|
Berlin/Stuttgart (ots) - Die organisierte Zivilgesellschaft in Deutschland ist
trotz vielfältiger Herausforderungen bemerkenswert widerstandsfähig und
zukunftsorientiert. Das zeigt das erstmals veröffentlichte Zuversichtsbarometer
der Robert Bosch Stiftung . Für die bundesweite Erhebung befragte forsa
bundesweit 754 Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen, Stiftungen und anderen
gemeinnützigen Organisationen. Sie engagieren sich in einem breiten Spektrum
gesellschaftlicher Themenfelder, darunter Wohlfahrt, Bildung, Umwelt, Kultur und
Sport.
Mit Blick auf die Zukunft ihrer eigenen Organisation zeigen sich die Befragten
überwiegend optimistisch: 72 Prozent blicken insgesamt zuversichtlich nach vorn.
Diese Zuversicht speist sich vor allem aus den eigenen Erfahrungen und
Ressourcen: 94 Prozent nennen das Engagement ihrer Mitarbeitenden und
Ehrenamtlichen als wichtigste Quelle der Ermutigung. Positive Rückmeldungen der
Zielgruppen (92 Prozent) sowie konkrete Erfolge und die sichtbare Wirkung der
eigenen Arbeit (90 Prozent) stärken ebenfalls das Vertrauen in die Zukunft.
Finanzierungfragen, Personalmangel, Polarisierung und Anfeindungen belasten
Organisationen
Das Zuversichtsbarometer zeigt jedoch auch, dass die Rahmenbedingungen für das
zivilgesellschaftliche Engagement anspruchsvoll sind. Neben strukturellen
Problemen wie Bürokratie und hohem Verwaltungsaufwand (73 %), unsicherer
Finanzierung (64 %) und Personalmangel sowie Überlastung der Mitarbeitenden (60
%) erschweren auch gesellschaftliche Entwicklungen die Arbeit vieler
Organisationen. Fast die Hälfte der Befragten (46 %) nennt die zunehmende
gesellschaftliche Polarisierung als Belastung für die tägliche Arbeit. Mehr als
jede zweite Organisation (54 %) nimmt zudem eine mangelnde politische
Unterstützung wahr. 16 Prozent berichten von einer Belastung durch direkte
Anfeindungen oder Hass gegenüber der eigenen Organisation oder einzelnen
Mitwirkenden.
"Zivilgesellschaftliche Akteure leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den
gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie zeigen Mut, Verantwortung und
Gestaltungswillen und stärken damit das Gemeinwohl. Ihr Optimismus ist eine gute
Nachricht", sagt Ottilie Bälz, Leiterin des Fördergebiets Globale Fragen der
Robert Bosch Stiftung. Gleichzeitig wachse der Druck auf zivilgesellschaftliche
Akteure. Die Zivilgesellschaft sei enorm breit aufgestellt: Während große
Wohlfahrtsverbände meist stabil arbeiten, stünden kleinere Initiativen, die sich
vor Ort gegen Extremismus und Hass engagieren, vor spürbar raueren Bedingungen.
Bälz fordert: "Damit sie ihre Rolle langfristig ausfüllen können, brauchen sie
verlässliche Strukturen. Das gilt besonders dort, wo staatliche Förderung
wegbricht oder Organisationen unter gesellschaftlichen und politischen Druck
geraten. Eine starke Demokratie braucht eine handlungsfähige und unabhängige
Zivilgesellschaft."
Verlässliche Strukturen und Rechtssicherheit sichern gesellschaftlichen
Zusammenhalt
Zu den Voraussetzungen für eine starke Zivilgesellschaft gehören neben
langfristigen Förder- und Unterstützungsangeboten auch klare rechtliche
Rahmenbedingungen. Sie ermöglichen Organisationen, sich wirksam in
gesellschaftliche Debatten einzubringen, demokratische Teilhabe zu fördern und
ihre Expertise in politische Entscheidungsprozesse einzuspeisen. "Eine
Modernisierung des Gemeinnützigkeitsrechts ist notwendig, damit
zivilgesellschaftliche Organisationen mehr Rechtssicherheit für ihr
gesellschaftspolitisches Engagement erhalten", fordert Ottilie Bälz.
Um finanzielle Unsicherheiten und politischen Druck abzufedern, brauche es
darüber hinaus starke Partnerschaften für die Demokratie. Vor diesem Hintergrund
wurde der Deutsche Fonds für Demokratie im Frühjahr 2026 ins Leben gerufen. Er
unterstützt Organisationen, die durch den Wegfall von Fördermitteln oder
politische Repression unter Druck geraten sind, insbesondere nach den
Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Die Robert Bosch
Stiftung beteiligt sich als erste Stiftung am Fonds und stellt hierfür 800.000
Euro bereit. Gefördert werden unter anderem Personal-, Miet- und
Infrastrukturkosten, um die Handlungsfähigkeit demokratischer Initiativen vor
Ort direkt zu sichern.
Über das Zuversichtsbarometer
Die Robert Bosch Stiftung legt erstmals eine bundesweite Bestandsaufnahme zur
Zukunftserwartung zivilgesellschaftlicher Organisationen in Deutschland vor.
Ziel der Befragung ist es, sichtbar zu machen, welche Herausforderungen
Organisationen wahrnehmen, welche Faktoren ihre Zuversicht stärken und wie sie
ihre künftige Handlungsfähigkeit einschätzen.
Im Auftrag der Robert Bosch Stiftung befragte forsa bundesweit 754
Vertreterinnen und Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen, darunter
eingetragene Vereine (e. V.), Stiftungen und gemeinnützige GmbHs (gGmbHs). Die
Erhebung wurde vom 10. August bis 4. September 2026 mittels computergestützter
Telefoninterviews (CATI) durchgeführt.
Über die Robert Bosch Stiftung:
Die Robert Bosch Stiftung ist eine der großen Stiftungen in Europa.
Gemeinnützig, unabhängig und überparteilich setzt sie sich dafür ein, dass
Menschen in Würde, Frieden und Freiheit leben. Im Sinne von Robert Bosch
arbeitet die Stiftung in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Globale Fragen.
Ziel ist es, tragfähige Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit zu
finden - von chancengerechter Bildung und menschenzentrierter
Gesundheitsversorgung bis zum Umgang mit dem Klimawandel, der menschenwürdigen
Gestaltung von Migration, einem starken Miteinander in unserer Demokratie sowie
wirksamer lokaler Friedensarbeit.
Die Stiftung unterhält eigene Einrichtungen und fördert Projekte im In- und
Ausland. Weltweit arbeitet sie dabei mit rund 400 Partnerorganisationen
zusammen. Ihre Erkenntnisse bringt sie aktiv in die öffentliche Debatte ein.
Die Stiftung hält rund 94 Prozent der Geschäftsanteile an der Robert Bosch GmbH
und finanziert sich aus deren Dividende. Unternehmen und Stiftung handeln
unabhängig voneinander. Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 hat die Robert Bosch
Stiftung GmbH mehr als 2,7 Milliarden Euro für ihre gemeinnützige Arbeit
bereitgestellt.
http://www.bosch-stiftung.de
Pressekontakt:
Stefanie Kaufmann Dimeski
Pressereferentin
Robert Bosch Stiftung
mailto:Stefanie.KaufmannDimeski@bosch-stiftung.de
Tel. +49 30 220025-312
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/100848/6383684
OTS: Robert Bosch Stiftung GmbH
|