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Berlin (ots) - Der weltweite Hunger wird auch im Jahr 2026 auf einem alarmierend
hohen Niveau bleiben. Laut dem heute veröffentlichten Global Report on Food
Crises 2026 verschärfen bewaffnete Konflikte, Dürren und massiv sinkende
Hilfsfinanzierung die Ernährungsunsicherheit - insbesondere in fragilen Staaten.
"Umso unverständlicher ist der gleichzeitige Rückgang der Finanzierung
humanitärer Maßnahmen. Angesichts der Dimension des Hungers braucht es sofort
mehr internationale Solidarität, verlässliche finanzielle Zusagen und
entschlossenes politisches Handeln, um weitere Hungerkatastrophen zu verhindern
und Millionen Menschen den Zugang zu Nahrung und lebenswichtiger Hilfe zu
sichern", ordnet Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen
den Hunger, die Ergebnisse des Reports ein.
Dem Bericht zufolge waren im Jahr 2025 insgesamt 266 Millionen Menschen in 47
Ländern und Territorien von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. 1,4
Millionen Menschen lebten dabei unter katastrophalen Bedingungen, der schwersten
Stufe akuten Hungers: in Teilen von Haiti, Mali, Gaza, Südsudan, Sudan und
Jemen. Erstmals in der Geschichte des Berichts wurden im vergangenen Jahr zwei
Hungersnöte offiziell festgestellt, in Gaza und im Sudan.
"Zusätzliche Verschärfung erfährt die Lage durch aktuelle geopolitische
Eskalationen, insbesondere im Nahen Osten. Anhaltende Störungen der Energie- und
Düngemittelmärkte treiben die Lebensmittelpreise weltweit weiter in die Höhe -
mit gravierenden Folgen für ohnehin fragile Länder", ergänzt Friedrich-Rust.
Der Bericht zeigt zudem eine dramatische Entwicklung über die vergangenen zehn
Jahre: Die Zahl der Menschen mit akuter Ernährungsunsicherheit hat sich in
diesem Zeitraum verdoppelt. Besonders gravierend ist die Lage von Kindern: Im
Jahr 2025 waren schätzungsweise 35,5 Millionen Kinder im Alter von 6 bis 59
Monaten in 23 Ländern und Territorien, die als Ernährungskrisen eingestuft sind,
akut unterernährt. Darunter befanden sich 9,7 Millionen Kinder mit schwerer
akuter Mangelernährung, einer unmittelbar lebensbedrohlichen Form der
Unterernährung.
Akute Ernährungsunsicherheit: Zehn Länder im Fokus
Die weltweite akute Ernährungsunsicherheit konzentriert sich zunehmend auf
wenige Länder: Zehn Staaten vereinten 2025 rund zwei Drittel aller Betroffenen,
wobei Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und der Sudan fast ein Drittel
der weltweiten Gesamtzahl ausmachten. Der Bericht verzeichnet in einzelnen
Ländern - darunter Bangladesch, Niger sowie in begrenzten Regionen Nigerias und
des Sudan - punktuelle Verbesserungen, die die insgesamt weiterhin dramatische
Lage jedoch nicht grundlegend verändert haben. Deutliche Verschlechterungen gab
es in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo und Myanmar.
Akute Mangelernährung ist lebensbedrohlich
Neben dem Hunger bleibt auch die akute Mangelernährung auf extrem hohem Niveau.
2025 wurden in 23 Ländern und Territorien offizielle Ernährungskrisen
festgestellt, mit besonders schwerer Lage in Gaza, im Sudan, in Myanmar und im
Südsudan. Dort führten Hungersnot oder kritische Bedingungen zu
lebensbedrohlicher Unterernährung, vor allem bei Kindern.
In den meisten betroffenen Ländern ist akute Mangelernährung das Ergebnis
mehrerer gleichzeitiger Krisen - fehlender Zugang zu Nahrung, Krankheiten sowie
mangelhafte Gesundheits-, Wasser- und Versorgungsstrukturen. Der Bericht
unterstreicht damit, wie eng Hunger, Gesundheit und grundlegende
Dienstleistungen miteinander verknüpft sind.
Massiver Rückgang internationaler Hilfsfinanzierung verschärft Hungerkrise
Gleichzeitig warnt der Bericht eindringlich vor einem massiven Rückgang der
internationalen Unterstützung. Die Finanzierung humanitärer Maßnahmen im
Ernährungssektor ging 2025 um rund 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück,
während die entwicklungsbezogene Unterstützung um mindestens 15 Prozent
schrumpfte und weiter zurückzugehen droht.
Der Global Report on Food Crises 2026 kommt zu dem Schluss, dass ohne eine
deutliche Kehrtwende bei Konfliktprävention, Klimaanpassung und internationaler
Finanzierung weitere Hungersnöte nicht ausgeschlossen werden können.
Der jährlich veröffentlichte Global Report on Food Crises wird von einem
internationalen Netzwerk unter der Koordination des Food Security Information
Network (FSIN) erarbeitet. Er gilt als eine der fundiertesten globalen Analysen
zur akuten Ernährungsunsicherheit weltweit.
Als internationale humanitäre Organisation arbeitet Aktion gegen den Hunger in
zahlreichen besonders betroffenen Ländern, darunter Sudan, Jemen, Gaza,
Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria und Afghanistan. Dort
unterstützt die Organisation unter anderem unterernährte Kinder, schwangere
Frauen und Binnenvertriebene mit lebenswichtiger Hilfe wie Nahrungsmitteln,
sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung.
Hinweis an die Redaktionen
- Der Global Report on Food Crises 2026 ist hier verfügbar:
https://ots.de/hVeZzo
- Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder
Hintergrundgespräche.
Über Aktion gegen den Hunger
Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische
Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund
26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen
den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und
gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten
Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.
Pressekontakt:
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OTS: Aktion gegen den Hunger gGmbH
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