-Quoten
rechnerisch um Übergangsmaßnahmen bereinigt. Lag die so bereinigte
Solvency-II-Quote unter 100 Prozent, wurden von der ermittelten Substanzkraft 50
Punkte abgezogen. "Das ist durchaus gerechtfertigt. Denn ohne Berücksichtigung
der Übergangsmaßnahmen liegt die Solvency-II-Quote dieser Anbieter unter 100
Prozent", erläutert Ewy. "Jedoch stellen wir trotz der jahrelang äußerst
herausfordernden Zinssituation fest, dass die Substanzkraft der von uns
untersuchten privaten Krankenversicherer in der Regel solide ist."
Und das komme letztlich auch den Produkten selbst zugute. Denn Substanzkraft und
Produktqualität stehen in einer Wechselwirkung. So könne eine schlechte
Produktgestaltung mittel- und langfristig die Finanzkraft des Versicherers
belasten. Umgekehrt könne eine geringe Finanzkraft die Spielräume bei der
Produktgestaltung einschränken.
Zur Ermittlung der Produktqualität hat DFSI Ratings auf Produkttests privater
Vollkostentarife, privater Kranken-Zusatzpolicen sowie privater
Pflegeversicherungen zurückgegriffen, die vom DFSI in den vergangenen zwölf
Monaten selbst durchgeführt wurden. Die Produktstärke fließt dabei zu 70 Prozent
in die Teilnote zur Produktqualität ein. Die Produkttransparenz - gemessen
anhand der Bereitschaft der Versicherer an Produkttests des DFSI teilzunehmen -
steuert die restlichen 30 Prozent bei.
Der Service ist der dritte Bereich der umfassenden Qualitätsbeurteilung. Ein
guter Service ist sowohl für Vermittler als auch für Versicherte ein wichtiger
Qualitätsfaktor. Als Datenbasis nutzte die DFSI Ratings GmbH hier die
BaFin-Beschwerdestatistik, die 30 Prozent zum Teilergebnis Service beitrug,
sowie DFSI-Tests zu Gesundheitsservices (70 Prozent), in denen rund 275
Leistungsmerkmale abgefragt und bewertet wurden, darunter Angebote zur
Gesundheitsvorsorge, Unterstützungsleistungen im Krankheitsfall sowie
Bonusprogramme.
In die Gesamtnote der aktuellen DFSI-Studie zur Qualität Privater
Krankenversicherer fließen dann Substanzkraft und Produktqualität mit je 40
Prozent ein, der Bereich Service mit 20 Prozent.
Bei der Teilnote "Substanzkraft" schnitt die Signal Iduna am besten ab. Dahinter
rangieren Barmenia, ARAG, UniVersa und Mecklenburgische. Sie alle erhielten die
Note "Sehr Gut (1,1)". Im Bereich "Produktqualität" kam dagegen die ARAG ganz
nach vorne. Ebenso wie sie erhielten auch Allianz, AXA und DKV die Note
"Exzellent (0,9)". Und beim "Service" errang die Allianz Platz eins - knapp vor
der DKV. Beide Anbieter erhielten in diesem Teilbereich die Note "Exzellent
(0,7)".
Beim Gesamtergebnis sicherte sich - wie schon in den Vorjahren - die Allianz mit
der Note "Sehr Gut (1,1)" Platz eins. Knapp dahinter folgen Barmenia und
Württembergische, sie erreichten jeweils die Note "Sehr Gut (1,2)". Weitere fünf
Versicherer schnitten ebenfalls "Sehr Gut" ab - jedoch in den Abstufungen 1,3
bis 1,5. Auf die Gesamtnote "Gut" kamen insgesamt 22 PKV-Anbieter. Drei Anbieter
kamen über "Befriedigend" nicht hinaus.
Mehr Informationen zu den Ergebnissen der Studie finden Sie unter
http://www.dfsi-ratings.de
DFSI Ratings ist eine Marke des Deutschen Finanz-Service Instituts GmbH (DFSI).
Das DFSI ist ein unabhängiges Analyse- und Ratinginstitut, das marktrelevante
Informationen zu Versicherern, Banken, Finanzdienstleistern und gesetzlichen
Krankenkassen sammelt, strukturiert und bewertet. Ziel ist es, komplexe
Informationen so aufzubereiten, dass Unterschiede bei Qualität, Leistung und
Leistungsfähigkeit transparent und nachvollziehbar werden.
Bei Versicherungs- und Finanzprodukten bündelt das DFSI insbesondere die
Informationen, die für Privatkunden bei ihrer Entscheidung relevant sind, und
bereitet diese in Produktratings, Leistungstests und Marktvergleichen auf. In
die Bewertungen fließen je nach Untersuchung unter anderem Daten aus Allgemeinen
Versicherungsbedingungen (AVB), Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB),
Leistungs- und Servicedaten der Anbieter sowie Preis- und Prämiendaten ein.
Seit 2008 führt das DFSI branchenweite Leistungstests zu Versicherungs- und
Finanzprodukten durch. Seit 2011 veröffentlicht DFSI Ratings zudem
Qualitätsratings zur Unternehmensqualität von Versicherern und gesetzlichen
Krankenkassen. Dabei werden finanzielle Stabilität, Leistungsfähigkeit und
Kundenorientierung aus Sicht von Privatkunden bewertet. Bonitätsratings für
Investoren oder Anleger erstellt DFSI Ratings nicht.
Mit mehr als 120 veröffentlichten Qualitätsratings erreicht DFSI Ratings die
höchste Abdeckung veröffentlichter Qualitätsratings im deutschen Markt. Die
Ratings und Studien schaffen damit eine breite Vergleichsbasis und geben
Verbrauchern, Vermittlern und Marktteilnehmern Orientierung in Märkten, deren
Produkte und Unternehmenskennzahlen häufig nur schwer unmittelbar miteinander
vergleichbar sind.
Pressekontakt:
Sebastian Ewy
Leiter Produkt- und Unternehmensratings PKV/LV
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