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Essen/Berlin (ots) - Tomas Cabanis, Stefan Seitz, Roderich Trapp und Jörn
Koldehoff sind die Gewinner des vom Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen
(BVDA) ausgeschriebenen und mit 5.000 Euro dotierten Durchblick-Preises 2026.
Die Jury würdigte damit das von der Wuppertaler Rundschau zur richtungsweisenden
Oberbürgermeister-Stichwahl zwischen Miriam Scherff (SPD) und Matthias Nocke
(CDU) organisierte, zweistündige "OB-Duell" mit Publikum. Das Projekt zeige, wie
Lokalmedien politische Auseinandersetzungen begleiten und den direkten Austausch
zwischen Kandidierenden und Bürgerschaft ermöglichen können.
Platz zwei (3.000 Euro) ging anlässlich der BVDA-Jahrestagung heute in Essen an
die Rheinischen Anzeigenblätter nach Köln. Mit der Serie "80 Jahre Kriegsende"
erinnerten Lars Kindermann und weitere Kolleginnen und Kollegen an die
Kriegsereignisse im Frühjahr 1945, als die alliierten Streitkräfte auf ihrem Weg
nach Köln durch das heutige Verbreitungsgebiet im Rhein-Erft-Kreis vorrückten.
Dafür sprachen sie mit Stadtarchivaren, kommunalen Geschichtsvereinen und
Lokalhistorikern. So machten sie ein bedeutendes Kapitel der Geschichte anhand
lokaler Schauplätze und persönlicher Perspektiven für die Leserinnen und Leser
greifbar.
Den mit 2.000 Euro dotierten dritten Platz sprach die Jury Miriam Dabitsch
(FUNKE Anzeigenblätter in NRW) zu. Mit ihrem Beitrag "Vier Jahre im Todesbunker
von Volmarstein" habe sie sich einem schwierigen Thema gewidmet, das viele
andere lieber ausblenden würden, würdigte die Jury. Dabitsch erzählt in ihrem
Beitrag die Geschichte von Thomas Frauendienst, der in einem Heim schweres Leid
erfahren hat.
Der BVDA vergibt bereits zum 21. Mal den Durchblick-Medienpreis für
herausragende publizistische Leistungen der Anzeigenblattverlage. 2026 wurde die
Würdigung neu ausgerichtet und stellt die publizistische Qualität und
gesellschaftliche Relevanz kostenloser Wochenzeitungen eindeutig in den
Mittelpunkt. Neu ist auch die Dotierung der Auszeichnungen, die dank des
Sponsors HAIBERG möglich wurde.
BVDA-Ehrenpräsident Alexander Lenders sagt dazu: "Damit rücken wir die
publizistische Qualität und die gesellschaftliche Relevanz unserer kostenlosen
Wochenzeitungen noch stärker in den Fokus. Zugleich setzen wir ein klares Signal
an Öffentlichkeit, Politik und Werbewirtschaft: Unsere Medien leisten einen
wichtigen Beitrag zu Information, Orientierung und gesellschaftlichem
Zusammenhalt."
Wiebke Möhring: In "Nachrichtenwüsten" sinkt die Leistungsfähigkeit der
Zivilgesellschaft - oder warum Lokaljournalismus wichtig ist
Beim Durchblick-Preis des BVDA werden unter anderem Engagement und
journalistischer Content für die lokale Community geehrt. Um lokalen
Journalismus ging es zuvor auch schon in einem Expertenvortrag von Prof. Dr.
Wiebke Möhring . Die Medienwissenschaftlerin von der TU Dortmund zeigte auf,
dass lokale Nachrichten ein wichtiges Bedürfnis nach sozialer Orientierung vor
Ort erfüllen und helfen, gesellschaftliche Komplexität zu reduzieren.
Untersuchungen zufolge interessiere mehr als 80 % der Menschen an lokalen
Nachrichten aus der Gegend interessiert sei, davon 48 % "äußerst und sehr".
Auffällig sei, dass das Interesse an lokaler Information mit zunehmendem
Lebensalter wachse. Unter typischen Nachrichten-Themen wie Politik,
Internationales, Umwelt/Klimawandel, Kriminalität/Sicherheit oder
Wissenschaft/Technologie sei das Lokale mit insgesamt 59 % Interesse führend.
"Die Nutzung lokaler Nachrichten hängt positiv mit erlebter sozialer Integration
zusammen und mit zivilgesellschaftlicher Aktivität - zum Beispiel der
Mitgliedschaft in Vereinen oder Teilnahme an lokalen Initiativen", erklärte
Möhring. Lokale Nachrichten seien zudem die wichtigste Informationsquelle über
kommunale Politik, und öffentliches Handeln von Amtsträgern. Damit leiste
Lokaljournalismus durch Transparenz und Kontrolle einen entscheidenden Beitrag
zur Demokratie in der Gemeinde.
Was geschieht, wenn lokale Presse fehlt, verdeutlichte Möhring anhand
wissenschaftlicher Studien: In Gebieten ohne Lokalzeitungen und kostenlose
Wochenzeitungen sinkt die Qualität ortsbezogener Informationen; Gemeinsinn und
Zugehörigkeit werden geschwächt; Gesetzesverstöße und Korruption nehmen zu und
die Qualität politischer Arbeit leidet. Kurz: In "Nachrichtenwüsten" sinkt die
Leistungsfähigkeit der Zivilgesellschaft.
David Schraven: Der Einsatz von KI führt zum "Raubmordkopier-Effekt"
Vor dem unbedachten Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) warnte David
Schraven (Correctiv). Seine These: Die traditionellen Medien werden durch Social
Media zunehmend abhängig - und sie werden von ihrem Publikum immer stärker
abgeschnitten. Mit dem Versprechen, eine "immer noch tollere Reichweite zu
kriegen, hat man uns dazu gebracht, dass wir enorm viel Geld in soziale Medien
investieren", und zwar ohne, dass Geld zurückfließe. "Früher wurden wir
'raubkopiert' von den sozialen Medien, zugegeben mit unserer Mithilfe. Heute
werden wir 'raubmordkopiert'", kritisiert Schraven.
Er macht deutlich, dass wir "nicht viele Wege haben, wie wir unser Publikum noch
erreichen können". So sei es bisher theoretisch möglich gewesen, das Publikum
über die Telefonnummer zu erreichen. Nun schafften die Sozialmedienbetreiber
über ihre Messengerdienste die Telefonnummern ab und ersetzten diese durch
Nutzernamen. Damit gehe der direkte Kontakt verloren.
Ganz ähnlich sehe es bei Geschäftsmodellen aus, die über Newsletter
funktionieren, "also den zweiten Kontaktpunkt, den wir zu unserem Publikum
haben, die E-Mail-Adresse. Jetzt macht die KI aus den Newslettern
Zusammenfassungen und verhindert damit, dass wir unsere Information direkt an
unsere Nutzer bringen können." Der Effekt: sinkende Öffnungsraten und damit
weniger Erlöse.
"Das letzte, womit wir arbeiten können, sind die Postadressen der Haushalte. Die
kann uns keiner nehmen", ermutigt Schraven zugleich. Damit habe die Branche
"enorme Chancen". Statt den Betreibern der großen Plattformen "noch mehr Geld in
den Rachen zu werfen" und zu versuchen, sich in deren "Algorithmen einzusliden",
sollten die Medien ihre Kernfunktion erfüllen: Erlebnisse und Gemeinschaft für
die Medien vor Ort schaffen. Schravens Überzeugung: "Wenn wir relevante Themen
auf interessante Art und Weise für ein Publikum erlebbar machen, passieren
Dinge."
Fotos von der Preisverleihung stehen hier (https://deu01.safelinks.protection.ou
tlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.bvda.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FBVDA-Tagung_20
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Bernd Brundert).
Pressekontakt:
Sebastian Schaeffer
Geschäftsführer im BDZV für den
Bereich Kostenlose Wochenzeitungen
Tel.: 030/726298-2824
Mail: mailto:presse@bvda.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/55849/6379719
OTS: Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen e.V. (BVDA)
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