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ARD-DeutschlandTREND: Breites Verständnis für Anliegen der jungen Generation
Die Protestaktionen junger Menschen finden mehrheitlich Rückhalt in der
Bevölkerung. 73 Prozent äußern Verständnis für das Anliegen der Proteste, 22
Prozent haben kein Verständnis. Diese Zustimmung zeigt sich über alle
Altersgruppen hinweg. Das hat eine repräsentative Umfrage von infratest dimap
unter 1.297 Wahlberechtigten für den ARD-DeutschlandTREND von Montag bis
Mittwoch dieser Woche ergeben.
Hinter den Protesten steht auch der Vorwurf, die Politik nehme die Interessen
junger Menschen nicht ausreichend wahr. 82 Prozent sind aktuell der Auffassung,
dass die Anliegen von jungen Menschen von der Politik in Deutschland weniger gut
bzw. schlecht berücksichtigt werden, 13 Prozent sind anderer Meinung. Auch in
dieser Frage sind sich die unterschiedlichen Altersgruppen weitgehend einig.
Bei der Frage, welchen Parteien sie am ehesten zutrauen, sich für ihre Belange
einzusetzen, richtet sich der Blick der jüngeren Generation vor allem auf die
Linke und die AfD. Dass sie sich für die Belange junger Menschen einsetzen,
trauen die 18- bis 34-Jährigen am ehesten der Linken (29 Prozent) und der AfD
(21 Prozent) zu, weniger der Union (5 Prozent), der SPD (3 Prozent) oder den
Grünen (12 Prozent). Die wahlberechtigte Bevölkerung insgesamt sieht die
Kompetenz für die Belange junger Menschen am ehesten bei den Grünen (18
Prozent), der AfD (18 Prozent) und den Linken (15 Prozent).
Auch bei konkreten politischen Aufgaben sehen die 18- bis 34-Jährigen die
Kompetenz vor allem bei der AfD und der Linken. In der Bildungspolitik halten 18
Prozent die AfD und 20 Prozent die Linke für kompetent. Bei der Aufgabe,
bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sehen 32 Prozent der 18- bis 34-Jährigen die
Kompetenz am ehesten bei der Partei die Linke, 19 Prozent bei der AfD. Beim
Thema soziale Gerechtigkeit liegt die Kompetenz aus Sicht der Jüngeren vor allem
bei der Linken mit 32 Prozent. Es folgen die SPD mit 17 Prozent und die AfD mit
14 Prozent.
Die regierenden Parteien Union und SPD können in diesen Politikfeldern vor allem
bei den über 65-Jährigen punkten. Eine gute Umwelt- und Klimapolitik zu
betreiben bleibt nach Ansicht der Bevölkerung Kernkompetenz der Grünen, 40
Prozent trauen der Partei am ehesten zu, diese Aufgabe zu lösen.
Bemerkenswert ist, dass in allen abgefragten Politikfeldern jeweils rund ein
Fünftel der Befragten keiner Partei zutraut, die entsprechende Aufgabe zu lösen.
Eine zentrale Forderung der Protestaktionen ist die Ablehnung einer Wehrpflicht.
Seit Januar 2026 gilt die Regelung, dass alle jungen Männer ab dem
Geburtsjahrgang 2008 gemustert werden und verpflichtend einen Fragebogen
ausfüllen müssen. 64 Prozent der Befragten halten diese Regelung für richtig.
Unter den 18- bis 34-Jährigen bewertet mit 48 Prozent eine relative Mehrheit die
Neuregelung des Wehrdienstes als richtig, 42 Prozent halten sie für falsch. Der
Wehrdienst bleibt nach der aktuellen Regelung freiwillig.
Der ARD-DeutschlandTREND im November zeigt zugleich, wo die Bevölkerung die
Grenzen legitimen Protests zieht. Die Teilnahme an einer angemeldeten
Demonstration halten 89 Prozent für gerechtfertigt, um den eigenen politischen
Standpunkt zur Geltung zu bringen. Gewalt gegen Personen oder Sachen als
Ausdruck eines politischen Standpunkts trifft dagegen nahezu einhellig auf
Ablehnung: 95 Prozent halten sie für nicht gerechtfertigt. Gering ist die
Zustimmung auch dann, wenn Protestaktionen unmittelbar in den Alltag anderer
Menschen eingreifen. 65 Prozent lehnen eine zeitweise Blockierung von Straßen
und Verkehr ab. 66 Prozent halten die vorübergehende Besetzung von Einrichtungen
wie Schulen, Universitäten oder Ämtern für nicht gerechtfertigt.
Dass es die heutige junge Generation schwerer hat als frühere Generationen,
eigenen Wohlstand aufzubauen, findet in den unterschiedlichen Altersgruppen
überwiegend Zustimmung. Die 18- bis 34-Jährigen stimmen dieser Aussage jedoch
stärker zu (72 Prozent) als die übrigen Altersgruppen. Insgesamt stimmen der
Aussage aktuell 58 Prozent zu, 36 sind anderer Auffassung. Dennoch ist eine
leichte Mehrheit der Bevölkerung der Auffassung, dass es in Deutschland jeder
durch Fleiß und Leistung zu Wohlstand bringen kann, 54 Prozent stimmen dieser
Aussage zu. Eine Ausnahme bilden die 18- bis 34-Jährigen: In dieser Altersgruppe
stimmt eine Mehrheit (55 Prozent) dieser Aussage nicht zu. Bei der Frage, ob die
heutige junge Generation in Deutschland größere Krisen zu bewältigen hat als
frühere Generationen, zeigen sich die Deutschen uneinig: 47 Prozent stimmen dem
eher zu, 45 Prozent eher nicht.
Befragungsdaten
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte ab 18 Jahren in Deutschland
Fallzahl: 1.297 Befragte
Erhebungszeitraum: 2. November bis 4. November 2026
Erhebungsverfahren: Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung
Schwankungsbreite: 2* bis 3** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 10% ** bei einem Anteilswert von 50%
Die Fragen im Wortlaut:
Welcher Partei in Deutschland trauen Sie am ehesten zu, diese Aufgaben zu lösen?
Eine gute Schul- und Bildungspolitik betreiben, für soziale Gerechtigkeit
sorgen, für bezahlbaren Wohnraum sorgen, eine gute Umwelt- und Klimapolitik
betreiben, sich für die Belange junger Menschen einsetzen
Wie gut werden aus Ihrer Sicht die Anliegen von jungen Menschen von der Politik
in Deutschland berücksichtigt? Sehr gut, gut, weniger gut, schlecht
Am Wochenende hatte die Initiative "Gen Z regelt" in Deutschland zu
Jugend-Protesten aufgerufen, um auf die Situation im Schul- und Bildungssystem,
hohe Lebenskosten und steigende Mieten aufmerksam zu machen und gegen die
Wiedereinführung der Wehrpflicht zu protestieren. Haben Sie Verständnis für
diese Anliegen? Verständnis, kein Verständnis
Bitte geben Sie zu den folgenden Aktionen an, ob diese Ihrer Meinung nach
gerechtfertigt sind oder nicht, um bei den Jugend-Protesten seinen politischen
Standpunkt zur Geltung zu bringen.
An genehmigten Demonstrationen teilnehmen
Straßen und Verkehr zeitweise blockieren
Einrichtungen wie etwa Schulen, Universitäten oder Ämter vorübergehend besetzen
Bei Demonstrationen Gewalt gegen Personen oder Sachen anwenden
Seit dem Jahreswechsel gibt es in Deutschland eine neue Regelung zum Wehrdienst.
Jeder kann aktuell entscheiden, ob er freiwillig Wehrdienst leistet oder nicht.
Zugleich werden alle jungen Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 wieder gemustert
und verpflichtet, einen Fragebogen zur Motivation und Eignung auszufüllen.
Halten Sie diese Neuregelung des Wehrdienstes für richtig oder für falsch?
Geben Sie bitte zu den folgenden Aussagen an, ob Sie ihnen eher zustimmen oder
nicht.
Die heutige junge Generation in Deutschland hat es schwerer als frühere
Generationen, eigenen Wohlstand aufzubauen
Die heutige junge Generation in Deutschland hat größere Krisen zu bewältigen als
frühere Generationen.
Durch Fleiß und Leistung kann es jeder in unserem Land zu Wohlstand bringen.
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Pressekontakt:
WDR Kommunikation
Tel. 0221 220 7100
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OTS: ARD Das Erste
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