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Berlin (ots) - Körperliche und verbale Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte sowie
andere Beschäftigte im Gesundheitswesen ist keine Ausnahme mehr: Beschimpfungen
im Wartezimmer, Drohungen am Telefon, aggressive Situationen in der Notaufnahme
und körperliche Übergriffe im Notdienst werden zunehmend als belastende
Erfahrungen geschildert. Die Bundesärztekammer begrüßt deshalb den heute vom
Bundeskabinett verabschiedeten Gesetzentwurf zur "Stärkung des strafrechtlichen
Schutzes des Gemeinwesens". Er sieht einen stärkeren strafrechtlichen Schutz von
Menschen vor, die im Interesse des Gemeinwohls tätig sind, darunter auch
Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Angehörige der Gesundheitsberufe.
"Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Medizinische Fachangestellte und andere
Beschäftigte im Gesundheitswesen helfen Menschen in schwierigen und oftmals
hochbelastenden Situationen. Sie müssen ihre Arbeit ausüben können, ohne
bedroht, beleidigt oder körperlich angegriffen zu werden. Wer medizinisches
Personal angreift, gefährdet nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die
Versorgung von Patientinnen und Patienten", erklärte Bundesärztekammer-Präsident
Dr. Klaus Reinhardt.
Positiv bewertet die Bundesärztekammer, dass alle Angehörigen der Heilberufe bei
der Ausübung ihrer Tätigkeit einen besonderen strafrechtlichen Schutz erfahren
sollen und durch Anhebung der Mindeststrafe bei tätlichen Angriffen höhere
Strafen zu erwarten sind. Zudem soll die besondere Bedeutung gemeinwohlbezogener
Tätigkeiten bei der Strafzumessung berücksichtigt werden.
"So richtig und notwendig diese Maßnahmen sind, bleibt dennoch entscheidend,
dass Strafverfolgungsbehörden ausreichend ausgestattet werden und
Anzeigeverfahren einfacher, schneller und niedrigschwelliger gestaltet sind",
sagte Reinhardt. Er forderte ein bundesweit einheitliches und niedrigschwelliges
Meldesystem für Gewaltvorfälle im Gesundheitswesen. Dafür arbeitet die
Bundesärztekammer an einem Meldetool, über das Beschäftigte im Gesundheitswesen
Gewalterfahrungen auch anonym melden können. "Unser Ziel ist es, Übergriffe
systematisch sichtbar zu machen und eine belastbare Grundlage für Prävention und
Schutzmaßnahmen zu schaffen", so Reinhardt.
Wie verbreitet Gewalt im Gesundheitswesen inzwischen ist, zeigen Zahlen einer
Anfang 2026 veröffentlichten Umfrage des Deutschen Ärzteblattes. 66 Prozent der
befragten Ärztinnen und Ärzte gaben an, im beruflichen Kontext bereits Gewalt
erlebt zu haben, 56 Prozent berichteten von einer Zunahme der Gewalt. Besonders
betroffen sind in der ambulanten Versorgung Anmeldungen und Wartebereiche, im
stationären Bereich vor allem die Notaufnahmen.
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