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Berlin (ots) - Pharma Deutschland fordert Aussetzung der Erweiterten
Herstellerverantwortung
Vor dem Hintergrund neuer Real-World-Daten über die Zusammensetzung der
Mikroschadstofffraktionen in kommunalen Abwässern fordert Pharma Deutschland die
Europäische Kommission auf, die Umsetzung der Erweiterten
Herstellerverantwortung im Rahmen der Europäischen Kommunalabwasserrichtlinie
(UWWTD/KARL) sofort auszusetzen und neu zu bewerten. Anlass der Forderung ist
eine jetzt veröffentlichte Peer-Review Studie des Labors für Analytische Chemie
der National and Kapodistrian University of Athens zu Mikroschadstoffen in zwei
griechischen Kläranlagen, darunter Psyttalia - die größte Kläranlage
Griechenlands und eine der größten Anlagen Europas.
Die Ergebnisse der in der renommierten US-amerikanischen Fachzeitschrift
"Environmental Science and Technology Letters" veröffentlichten Studie zeigen,
dass die tatsächliche toxikologische Belastung im gereinigten Abwasser im Ablauf
der 3. Kläranlagenstufe deutlich anders zusammengesetzt ist, als es der
Folgenabschätzung der Europäischen Kommission zur Richtlinie zugrunde liegt. (
Integrating a Comprehensive Analytical Approach for Toxic-Load Assessment in
Urban Wastewater: Implications for Data-Driven Regulation | Environmental
Science & Technology Letters | ACS Publications (https://pubs.acs.org/estlcu/art
icle/doi/10.1021/acs.estlett.6c00733/5441893/Integrating-a-Comprehensive-Analyti
cal-Approach) )
Während die Kommission ihre Lastenzuweisung maßgeblich auf modellbasierte
Annahmen stützt, wonach Pharma und Kosmetik den Großteil der toxikologisch
bedenklichen Bestandteile verursachen sollen, kommt die griechische Untersuchung
auf Basis realer Messdaten zu einem grundlegend anderen Gesamtbild der
Schadstofffraktionen.
"Die Untersuchungsergebnisse einer der größten Kläranlagen Europas zeigen, dass
Arzneimittel nur einen einstelligen prozentualen Anteil an der toxischen
Gesamtlast im gereinigten Abwasser haben. Weil sich spätestens damit die
bisherigen Annahmen der Kommission als falsch herausgestellt haben, muss die
Umsetzung der Erweiterten Herstellerverantwortung sofort gestoppt werden.
Bundesumweltminister Carsten Schneider, der noch vor wenigen Tagen einen
nationalen Alleingang bei der Umsetzung der Erweiterten Herstellerverantwortung
in die Debatte eingebracht hat, muss spätestens jetzt umdenken. Auch in
Deutschland muss endlich geklärt werden, wer die toxischen Mikroschadstoffe im
Abwasser tatsächlich verursacht. Eine neue Kommunalabwasserrichtlinie muss auf
messbaren Fakten und nicht auf gefühltem Wissen basieren", sagt Jörg Wieczorek,
Vorstandsvorsitzender von Pharma Deutschland.
Pharma Deutschland fordert den Bundesumweltminister auf, die Umsetzung
auszusetzen. Ziel muss es sein, schnell einen belastbaren Überblick über die
tatsächlichen Verursacher toxischer Mikroschadstoffe im kommunalen Abwasser in
Deutschland zu erhalten. Die griechische Untersuchung zeigt, dass dafür
etablierte Messmethoden zur Verfügung stehen mit denen in relativ kurzer Zeit
fundierte Aussagen über die reale Zusammensetzung und toxische Relevanz der
Spurenstoffe im geklärten Abwasser.
Gerade weil diese Methoden in der Umweltanalytik wissenschaftlich etabliert
sind, wäre ein deutscher Real-World-Check umsetzbar und mit vertretbarem
finanziellem Aufwand möglich. Statt weiter mit theoretischen Modellen zu
arbeiten, braucht die politische Debatte jetzt belastbare Messdaten auch aus
Deutschland.
Die griechische Untersuchung analysierte Zu- und Abläufe der Kläranlagen
Psyttalia bei Athen mit rund 5,6 Millionen angeschlossenen Einwohnern sowie
Larissa mit rund 210.000 Einwohnern in einem gemischt urban-landwirtschaftlichen
Einzugsgebiet. Im Ablauf von Psyttalia wurden Arzneimittel sowie erhebliche
Anteile von Industriechemikalien, Tensiden, Kosmetika, Pflanzenschutzmitteln,
PFAS und Reifenadditiven detektiert. Für die toxische Gesamtlast im gereinigten
Abwasser ergab sich, dass Arzneimittel nur etwa 7% an der gesamten toxischen
Belastung in beiden Kläranlagen beitragen, während Reifenadditive und
Pflanzenschutzmittel die Haupttreiber des ökotoxikologischen Risikos sind.
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