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Jeder Euro Kulturförderung bringt über 3,50 Euro zurück, insgesamt bis zu 4,65 Milliarden Euro für Berlin. IKTf-Studie belegt: Kulturförderung zahlt sich aus, Kultur ist unverzichtbarer Standortfaktor

29.06.2026 13:05 Uhr Institut für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTf)

Berlin (ots) - Welche Wirkungen hat öffentliche Kulturförderung über den Kultursektor hinaus? Mit der Studie "Kultur als Standortfaktor in Berlin" legt das Institut für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTf) erstmals eine datenbasierte Antwort auf diese Frage vor. Die Studie wurde von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt gefördert.

Die Ergebnisse im Überblick:

Kulturförderung rentiert sich: Das 3,5-fache des Fördervolumens fließt in die Hauptstadt zurück

Die öffentliche Kulturförderung des Landes Berlin wirkt weit über den Kultursektor hinaus: Jeder investierte Euro erzeugt im Durchschnitt mehr als 3,50 Euro an wirtschaftlichen Rückflüssen - bei Museen und Gedenkstätten sogar bis zu rund 7 Euro . Diese Rückflüsse entstehen durch die Ausgaben der Kultureinrichtungen selbst, durch Aufträge an Unternehmen und über Ausgaben in der Stadt durch das eigene Personal. Der größte Teil der wirtschaftlichen Effekte geht dabei aber auf das Publikum zurück: Rund 63 Prozent der Rückflüsse entstehen durch Ausgaben von Kulturbesucher*innen - wobei der größte Anteil auf Tourist*innen entfällt.

Konkret stehen rund 528 Millionen Euro Fördermitteln Gesamtrückflüsse von etwa 1,88 Milliarden Euro gegenüber - ein Überschuss von über 1,35 Milliarden Euro jährlich. Nicht einberechnet wurden hierbei die Stiftungen Berliner Mauer, Topographie des Terrors und Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Aufgrund ihrer enormen Besuchszahl und des überdurchschnittlich hohen Anteils touristischer Besucher*innen wurden sie gesondert ausgewertet, um die mittlere Umwegrentabilität der Einrichtungen nicht zu verzerren. Werden die drei Stiftungen in die Berechnung einbezogen, ergibt sich sogar ein Gesamtrückfluss von rund 4,65 Milliarden Euro jährlich.

Kultur steigert das Wohlbefinden - messbarer Effekt in Milliardenhöhe

Auch für das Well-Being der Berliner Bevölkerung ist eine ökonomische Wirkung messbar: Vier oder mehr Kulturbesuche im Jahr steigern das individuelle Wohlbefinden und die Gesundheit etwa so stark wie ein bis zu 2 700 Euro erhöhtes Jahreseinkommen. Hochgerechnet auf ganz Berlin bewirken Besuche von klassischen Kulturangeboten eine Steigerung im Gegenwert von rund 8,09 Milliarden Euro pro Jahr.

Berlin ist Spitzenstandort der Kultur- und Kreativwirtschaft - maßgeblich geprägt durch die Freie Szene

Kultur ist ein eigenständiger Wirtschaftszweig: Mit einer Bruttowertschöpfung von 12 bis 15 Milliarden Euro, rund 195 000 Beschäftigten und einem Umsatz von 41,1 Milliarden Euro übertrifft die Kultur- und Kreativwirtschaft in Berlin klassische Industriebranchen, wie beispielsweise Pharma oder Maschinenbau. Tragende Säule dieses Systems ist die Freie Szene: Allein in den klassischen Teilmärkten Bildende Kunst, Musik und Darstellende Künste erwirtschaften 32 420 Solo-Selbstständige zusammen rund 614 Millionen Euro Einkommen. Gleichzeitig liegen rund drei Viertel von ihnen unter einem individuellen Jahreseinkommen von 22 000 Euro .

Für Berliner Unternehmen ist Kultur ein entscheidender Standortfaktor

Rund 90 Prozent der befragten Unternehmen halten das Kulturangebot für die Gewinnung neuer Mitarbeitender für wichtig, fast 85 Prozent betonen seinen Einfluss auf die Bindung von Mitarbeitenden. Rund die Hälfte der Unternehmen nutzt das Berliner Kulturangebot zudem aktiv beim Gewinnen von Fachkräften.

Kultur als Reisegrund: Berlin zieht mit London und Paris gleich

Allein 2024 kamen 12,7 Millionen Gäst*innen aus Deutschland und der Welt nach Berlin. Sehenswürdigkeiten ( 63 Prozent ) und das Kunst- und Kulturangebot ( 61 Prozent ) zählen zu den wichtigsten Motiven für ihre Reise. Kulturell motivierte Tourist*innen bleiben im Durchschnitt länger in der Stadt und geben mehr Geld aus. Berlin gehört damit zu den meistbesuchten Städtereisezielen Europas und bewegt sich auf einem Niveau mit Metropolen wie Paris und London.

Gesellschaftliche Wirkungen von Kultur im Überblick

Über ihre wirtschaftliche Funktion hinaus leisten Kulturangebote einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt: Kulturelle Bildung stärkt Weltoffenheit, Kreativität, Zukunftskompetenzen und legt früh den Grundstein für kulturelles Interesse. Kultureinrichtungen fungieren als niedrigschwellige "Dritte Orte" der Begegnung und sozialen Integration, besonders ausgeprägt in Bibliotheken und soziokulturellen Zentren. Am Beispiel der Amateurmusik wird die Bedeutung der Breitenkultur deutlich: 38 Prozent der Berliner*innen musizieren aktiv, sie ist damit ein niedrigschwelliger Zugang zur Kultur für breite Bevölkerungsschichten auch jenseits klassischer Kulturangebote. Darüber hinaus zeigt sich die Wirkung von Kultur auch in der Stadtentwicklung : Sie trägt dazu bei, lebendige Quartiere zu gestalten und fördert Teilhabe sowie soziale Integration vor Ort.

Die vollständige Studie und alle IKTf-Publikationen finden Sie hier:

https://www.iktf.berlin/publications/studie-standortfaktor-kultur-berlin/

https://www.iktf.berlin/publikationen/

Pressekontakt:

Betina-Ulrike Thamm Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit E-Mail: mailto:presse@iktf.berlin Mobil: +49 (0)176 17870301 Telefon: +49(0)30 3030444-35 http://www.iktf.berlin

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/159839/6304205 OTS: Institut für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTf)


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Institut für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTf)
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