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Hannover (ots) - Vor Beginn der weltweit wichtigsten Industriemesse haben in
Hannover acht ausgewiesene Expertinnen und Experten den Innovationsrat für
Deutschland gegründet. Der Innovationsrat ist Teil der VDI-Initiative "Zukunft
Deutschland 2050", die eine langfristig angelegte Strategie für die
Wettbewerbsfähigkeit des Technologiestandorts Deutschland entwickelt. In ihrer
ersten Sitzung formulierten die ehrenamtlichen Gründungsmitglieder "5 Impulse
für den Innovationsstandort Deutschland" und fordern eine klare Strategie für
Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und technologische Souveränität.
Deutschland steht an einem Wendepunkt: Bleibt das Land eine führende
Innovations- und Industrienation oder wird es zum Nachzügler im globalen
Wettbewerb? Innovation ist zur Schicksalsfrage geworden. Sie entscheidet über
wirtschaftliche Stärke, Wohlstand, Beschäftigung und gesellschaftliche
Stabilität. Als größte Volkswirtschaft Europas prägt Deutschland damit auch die
Zukunft unseres Kontinents. Der von Industrie und Parteien unabhängige
Innovationsrat der Initiative Zukunft Deutschland 2050 warnt vor den negativen
Folgen des Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit und legt konkrete
Handlungsempfehlungen vor. Während andere Volkswirtschaften mit klaren
Strategien, hohem Tempo und massiven Investitionen vorangehen, fehlt es
Deutschland an Verbindlichkeit, Geschwindigkeit und Mut zur Umsetzung.
"Wir dürfen nicht riskieren, dass Schlüsseltechnologien hier erfunden und
entwickelt, aber anderswo skaliert werden", heißt es aus dem Innovationsrat.
"Wer Innovation nicht aktiv gestaltet, wird technologisch, wirtschaftlich und
geopolitisch abgehängt."
Der Innovationsrat fordert daher eine Neuausrichtung der Innovationspolitik: weg
vom kurzfristigen Denken in Legislaturperioden, hin zu einer langfristigen,
faktenbasierten Strategie. Dafür steht die Initiative Zukunft Deutschland 2050,
die vom VDI ins Leben gerufen wurde, und mittlerweile auch durch die
Gesellschaft für Informatik e.V. unterstützt wird.
Der Innovationsrat fordert in seinen " 5 Impulsen für den Innovationsstandort
Deutschland " eine ganzheitliche Betrachtung des Themas Innovation und dessen
Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland:
5 Impulse für den Innovationsstandort Deutschland
1. Innovationen dürfen in unserem Land nicht länger im Takt der
Legislaturperioden betrachtet werden. Deutschland braucht eine
faktenbasierte, langfristig angelegte Innovationsstrategie mit klaren
Prioritäten hinsichtlich Schlüsseltechnologien, Infrastruktur, Ressourcen und
Fachkräften - und eine Haltung des Gestaltens.
2. Der regulatorische Rahmen in Deutschland und Europa muss im internationalen
Vergleich attraktiver werden und stärker auf Vertrauen setzen : mit
schnelleren Genehmigungen, digitalisierten Verfahren, klaren Zuständigkeiten
und mehr Freiräumen für Innovation. Die Vorgaben insbesondere in Deutschland
sind an vielen Stellen zu restriktiv. Europa benötigt mehr Experimentierräume
für Innovatoren, z.B. in Form von klug definierten Reallaboren und
Experimentierklauseln. Goldplating sollte zurückgefahren werden, indem man
sich an Ländern orientiert, die europäische Regulierung
innovationsfreundlicher umgesetzt haben. Gleichzeitig sollte Deutschland auf
europäischer Ebene eine aktivere Rolle einnehmen und sich für den Abbau
unnötiger Regulierung sowie eine innovationsfreundlichere Ausgestaltung von
EU-Vorgaben einsetzen.
3. Deutschland braucht mehr Courage und strategische Investitionen statt
Kaskodenken und kurzfristigen Maßnahmen : Die Entwicklung von
Schlüsseltechnologien kostet Zeit und Geld. Dies bedarf neuer Formate der
Förderung in Wissenschaft und Wirtschaft, die Innovation und Kooperation
stärken. Die Investitionsbereitschaft von Unternehmen als auch die
Rahmenbedingungen für Start-ups und Scale-ups müssen verbessert werden, damit
Zukunftstechnologien in Deutschland erfunden und hier auch skaliert werden
können.
4. Mit einer fundamentalen Reform des Bildungssystems und des Arbeitsmarkts gilt
es, die Begeisterung für Innovationen, Unternehmertum und für die Gestaltung
unserer Zukunft neu zu entfachen. Nur so können die Potenziale von KI in
allen Lebensbereichen systematisch erschlossen werden, wozu neben Neugier und
Gestaltungswillen auch eine produktive Fehlerkultur beiträgt. Dies beginnt in
der frühkindlichen Bildung über die Schulen, die berufliche und akademische
Bildung bis ins Erwerbsleben, das durch konsequentes Up- und Re-Skilling
gekennzeichnet werden muss. Dabei kommt es entscheidend darauf an, Talente in
der gesamten Breite der Gesellschaft zu heben - unabhängig vom familiären
Hintergrund und den dort verfügbaren Unterstützungsressourcen. Nur wenn
vorhandene Potenziale systematisch erschlossen werden, können
Fachkräfteengpässe gemildert und Innovationsfähigkeit nachhaltig gestärkt
werden.
5. Um zur Lösung der gravierenden Herausforderungen Europas beizutragen und
langfristig eine tragende Rolle zu spielen, muss Deutschland in Forschung und
wirtschaftlicher Umsetzung wieder exzellent werden. Historisch haben
technische Innovationen beim Aufstieg Deutschlands zu einer führenden
Industrienation eine zentrale Rolle gespielt. Bei der Erneuerung des Landes
können sie dies erneut tun; mehr noch: Sie können eine wegweisende Rolle bei
der Bewältigung globaler Probleme spielen - mit technischen Innovationen
bspw. in der Biotechnologie, der Medizintechnik, der Mikroelektronik oder KI
bis hin zu Cyber-physischen Systemen wie autonomen Fahrzeugen und humanoiden
Robotern. Mehr Innovation und Unternehmertum sind ohne einen technologischen
Beitrag nicht darstellbar. Durch die systematische Verbindung von
Ingenieurwissenschaften, Informatik und Datenkompetenz haben wir die Chance,
vertrauenswürdige KI-basierte Technologien und Produkte zu schaffen, die
"Trained in Germany" zum neuen Gütesiegel und Innovationsversprechen machen.
Deutschlands Innovationsfähigkeit entscheidet sich im Zusammenspiel von
gesellschaftlichem Gestaltungswillen, innovationsfreundlicher Regulierung,
mutigem Unternehmertum, qualifizierten und motivierten Menschen sowie
technologischer Exzellenz. Genau dafür will der Innovationsrat der Initiative
Zukunft Deutschland 2050 Orientierung geben und konkrete Impulse setzen.
Der Innovationsrat macht deutlich: "Jetzt ist der Zeitpunkt zu handeln,
entschlossen, koordiniert und mit klarem strategischem Anspruch. Deutschland
verfügt über die Kompetenzen, das Know-how und die industrielle Basis, um auch
künftig eine führende Rolle einzunehmen. Doch ohne eine klare, langfristig
angelegte Strategie, ohne die richtigen Rahmenbedingungen und ohne konsequente
Umsetzung droht ein massiver Bedeutungsverlust. Strategische Innovationen
stellen den Schlüssel dar: " Wer jetzt nicht handelt, riskiert, dass
Deutschlands Zukunft durch andere entschieden wird."
Alle Informationen unter: https://www.innovationsrat.de/innovationsrat
Der Innovationsrat besteht aktuell aus folgenden Persönlichkeiten:
Prof. Dr. Lutz Eckstein ist einer der führenden Experten im Bereich Mobilität
und automatisiertes Fahren. Seine Arbeit fokussiert sich auf die Entwicklung und
Implementierung zukunftsfähiger Mobilitätslösungen, innovativer Fahrzeugkonzepte
sowie auf die Vernetzung von Fahrerassistenz- und Fahrwerkregelsystemen für das
automatisierte Fahren. Mit über 200 Patentanmeldungen und als Gründer mehrerer
Unternehmen steht er für praxisnahe Innovation und den Transfer in industrielle
Anwendungen. Der Leiter des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) an der RWTH
Aachen ist seit 2023 Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).
Prof. Dr. Veronika Grimm ist als Professorin an der Technischen Universität
Nürnberg eine ausgewiesene Expertin für Wirtschafts- und Energiepolitik. In
ihrer Forschung beschäftigt sie sich seit Jahren mit der Wettbewerbsfähigkeit
technologiebasierter Volkswirtschaften und den Rahmenbedingungen für die
deutsche Wirtschaft. In der öffentlichen Debatte setzt sie wichtige Impulse
insbesondere zu Energiepolitik, Transformation der Industrie und zur
wirtschaftspolitischen Ausgestaltung der Energiewende. Ihre Arbeit verbindet
wissenschaftliche Tiefe mit klaren Handlungsempfehlungen für Politik und
Wirtschaft. Sie ist seit 2020 Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung
der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ("Wirtschaftsweise").
Prof. Dietmar Harhoff, PhD zählt zu den prägendsten Stimmen der Innovations- und
Gründungsforschung in Deutschland und war langjähriger Vorsitzender der
Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung. Seine
Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere auf Innovation, Entrepreneurship,
geistigem Eigentum sowie der Rolle von Technologie für wirtschaftliche
Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit. Seit 2013 ist er Direktor am
Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb und leitet dort die
wirtschaftswissenschaftliche Abteilung für Innovation und Entrepreneurship.
Prof. Dr. Jürgen Kühling ist als Professor für Öffentliches Recht,
Immobilienrecht, Infrastrukturrecht und Informationsrecht an der Universität
Regensburg ein ausgewiesener Experte für Regulierungs- und Wettbewerbsfragen,
der bis 2024 als Vorsitzender der Monopolkommission die Bundesregierung beriet.
Er befasst sich insbesondere mit der rechtlichen Ausgestaltung von digitalen
Märkten und Infrastrukturen. Seine Arbeit verbindet wissenschaftliche Analyse
mit praxisnaher Politikberatung und trägt zur Weiterentwicklung eines
innovationsfördernden und zugleich ordnungspolitisch stabilen Rechtsrahmens bei.
Dr. Anne Lamp ist Gründerin und Unternehmerin im Bereich Circular Economy. Mit
traceless materials treibt sie die Entwicklung und Skalierung biobasierter
Materialinnovationen voran und steht für die erfolgreiche Überführung
nachhaltiger Technologien in marktfähige Anwendungen. Ihre Arbeit stärkt das
Zusammenspiel von Gründung, industrieller Umsetzung und zirkulärer
Wertschöpfung. 2025 war sie für den Deutschen Zukunftspreis nominiert, 2022
erhielt sie den Deutschen Gründerpreis.
Dr. Melanie Maas-Brunner verfügt über langjährige Erfahrung in der industriellen
Forschung und Entwicklung. Als ehemaliges Vorstandsmitglied und Chief Technology
Officer von BASF steht sie für die strategische Verknüpfung von technologischer
Exzellenz und industrieller Umsetzung und treibt Innovationen von der Idee bis
zur Skalierung voran. Ihr Fokus liegt auf der Stärkung technologischer
Souveränität in Europa. Ab Juni 2026 übernimmt sie das Amt der Präsidentin des
Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft.
Adrian Willig macht sichals Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik und mit
seiner langjährigen Tätigkeit in verschiedenen Wirtschafts- und
Branchenverbänden für die Ingenieurinnen und Ingenieure in Deutschland stark. Er
setzt sich für die Stärkung des Technologiestandorts, die Förderung von
Ingenieurkompetenzen und bessere Rahmenbedingungen für neue Technologien ein.
Ein zentrales Anliegen ist ihm dabei die Qualifizierung von Fachkräften und die
Weiterentwicklung der Bildungspolitik. Er ist seit 2023 Direktor und
geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).
Prof. Dr. Martin Wolf gilt als profilierter Vertreter der deutschen Informatik
und verbindet wissenschaftliche mit wirtschaftlicher Expertise. Er engagiert
sich für die Weiterentwicklung des Industriestandorts Deutschland durch
Digitalisierung und intelligente Produktionssysteme. Dabei verbindet er
technologische Expertise mit einem klaren Blick für wirtschaftliche
Umsetzbarkeit. Seit 2026 ist er Präsident der Gesellschaft für Informatik.
Innovationsrat für Deutschland
Der Innovationsrat identifiziert zentrale Zukunftsfelder und bringt eine
unabhängige Stimme zu Technologie- und Standortfragen für Deutschland in den
öffentlichen Diskurs ein. Als hochrangig besetztes Gremium stellt er die
technologischen Zukunftsperspektiven Deutschlands in den Mittelpunkt. Er stützt
sich in seinen Empfehlungen auf fachliche Analysen, die im Rahmen der Initiative
Zukunft Deutschland 2050 entwickelt werden. Ziel ist es, Impulse für eine
langfristige Innovationsstrategie zu geben und zentrale Schlüsseltechnologien
der Zukunft frühzeitig zu identifizieren, damit Deutschland auch künftig
Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft sichern kann. Während viele
innovationspolitische Debatten auf abstrakter Ebene geführt werden, bringt der
Innovationsrat gezielt die Perspektive derjenigen ein, die Technologien
entwickeln, skalieren und in industrielle Anwendungen überführen.
Der mit unabhängigen Persönlichkeiten besetzte Innovationsrat analysiert
systematisch technologische Entwicklungen, leitet Handlungsempfehlungen ab und
versteht sich als Impulsgeber für den Technologie- und Wirtschaftsstandort
Deutschland. Als interdisziplinär und divers besetztes Gremium führt er
unterschiedliche Sichtweisen zusammen und gibt Orientierung für eine
zukunftsgerichtete Technologie- und Innovationspolitik in Deutschland.
Die Initiative Zukunft Deutschland 2050 wurde vom Verein Deutscher Ingenieure
(VDI) initiiert. Seit 2026 engagiert sich darin auch die Gesellschaft für
Informatik, insbesondere im Bereich KI. Damit vereint der Innovationsrat die
Expertise von zwei großen technisch-wissenschaftlichen Communities mit zusammen
über 160.000 persönlichen Mitgliedern. Unabhängig von Einzelinteressen der
Wirtschaft bündeln die Initiatoren ihre Stärken, um eine klare, sachorientierte
Stimme in den innovationspolitischen Diskurs einzubringen.
Der Innovationsrat trifft sich künftig in regelmäßigen Abständen und
veröffentlicht gemeinsame Statements und Stellungnahmen zur Begutachtung des
Technologiestandorts Deutschland.
Pressekontakt:
Ihre Ansprechpartnerin in der VDI-Pressestelle:
Sarah Janczura
Pressesprecherin
Telefon: +49 211 6214-641
E-Mail: mailto:presse@vdi.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/16368/6259499
OTS: VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.
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