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Berlin (ots) - "Das war der schwerste Moment unserer Unternehmensgeschichte":
Ein fehlerhaftes Testurteil der Stiftung Warentest kostete den Berliner
Rauchmelder-Hersteller Pyrexx fast die Existenz. Mehr als fünf Jahre kämpfte der
Mittelständler gegen die mächtigste Verbraucherschutzorganisation des Landes.
Heute verurteilte das OLG Frankfurt die Stiftung erstmals in der Geschichte
wegen eines fehlerhaften Warentests zu Schadensersatz.
Für den Mittelständler Pyrexx ist das Urteil ein historischer Erfolg. Das OLG
Frankfurt bestätigte ein erstinstanzliches Urteil des Landgerichts Frankfurt im
entscheidenden Punkt: Das Qualitätsurteil "mangelhaft" für den
Pyrexx-Rauchmelder war ein rechtswidriger Eingriff in den Gewerbebetrieb des
Unternehmens. Der Senat verurteilte die Stiftung dem Grunde nach zu
Schadensersatz - sie habe ihre Sorgfaltspflichten vor der Veröffentlichung des
Tests verletzt. Eine Revision zum BGH ließ das Gericht nicht zu. In der
Begründung fanden die Richter bemerkenswert deutliche Worte:
- Die Prüfung sei " nicht sachkundig" durchgeführt worden,
- das Testergebnis "nicht mehr diskutabel" und
- die Veröffentlichung daher "unvertretbar" gewesen.
Das OLG stellte fest, dass die Stiftung Warentest eigene Sorgfaltspflichten
verletzt hatte, indem sie konkrete Hinweise auf Fehler beim Test nicht
ausreichend verfolgte. Den Versuch der Stiftung, die Verantwortung für den
Fehler auf das belgische Prüfinstitut abzuwälzen, das den Test in ihrem Auftrag
durchgeführt hatte, wies das Gericht zurück. Andernfalls wären Unternehmen bei
fehlerhaften Tests schutzlos.
"Bei dem Test muss etwas gehörig schiefgelaufen sein"
Es ist das erste Mal, dass die Stiftung Warentest wegen eines fehlerhaften
Warentests Schadensersatz zahlen muss. Schon erfolgreiche Unterlassungsansprüche
gegen die Institution sind äußerst selten. 2014 gelang dies Ritter Sport im
Streit um ein Vanillearoma - der Fall sorgte damals wochenlang für Schlagzeilen.
Für Sebastian Herre, Geschäftsführer von Pyrexx, bedeutet die Entscheidung ein
Stück Gerechtigkeit: "Wir haben als Mittelständler fünf Jahre lang für
Aufklärung und Gerechtigkeit gekämpft - gegen eine Institution, der Millionen
Deutsche vertrauen. Wir waren uns immer sicher: Bei dem Test muss etwas gehörig
schiefgelaufen sein."
Ein Test, der nie hätte veröffentlicht werden dürfen
Ende 2020 veröffentlichte die Stiftung Warentest einen Test von Rauchwarnmeldern
(Ausgabe 1/2021). Von 17 getesteten Geräten erhielt nur eines die Note
"mangelhaft": der Pyrexx PX-1. Ein Rauchmelder, der in Berlin produziert wird
und in Millionen deutscher Haushalte im Einsatz ist. Die Stiftung urteilte, der
Melder alarmiere "zu spät" und auf ihn sei "kein Verlass". Deutschlandweit
griffen Medien den Test auf.
Was Millionen verunsicherte Verbraucherinnen und Verbraucher jahrelang nicht
wussten: Der Rauchmelder war nie "mangelhaft". Das von der Stiftung Warentest
beauftragte Prüfinstitut hatte einen Fehler gemacht: Eine DIN-Norm (EN
14604:2005) war beim Test nicht eingehalten worden. Die Testfeuer hatten im Fall
des Pyrexx-Rauchmelders zu wenig Rauch produziert. Ein vom Gericht bestellter
Gutachter bestätigte: Der Rauch war für den Melder nicht detektierbar.
Und nicht nur das: Pyrexx hatte den Test noch vor Veröffentlichung in einem
staatlich akkreditierten Prüfinstitut gegenprüfen lassen. Die Sachverständigen
bestätigten, dass die Rauchmelder einwandfrei funktionierten, und bezeichneten
das Testergebnis der Stiftung als "extrem atypisch". Der Stiftung Warentest lag
das Gegengutachten vor, sie veröffentlichte den Test trotzdem.
Existenzkampf und Jobverluste wegen falschem Test
Für den Mittelständler Pyrexx hatte das falsche Testurteil verheerende
Konsequenzen. Das Geschäft brach ein, Neukunden blieben aus, Rauchmelder wurden
ausgetauscht, obwohl die Geräte einwandfrei funktionierten. Ein Gutachten
beziffert den entstandenen Schaden auf rund 7,7 Millionen Euro. Jeder dritte
Mitarbeiter verlor seinen Arbeitsplatz.
"Ein einziges Testurteil der Stiftung Warentest hat uns fast die Existenz
gekostet", sagt Sebastian Herre. "Wir haben nicht nur Millionenumsätze verloren,
sondern mussten Kolleginnen und Kollegen entlassen, mit denen wir jahrelang
zusammengearbeitet haben. Das war der schwerste Moment unserer
Unternehmensgeschichte."
Mittelständler kämpft jahrelang gegen mächtige Institution
Für den Mittelständler begann ein jahrelanger Kampf gegen eine der mächtigsten
Institutionen Deutschlands. Pyrexx war überzeugt, dass der Rauchmelder sicher
ist und ein Testfehler vorliegen muss. Mit Unterstützung der Kanzlei Schertz
Bergmann klagte das Unternehmen ab 2021 vor mehreren Gerichten. Die Stiftung
Warentest hielt den fehlerhaften Test jedoch über Jahre aufrecht und verweigerte
die Herausgabe der Prüfberichte, die den Fehler hätten aufdecken können. Erst im
Februar 2024 - mehr als drei Jahre nach dem Test - räumte die Stiftung Warentest
im Zuge des Rechtsstreits den Fehler ein, erkannte den Unterlassungsanspruch an
und zog das Testurteil "mangelhaft" zurück.
Den finanziellen Schaden wollte die Stiftung Warentest in der gutachterlich
festgestellten Höhe jedoch nicht übernehmen. Und so wagte Pyrexx, was bisher
keinem Unternehmen erfolgreich gelungen war: die Stiftung Warentest wegen eines
fehlerhaften Warentests auf Zahlung von Schadensersatz zu verklagen.
"Wir wussten, dass das ein Novum ist", sagt Sebastian Herre. "Aber wir wollten
Gerechtigkeit. Für uns, unsere Mitarbeiter und die Verbraucher. Nicht nur wir
sind von dem falschen Testurteil betroffen: Millionen Menschen in Deutschland
verlassen sich auf unsere Rauchmelder und die Testurteile der Stiftung
Warentest. Dass eine so angesehene Institution nicht daran interessiert ist,
eigene Fehler von sich aus transparent aufzuklären und Verantwortung dafür zu
übernehmen, finden wir bemerkenswert."
"Wer kontrolliert die Kontrolleure?"
Die Stiftung Warentest genießt in Deutschland ein nahezu beispielloses
Vertrauen. Ihre Testurteile entscheiden über den wirtschaftlichen Erfolg oder
Misserfolg von Unternehmen.
Pyrexx-Geschäftsführer Herre fordert mehr Verantwortung - auch von den Medien,
die die Tests weiterverbreiten: "Keines dieser Medien hat uns vor der
Berichterstattung nach unserer Seite gefragt. Wenn die Stiftung Warentest ein
fehlerhaftes Testurteil in ganz Deutschland verbreiten und damit Unternehmen
fast ruinieren kann, ohne dass jemand mal kritisch nachfragt, stelle ich mir die
Frage: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?"
Der Rechtsstreit ist noch nicht beendet. Das OLG Frankfurt hat die Revision
nicht zugelassen. Der Stiftung Warentest steht noch die Möglichkeit einer
Nichtzulassungsbeschwerde zum BGH offen. Darüber hinaus wird das LG Frankfurt
als Nächstes über die Höhe des Schadensersatzes entscheiden.
Über Pyrexx
Pyrexx ist ein führender deutscher Hersteller von Rauchwarnmeldern sowie ein
bundesweit tätiger Dienstleister und Softwareanbieter für die
Immobilienwirtschaft mit Sitz in Berlin. Die Rauchwarnmelder des
mittelständischen Unternehmens werden am Firmensitz in Berlin-Marzahn produziert
und sind in Millionen deutscher Haushalte im Einsatz. Zu den Kunden zählen große
kommunale und private Wohnungsunternehmen. Private Wohnungseigentümer und Mieter
können die Rauchmelder ebenfalls deutschlandweit in Baumärkten, im Fachhandel
und online erwerben. Pyrexx unterhält im gesamten Bundesgebiet eigene
festangestellte Serviceteams und beschäftigt aktuell insgesamt rund 250
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Weitere Informationen:
- Urteil des OLG Frankfurt vom 23.04.2026 (Az. 16 U 38/25) (auf Anfrage)
- Teilgrund- und Teilurteil des LG Frankfurt
(https://www.rv.hessenrecht.hessen.de/bshe/document/LARE250000614) vom
13.03.2025 (Az. 2-03 O 430/21)
- Pressemitteilung der Kanzlei Schertz Bergmann
(https://www.presseportal.de/nr/62754) zur grundsätzlichen Bedeutung des
Urteils
- Stellungnahme der KRIWAN Testzentrum GmbH vor Test-Veröffentlichung: Ergebnis
"extrem atypisch". (auf Anfrage)
Alle Urteile, Gutachten und Prüfzertifikate stellen wir gerne auf Nachfrage zur
Verfügung.
Gerne bieten wir kurzfristige Interviewmöglichkeiten und O-Töne für TV und Radio
am Unternehmens- und Produktionsstandort in Berlin-Marzahn oder digital an.
Pressekontakt:
Michael Nowak
Kommunikationsberater & Dipl.-Journalist
mn@nowak-kommunikation.de
0160 697 1634
Transparenzhinweis: Der von Pyrexx engagierte Kommunikationsberater war in der
Vergangenheit Leiter der Abteilung Kommunikation und Pressesprecher der
Stiftung Warentest.
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/182429/6261394
OTS: Pyrexx GmbH
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