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"nd.DieWoche": Kommentar zur Kündigung der Tarifverträge durch den VW-Vorstand |
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| 1.10.2026 20:35 Uhr |
nd.DerTag / nd.DieWoche |
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Berlin (ots) - Dass der VW-Vorstand in seiner breit angelegten Kürzungsstrategie
nun auch noch zahlreiche Tarifverträge kündigen will, ist wirklich dreist. Das
scheint der Dank dafür zu sein, dass Gewerkschaft und Betriebsrat den
umstrittenen Stellenabbauplänen zähneknirschend zugestimmt haben.
Dabei hatte die Arbeiterseite bereits beim hart erkämpften Tarifabschluss 2024
den Abbau von 35.000 Jobs in Deutschland bis 2030 sowie Kürzungen von Boni und
Zulagen hingenommen. Dass die Konzernführung im Gegenzug auf betriebsbedingte
Kündigungen und Werkschließungen verzichtete, scheint nun hinfällig. Das im
Aufsichtsrat beschlossene neue Kürzungsprogramm beinhaltet den Abbau von 50.000
Stellen - dies wird dann kaum noch ohne Kündigungen abgehen. Auch stehen vier
Werke auf der Kippe; Schließungen nicht ausgeschlossen.
Die Strategie des Vorstands scheint voll aufzugehen: Das Gejammere über die
angeblich so schlechten Perspektiven für Europas größten Autokonzern war schon
einmal von Erfolg gekrönt. Daher setzt man jetzt noch einen drauf und bläst zur
Attacke auf die verbliebenen Tarifstandards. Damit würde man die sich durch
falsche Managemententscheidungen verschärfenden Probleme vollends den
Beschäftigten überhelfen. Ein echtes Zukunftskonzept liegt hingegen nicht vor.
Die neue Entwicklung setzt Gesamtbetriebsrat und IG Metall massiv unter Druck.
Diese glaubten, mit ihrem Einlenken das Schlimmste verhindern zu können.
Offenbar leben sie noch in den alten Zeiten, als Sozialpartnerschaft bei VW dank
der Besonderheiten des Unternehmens und gesetzlicher Rahmenbedingungen mehr als
leeres Gerede war. Der Vorstand hat sich von einvernehmlichen Lösungen aber
längst verabschiedet, daher kann die Gewerkschaft nur noch mit einer harten
Linie das Schlimmste verhindern. Nachdem man aber schon einmal klein beigegeben
hat, wird es umso schwieriger, die anstehenden Tarifverhandlungen zu bestehen.
Es geht um viel - in dem riesigen Konzern, aber auch für den Standort
Deutschland insgesamt. Es wäre untertrieben zu sagen, dass die Arbeiterseite den
kleinen Finger gereicht hat und der Vorstand jetzt die ganze Hand nehmen möchte.
Vielmehr wurden beide Hände gereicht und die Konzernführung will jetzt auch noch
die Beine der Mitbestimmung wegziehen.
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