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Kiel (ots) - Die soziale Pflegeversicherung steckt in der Krise: Hohe
Beitragssätze, steigende Eigenanteile im Heim und strukturelle Defizite bei
Versorgungsangeboten. All das bereitet auch den Menschen in Schleswig-Holstein
offenbar erhebliche Sorgen. Das ergab jetzt eine repräsentative Civey-Umfrage
zum Thema Pflege der AOK NordWest. Auf die Frage, mit welcher Schulnote die
Befragten "die Arbeit der Bundesregierung im Hinblick auf die gesetzliche
soziale Pflegeversicherung" beurteilen würden, vergaben 40 Prozent der Befragten
in Schleswig-Holstein ein "Ungenügend" und damit die Note 6. 26 Prozent vergaben
die Note 5, 13 Prozent sagen 'ausreichend' (Note 4). "Die Ergebnisse der Umfrage
machen deutlich, dass der seit langem ungelöste Reformbedarf in der Pflege die
Menschen offenbar stark verunsichert. Deshalb ist die Bundesregierung gefordert,
auch diesen Sozialversicherungszweig finanziell zu stabilisieren, damit das
Vertrauen der Menschen in die Zukunft der Sozialen Pflegeversicherung (SPV)
nicht verloren geht. Der Handlungsbedarf ist gewaltig", sagt AOK-Vorstandschef
Tom Ackermann. Für die SPV liegen bisher ernüchternde Ergebnisse der
Bund-Länder-Arbeitsgruppe 'Zukunftspakt Pflege' vor.
Pflegeversicherung chronisch unterfinanziert
Eine der zentralen Herausforderungen ist der Umfrage zufolge die
Finanzsituation: So stimmten 81 Prozent der Befragten in Schleswig-Holstein der
Aussage zu, dass die Pflegeversicherung chronisch unterfinanziert sei. 84
Prozent der Befragten sagten zudem, dass ihr Vertrauen in die finanzielle
Stabilität der SPV in den nächsten zehn Jahren gering sei, nur elf Prozent gaben
ein hohes Vertrauen an. Mit deutlich steigenden Beiträgen zur sozialen
Pflegeversicherung rechnen in den kommenden zwölf Monaten 85 Prozent der
Befragten.
SPV von versicherungsfremden Leistungen befreien
AOK-Chef Ackermann betonte, dass eine nachhaltige Stabilisierung der
SPV-Finanzen nicht allein durch Effizienzsteigerungen und Ausgabenbegrenzungen
wie in der GKV gelingen könne. "Um weitere Beitragssatzanhebungen in der SPV zu
vermeiden, sei dieser Sozialversicherungszweig noch dringender auf zusätzliche
Bundesmittel angewiesen. Denn die SPV übernimmt seit Jahren versicherungsfremde
Leistungen wie die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige, die eigentlich in
gesamtgesellschaftlicher Verantwortung liegen", so Ackermann.
85 Prozent fürchten finanzielle Überforderung durch Eigenanteile
Gerade die Eigenanteile im Pflegeheim bereiten bereits heute Sorgen: Diese lagen
Ende 2025 in Schleswig-Holstein bei durchschnittlich 2.442 Euro pro Monat. 85
Prozent der Befragten in Schleswig-Holstein gaben an, Angst vor finanzieller
Überforderung zu haben, falls sie selbst einmal im Heim versorgt werden sollten.
Dabei befürchten 62 Prozent, in diesem Fall in einem Mehrbettzimmer wohnen zu
müssen. 49 Prozent fürchten, ihrer Familie finanziell zur Last zu fallen. Und 48
Prozent gaben an, Sorge zu haben, kein bezahlbares Pflegeheim in der Nähe finden
zu können. "Die Pflegeheim-Bewohnenden müssen aktuell mit ihren Eigenanteilen
die Versäumnisse der Länder bei der Finanzierung der Investitionskosten für die
Pflegeeinrichtungen ausgleichen", so Ackermann. "Auch das muss Teil der
Pflegereform sein. Die Herausnahme der Ausbildungskosten für die Pflegeberufe
aus den Eigenanteilen könnte die Belastungen zusätzlich dämpfen und würde die
Pflegebedürftigen in den Heimen auf einen Schlag bundesweit um etwa eine
Milliarde Euro entlasten."
Unzufriedenheit mit Strukturen vor Ort
Auch die Zufriedenheit mit der Pflegeinfrastruktur ist laut Umfrage niedrig in
der Bevölkerung in Schleswig-Holstein: 50 Prozent der Befragten sind unzufrieden
mit den Angeboten in ihrem Bundesland wie an Pflegeheimen, ambulanten Diensten,
Tagespflege und Beratungsstellen. Immerhin 33 Prozent bewerten die verfügbaren
Angebote positiv. Ackermann: "Neben der Stabilisierung der Finanzen, braucht es
dringend auch echte Strukturreformen. Ziel muss es sein, die Pflege vor Ort zu
stärken und bedarfsgerechter zu gestalten", so Ackermann.
Hinweis zur Umfrage : Civey hat im Auftrag der AOK bundesweit 10.000 Personen
online befragt. Davon entfallen 1.073 Befragte auf die AOK NordWest. Die
Ergebnisse sind für die jeweilige Ebene repräsentativ. Dies wird durch ein
modellbasiertes, statistisches Verfahren für kleine Datenräume (Small Area
Methode) gewährleistet. Der statistische Fehler liegt auf Ebene der elf
AOK-Regionen zwischen 1,9 und 5,4 Prozentpunkten.
Pressekontakt:
Jens Kuschel, Pressesprecher
AOK NordWest - Die Gesundheitskasse.
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