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Berlin (ots) - Mehrheit kann nicht privat vorsorgen
Michaela Engelmeier, SoVD-Vorstandsvorsitzende: "Die gesetzliche Rente wird von
verschiedenen Seiten gezielt schlechtgeredet, ist aber deutlich besser als ihr
Ruf. Sie hat sich auch in Krisenzeiten als stabil, verlässlich und solidarisch
erwiesen und bildet weiterhin das Rückgrat der Alterssicherung in Deutschland.
Die gesetzliche Rente muss jetzt gezielt gestärkt werden, da die Menschen das
Vertrauen in eine verlässliche Alterssicherung verloren haben."
Eine aktuelle, vom Sozialverband Deutschland (SoVD) in Auftrag gegebene Umfrage
des Meinungsforschungsinstituts Civey zeigt eine tiefgreifende Verunsicherung
der Bevölkerung bei der gesetzlichen Rente. Eine deutliche Mehrheit der
Befragten zweifelt daran, im Alter ihren Lebensstandard halten zu können.
Insgesamt geben mehr als 82 Prozent an, dass ihre gesetzliche Rente dafür
voraussichtlich nicht ausreichen wird."Die gesetzliche Rente wird von
verschiedenen Seiten gezielt schlechtgeredet, ist aber deutlich besser als ihr
Ruf. Sie hat sich auch in Krisenzeiten als stabil, verlässlich und solidarisch
erwiesen und bildet weiterhin das Rückgrat der Alterssicherung in Deutschland.
Die gesetzliche Rente muss daher jetzt gezielt gestärkt werden, da die Menschen
das Vertrauen in eine verlässliche Alterssicherung verloren haben", betont die
SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier.
Private Vorsorge für die Mehrheit nicht möglich
Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass private Vorsorge für viele Menschen keine
realistische Option darstellt. Mehr als die Hälfte der Befragten, nämlich rund
54 Prozent, gibt an, nicht über die finanziellen Möglichkeiten zu verfügen, um
ausreichend privat für das Alter vorzusorgen. "Damit wird deutlich, dass
politische Konzepte, die auf umfassende private Vorsorge setzen, an der
Lebensrealität vieler Menschen vorbeigehen. Die Annahme, jede und jeder könne
ausreichend privat vorsorgen, wird durch die Umfrage klar widerlegt. Private und
betriebliche Vorsorge können die gesetzliche Rente ergänzen, aber nicht
ersetzen, insbesondere für Menschen ohne finanziellen Spielraum", so Engelmeier.
Bevölkerung wünscht sich breitere Basis für die gesetzliche Rente
Die Umfrage zeigt zudem eine klare Präferenz für strukturelle Reformen mit einer
breiteren Finanzierungsbasis. 70 Prozent sprechen sich bei der Frage nach
geeigneten Maßnahmen zur langfristigen Finanzierung der gesetzlichen Rente dafür
aus, alle Erwerbstätigen einzubeziehen. Eine noch deutlichere Zustimmung (87
Prozent) gibt es bei der konkreten Frage nach der Einbeziehung von Beamtinnen
und Beamten. Auch höhere Steuern für Besserverdienende stoßen auf hohe
Zustimmung (42 Prozent). Dagegen lehnt die Bevölkerung Einschnitte klar ab: Eine
weitere Anhebung des Renteneintrittsalters (13 Prozent), eine Begrenzung des
Rentenniveaus (8 Prozent) oder höhere Rentenbeiträge (6 Prozent) finden kaum
Unterstützung. "Viele Menschen wollen eine Rente, die auf mehr Schultern
verteilt wird. Deshalb braucht es eine Weiterentwicklung hin zu einer
Erwerbstätigenversicherung, in die alle einzahlen. Gleichzeitig muss das
Rentenniveau stabilisiert und perspektivisch angehoben werden. Nur so lässt sich
das Vertrauen der Menschen in die gesetzliche Rente zurückgewinnen", fasst
Michaela Engelmeier die Ergebnisse zusammen.
SoVD fordert entschlossenes politisches Handeln
Aus Sicht des SoVD ist eine verlässliche Alterssicherung nicht nur eine soziale
Frage, sondern auch eine Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Umfrage
zeigt, wie groß die Verunsicherung in der Bevölkerung ist. "Damit die
gesetzliche Rente den Lebensstandard im Alter tatsächlich sichern kann, müssen
die Renten künftig höher ausfallen. Voraussetzung dafür ist auch ein starker und
inklusiver Arbeitsmarkt mit guten Löhnen und stabilen Erwerbsbiografien", so
Engelmeier. Fehlende Sicherheit im Alter führt zudem zu steigenden Kosten in
anderen Bereichen, etwa bei der Grundsicherung, und schwächt das Vertrauen in
staatliche Institutionen. Der SoVD fordert daher ein entschlossenes politisches
Handeln, um das Vertrauen der Menschen in die gesetzliche Rente
wiederherzustellen und Altersarmut wirksam vorzubeugen.
Prozentzahlen wurden auf ganze Stellen gerundet. Civey hat für den SoVD vom
24.03. bis 31.03.2026 online 2.500 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger zwischen
18-67 Jahren ohne Rentner*innen, Beamt*innen und Selbstständige befragt. Die
Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter
Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 3,6 Prozentpunkten beim
jeweiligen Gesamtergebnis. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie auf
http://www.civey.de .
Pressekontakt:
SoVD
Sozialverband Deutschland e. V.
Arne Jachmann
Pressereferent (V. i. S. d. P.)
Stralauer Straße 63
10179 Berlin
Tel.: 030 72 62 22-333
E-Mail: mailto:pressestelle@sovd.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/43645/6262866
OTS: Sozialverband Deutschland (SoVD)
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