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Marburg (ots) - Erstes Marburger Symposium zu postinfektiösen Erkrankungen am
11. November 2026 - Mehr als zehn Millionen Euro Forschungsförderung in fünf
Jahren, interdisziplinäre Forschungsverbünde und das Zentrum für postinfektiöse
Syndrome (CEPIS) unterstreichen die wissenschaftliche Kompetenz der
Philipps-Universität Marburg, des Universitätsklinikums Gießen und Marburg
(UKGM) sowie ihrer regionalen Forschungspartner.
Am 11. November 2026 wird Marburg zum Treffpunkt internationaler Forschung zu
postinfektiösen Erkrankungen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
Ärztinnen und Ärzte sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik,
Gesundheitswesen und Betroffenenorganisationen kommen zum ersten Marburger
Symposium zu Long COVID, Post-Vac-Syndrom und Myalgischer
Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) zusammen. Die hybride
Veranstaltung widmet sich aktuellen Erkenntnissen über die
Krankheitsmechanismen, neuen diagnostischen und therapeutischen
Forschungsansätzen sowie der Frage, wie wissenschaftliche Fortschritte schneller
in eine bedarfsgerechte Patientenversorgung überführt werden können.
Fünf Jahre interdisziplinäre Forschung in Marburg
Ausgehend von klinischen Beobachtungen während der COVID-19-Pandemie haben die
Philipps-Universität Marburg und das Universitätsklinikum Gießen und Marburg
(UKGM) seit 2020 umfangreiche interdisziplinäre Forschungsaktivitäten zu
postinfektiösen Erkrankungen aufgebaut. Forschende aus Innerer Medizin,
Infektionsmedizin, Neurowissenschaften, Physiologie, Impfstoffforschung,
Biochemie, Bioinformatik und künstlicher Intelligenz untersuchen gemeinsam die
bislang nur unzureichend verstandenen Krankheitsmechanismen von Long COVID und
ME/CFS. Diese Aktivitäten werden unter anderem im Zentrum für postinfektiöse
Syndrome (CEPIS) gebündelt und sind in nationale und internationale
Forschungsnetzwerke eingebunden, darunter die Deutschen Zentren der
Gesundheitsforschung und das Netzwerk Universitätsmedizin. In den vergangenen
fünf Jahren konnten für die beteiligten Forschungsaktivitäten mehr als 10
Millionen Euro an Fördermitteln von Bund, Ländern und der Europäischen Union
eingeworben werden. Die Zusammenarbeit mit Einrichtungen zur Erforschung
seltener und unerkannter Erkrankungen ergänzt die klinische und
wissenschaftliche Expertise.
Hohe Krankheitslast bei begrenzten Behandlungsmöglichkeiten
Trotz erheblicher Forschungsanstrengungen bleibt die Versorgung von Menschen mit
Long COVID und ME/CFS eine große medizinische und gesellschaftliche
Herausforderung. In Deutschland sind vermutlich mehrere Hunderttausend Menschen
von den anhaltenden gesundheitlichen Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion
betroffen. Aufgrund unterschiedlicher Krankheitsdefinitionen und einer
unvollständigen Erfassung lässt sich die Zahl der aktuell Erkrankten bislang
nicht zuverlässig bestimmen. Nach einer Bestandsaufnahme des Robert
Koch-Instituts aus dem Jahr 2026 werden in epidemiologischen Studien bei etwa
10-15 % der Erwachsenen nach einer SARS-CoV-2-Infektion länger anhaltende
Beschwerden beschrieben.¹
Long COVID und ME/CFS können mit ausgeprägter körperlicher und kognitiver
Erschöpfung, Belastungsintoleranz, autonomen Funktionsstörungen und
Schlafstörungen einhergehen. Für ME/CFS ist insbesondere die postexertionelle
Malaise (PEM) charakteristisch, eine Verschlechterung der Beschwerden nach
bereits geringer körperlicher oder geistiger Belastung. Schwere
Krankheitsverläufe können die Erwerbsfähigkeit, das Familienleben und die
gesellschaftliche Teilhabe über Jahre hinweg erheblich einschränken.
Die biologischen Ursachen sind bislang nur teilweise aufgeklärt. Allgemein
validierte, krankheitsspezifische Biomarker für die klinische Routinediagnostik
fehlen ebenso wie hinreichend belegte, ursächlich wirksame Therapien. Die
Behandlung konzentriert sich daher auf differenzierte Diagnostik,
symptomorientierte Maßnahmen und die Vermeidung krankheitsbedingter
Verschlechterungen. Für viele Betroffene bleiben lange diagnostische Wege und
ein unzureichender Zugang zu spezialisierter Versorgung bestehen.
Von der klinischen Beobachtung zur gezielten Therapie: Der Marburger
Forschungsansatz
Ein Schwerpunkt der Marburger Forschung ist die systematische Verknüpfung
klinischer Beobachtungen mit molekularbiologischen, immunologischen und
metabolischen Untersuchungen sowie mit datenwissenschaftlichen Analyseverfahren.
Ziel ist es, die biologischen Grundlagen unterschiedlicher Krankheitsverläufe zu
identifizieren, Patientengruppen anhand klinischer und molekularer Merkmale
differenzierter zu charakterisieren und daraus überprüfbare diagnostische und
therapeutische Ansätze abzuleiten.
Im Mittelpunkt stehen mögliche Wechselwirkungen zwischen dem Immunsystem, der
Gefäßfunktion, dem Stoffwechsel und der neuroendokrinen Regulation. Die
Zusammenführung klinischer Patientendaten mit experimentellen Analysen soll
dabei helfen, krankheitsrelevante Signalwege und potenzielle Biomarker zu
identifizieren. Langfristig könnte dies die Grundlage für eine stärker
individualisierte Diagnostik und zielgerichtete Behandlungsstrategien schaffen.
Große Forschungsverbünde wie MIRACLE zur Erforschung von ME/CFS, PROGRESS zur
Weiterentwicklung der Long-COVID-Versorgung, SYMPTOM-AI zur KI-gestützten
Analyse komplexer Krankheitsbilder sowie das neu geförderte Projekt VITAL
spiegeln die Breite dieser Aktivitäten wider. Hinzu kommen Kooperationen mit der
Justus-Liebig-Universität Gießen und der Technischen Hochschule Mittelhessen,
die Beteiligung am bundesweiten LongCARE-Forschungsverbund und am Netzwerk
Universitätsmedizin sowie europäische Kooperationen in der Impfstoffforschung,
unter anderem im Zusammenhang mit dem EU-Vaccine-Hub.
Versorgungsforschung: Wissenschaftliche Erkenntnisse in die medizinische Praxis
übertragen
Neben der biologischen Grundlagenforschung bildet die Versorgungsforschung einen
eigenständigen Schwerpunkt. Denn neue wissenschaftliche Erkenntnisse können die
Situation der Betroffenen nur dann verbessern, wenn sie klinisch überprüft und
in geeignete Versorgungsstrukturen integriert werden. Mit spezialisierten
Ambulanzen, standardisierten klinischen Untersuchungsalgorithmen und der
Hessischen Netzwerkkoordinationsstelle für Post-COVID wurden in Marburg
frühzeitig Strukturen geschaffen, die Patientenversorgung, systematische
Datenerhebung und wissenschaftliche Evaluation miteinander verbinden.
Ein besonderes Augenmerk gilt der Zusammenarbeit zwischen hausärztlichen Praxen,
spezialisierten Ambulanzen und universitären Forschungseinrichtungen. Im Rahmen
des Projekts PROGRESS werden Versorgungsprozesse untersucht und praxisnahe
Konzepte entwickelt, um diagnostische Verzögerungen zu reduzieren,
Krankheitsverläufe systematischer zu erfassen und die kontinuierliche Betreuung
zu verbessern.
Der translationale Ansatz des CEPIS verbindet damit drei zentrale Aufgaben:
Krankheitsmechanismen zu verstehen, diagnostische und therapeutische Strategien
wissenschaftlich zu überprüfen und neue Erkenntnisse für eine breitere
Patientenversorgung nutzbar zu machen.
Ein Symposium für Wissenschaft, Medizin und Gesellschaft
Das internationale Post-COVID- und ME/CFS-Symposium findet am Mittwoch, dem 11.
November 2026, von 9 bis 17 Uhr im Auditorium des Universitätsklinikums Marburg
statt. Es findet im Rahmen der etablierten wissenschaftlichen
Veranstaltungsreihe "Von der Inflammation zur Innovation" statt.
"Das Symposium richtet sich bewusst an ein breites Publikum. Studierende,
Forschende, Betroffene sowie ärztliche Kolleginnen und Kollegen sind eingeladen,
sich über aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen zu informieren und
miteinander ins Gespräch zu kommen", erklärt Prof. Dr. Bange, Vizepräsident für
Forschung der Philipps-Universität Marburg.
"Unser Ziel ist es, die Lücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und
klinischer Versorgung zu verkleinern", betont Prof. Dr. Bernhard Schieffer,
Organisator des Symposiums. "Wir müssen verstehen, welche biologischen
Mechanismen postinfektiöse Erkrankungen auslösen und aufrechterhalten und
weshalb sich so unterschiedliche Krankheitsverläufe entwickeln. Daraus wollen
wir gezielte diagnostische und therapeutische Ansätze ableiten und
wissenschaftlich überprüfen. Gleichzeitig müssen diese Erkenntnisse die
Betroffenen erreichen. Deshalb verbinden wir in Marburg molekulare
Grundlagenforschung und klinische Untersuchungen mit der Entwicklung neuer
Versorgungsmodelle. Angesichts der hohen gesellschaftlichen Krankheitslast ist
dies nicht nur eine medizinisch-wissenschaftliche, sondern auch eine
gesundheitspolitische Aufgabe."
Wissenschaftliche Erkenntnisse und gesundheitspolitischer Dialog
Das Symposium verbindet internationale wissenschaftliche Expertise mit
klinischer Erfahrung und gesundheitspolitischer Diskussion. In Keynote Lectures
präsentieren nationale und internationale Fachleute aktuelle Erkenntnisse zu
immunologischen, neurobiologischen und metabolischen Mechanismen postinfektiöser
Erkrankungen sowie mögliche Ansätze für Diagnostik und Therapie.
Am Nachmittag stellen die beteiligten Forschungsverbünde ihre Arbeiten in
kompakten Rapid-Fire-Vorträgen vor. Eine Poster-Session bietet insbesondere
jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter Forschenden aus dem
bundesweiten LongCARE-Netzwerk, die Gelegenheit zum interdisziplinären
Austausch.
Ein Höhepunkt ist die Podiumsdiskussion "Lücken in der Versorgung, Hürden in der
wissenschaftlichen Entwicklung, Handlungsempfehlungen". Mit Tanja Raab-Rhein,
Schirmherrin der hessischen Zentren für seltene und unerkannte Erkrankungen, Dr.
Francesco De Meo, ehemaliger CEO der Helios Kliniken und selbst Betroffener,
Stefanie von Wietersheim, Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sowie
Martin Till von der BARMER Hessen kommen unterschiedliche Perspektiven aus dem
Gesundheitswesen, den Medien und der Erfahrung mit der Erkrankung zusammen.
Diskutiert werden strukturelle Defizite in der Versorgung, Herausforderungen bei
der Entwicklung und klinischen Prüfung neuer Therapien sowie die notwendigen
gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen. Eine besondere Rolle spielt dabei die
hausärztliche Versorgung: Hausärztinnen und Hausärzte sind für viele Betroffene
die ersten und langfristig wichtigsten medizinischen Ansprechpartner. Ihre
Vernetzung mit spezialisierten Einrichtungen ist deshalb eine wesentliche
Voraussetzung für eine kontinuierliche und bedarfsgerechte Betreuung.
Von der Inflammation zur Innovation
Das Marburger Symposium soll den wissenschaftlichen Austausch fördern und
Perspektiven für die künftige Erforschung und Versorgung postinfektiöser
Erkrankungen aufzeigen. Entscheidend ist dabei die Verbindung von
Grundlagenforschung, klinischer Medizin, digitalen Technologien und
Versorgungswissenschaft. Neue Erkenntnisse über Krankheitsmechanismen müssen in
diagnostische und therapeutische Konzepte überführt, klinisch validiert und
schließlich in tragfähige Versorgungsstrukturen integriert werden.
Mit dem ersten Marburger Symposium zu Long COVID, Post-Vac-Syndrom und ME/CFS
unterstreicht der Forschungsstandort Marburg seinen Anspruch, wissenschaftliche
Erkenntnisse und klinische Versorgung enger miteinander zu verbinden und damit
zur Verbesserung der medizinischen Betreuung von Menschen mit postinfektiösen
Erkrankungen beizutragen.
Veranstaltungshinweise
Internationales Post-COVID & ME/CFS Symposium
Datum: Mittwoch, 11. November 2026
Uhrzeit: 9:00-17:00 Uhr
Ort: Auditorium des Universitätsklinikums Marburg, Baldingerstraße, 35043
Marburg
Teilnahme: In Präsenz oder online, kostenfrei, Anmeldung erforderlich
Anmeldung und Programm: Veranstaltungen - Universitätsklinikum Giessen und
Marburg (https://www.ukgm.de/ugm_2/deu/umr_kar/umr_kar_cal.php)
Kontakt: Hessische postCOVID und ME/CFS Netzwerkkoordinationsstelle:
mailto:Info-PostCovid.MR@uk-gm.de
Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind zur Berichterstattung eingeladen.
Möglichkeiten für wissenschaftliche Hintergrundgespräche und Interviews mit den
beteiligten Expertinnen und Experten können im Vorfeld mit dem Organisationsteam
abgestimmt werden.
¹ Nübel J et al. Long COVID bei Erwachsenen - eine aktuelle Bestandsaufnahme der
gesundheitlichen Langzeitfolgen nach SARS-CoV-2-Infektion. Journal of Health
Monitoring. 2026;11:02. doi: https://doi.org/10.25646/13576 .
Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM)
(https://www.ukgm.de/home.html) mit seinen 86 Kliniken und Instituten an den
beiden Standorten Gießen und Marburg ist das drittgrößte Universitätsklinikum
Deutschlands. Seit Februar 2006 trägt die RHÖN-KLINIKUM AG
(https://www.rhoen-klinikum-ag.com/) zu 95 Prozent die Verantwortung als
Betreiber dieses privatisierten Universitätsklinikums. http://www.ukgm.de/
Pressekontakt:
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM)
Thomas Steiner | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
T. +49 6421 58 - 68038 | mailto:thomas.steiner@uk-gm.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/109212/6376036
OTS: RHÖN-KLINIKUM AG
ISIN: DE0007042301
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