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Berlin (ots) - Die Bildungschancen hängen in Deutschland stark von sozialer
Herkunft, familiärem Hintergrund und Geschlecht ab. Das ist das Ergebnis des
Chancenmonitors 2026 vom ifo Institut und BILD hilft e.V. "Ein Herz für Kinder",
der heute in Anwesenheit von Bundesbildungsministerin Karin Prien in Berlin bei
Axel Springer vorgestellt wurde.
"Unsere Analyse zeigt, wie stark die Chance auf einen Gymnasialbesuch von
Elternbildung und Einkommen bestimmt wird", sagt Professor Ludger Wößmann,
Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik .
Die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, liegt bei 16,9 Prozent, wenn
ein Kind mit Eltern ohne Abitur aus dem untersten Einkommensviertel ohne
Migrationshintergrund aufwächst. Im Gegensatz dazu liegt sie bei 80,3 Prozent,
wenn das Kind mit Eltern mit Abitur aus dem obersten Einkommensviertel mit
Migrationshintergrund aufwächst. Dabei fallen Bildung und Einkommen der Eltern
besonders stark ins Gewicht.
"Besorgniserregend ist auch: Jungen haben systematisch geringere Bildungschancen
als Mädchen", ergänzt ifo-Forscherin Vera Freundl . "Während 43,5 Prozent der
Mädchen ein Gymnasium besuchen, sind es nur 36,9 Prozent der Jungen - ein
Rückstand von 6,6 Prozentpunkten, der sich durch alle sozialen Gruppen zieht."
Allerdings fällt dieser Gender Gap zu Lasten der Jungen in den obersten
Bildungs- und Einkommensgruppen geringer aus. Er verstärkt sich im Verlauf der
Schulzeit und beträgt im Alter von 16 bis 18 Jahren sogar 9,6 Prozentpunkte.
Impulsvortrag von Bundesbildungsministerin Karin Prien
Karien Prien : "Ich bin 'Ein Herz für Kinder' und dem Chancenmonitor sehr
dankbar, dass Sie dieses Thema, wie es eigentlich den Jungs in unserem Land
geht, aufgreifen. In unserer Gesellschaft haben viele Jungen derzeit größere
Herausforderungen im Bildungssystem. Ergebnisse aus Lernstandserhebungen deuten
darauf hin, dass bei ihnen häufiger Leistungsrückgänge auftreten. Aus meiner
Sicht ist es ein wichtiges gesellschaftliches Thema in Deutschland, dem wir mehr
Aufmerksamkeit widmen und bei dem wir Jungen gezielter unterstützen sollten. Es
ist meiner Meinung nach eines der zentralen gesellschaftlichen Probleme, die wir
in Deutschland haben, dass wir für die Jungs mehr tun müssen."
Datenbasis des Chancenmonitors ist der jeweils aktuelle Mikrozensus - die größte
Haushaltsbefragung in Deutschland. Der Mikrozensus liefert umfangreiche
Informationen, die aufgrund der regelmäßigen Erhebung eine außergewöhnliche
Detailtiefe haben, die statistisch belastbare Aussagen für zahlreiche
Bevölkerungsgruppen ermöglicht. Der Chancenmonitor von ifo und "Ein Herz für
Kinder" wurde erstmals 2023 veröffentlicht.
Bereits neun Millionen Euro für nationale Bildungsprojekte im Bereich
Chancengerechtigkeit durch BILD-Hilfsorganisation
"Der neue Chancenmonitor dokumentiert eine mehrfache Ungleichheit der
Bildungschancen", sagt Sarah Majorczyk, 1. Vorsitzende von BILD hilft e.V. "Ein
Herz für Kinder" und selbst Mutter von drei Kindern: "Darüber müssen wir nicht
nur reden, wir müssen gezielt handeln. Als BILD-Hilfsorganisation haben wir
daher in den letzten drei Jahren statt mit der angekündigten eine Million Euro
insgesamt bereits mit rund neun Millionen Euro nationale Bildungsprojekte im
Bereich Chancengerechtigkeit unterstützt. Denn für uns ist klar: Die soziale
Herkunft und das Geschlecht eines Kindes dürfen in Deutschland nicht über die
Entwicklungschancen entscheiden."
Die ifo-Forschenden geben auch Handlungsempfehlungen: Um die Bildungschancen für
sozial benachteiligte Gruppen zu verbessern, braucht es mehr frühkindliche
Bildungsangebote, eine stärkere Unterstützung der Familien, gute Lehrkräfte an
Schulen mit benachteiligten Kindern, mehr kostenfreie Nachhilfeprogramme, ein
späteres Aufteilen der Kinder in verschiedene Schularten und mehr
Mentoring-Programme. Handlungsempfehlungen für bessere Chancen für Jungen sind
mehr männliche Erzieher und Lehrkräfte, eine stärkere Beachtung von
Geschlechterstereotypen in Unterricht und Erziehung, eine frühere Förderung der
Lesekompetenzen und der Selbstregulation von Jungen, mehr Elternarbeit und eine
außerschulische Stärkung der Bildungsaspiration von Jungen.
"Die entscheidende Stellschraube ist, in der Kita anzufangen. Es darf eben nicht
passieren, dass Kinder, die kein Deutsch können, nicht in die Kita gehen und
keine Chance haben, die Bildungssprache Deutsch vor der Einschulung zu erlernen.
Deshalb brauchen wir eine verpflichtende Sprachstands- und
Entwicklungsdiagnostik und folgend eine verpflichtende Förderung für die, die es
brauchen", so das Fazit von Bundesbildungsministerin Karin Prien .
Alle Ergebnisse des Chancenmonitor 2026 finden Sie hier
(https://www.ifo.de/DocDL/sd-digital-2026-05-woessmann-etal-chancenmonitor.pdf)
zum Download. Für Rückfragen: Vera Freundl, 089 / 9224-1369;
mailto:freundl@ifo.de ; Ludger Wößmann, 089 / 9224-1699, mailto:woessmann@ifo.de
Pressekontakte
- Ifo Institut, Carsten Matthäus, E-Mail: mailto:Matthaeus@ifo.de , T: +49 (0)89
9224-1218
- BILD hilft e.V. "Ein Herz für Kinder", Christian Senft, E-Mail:
mailto:christian.senft@axelspringer.com , T:+49 (0)30 2591-77610
Pressekontakt:
Christian Senft
Director Communications BILD-Gruppe / Pressesprecher
Axel Springer SE
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Tel: +49 (0) 30 25 91-7 76 10
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OTS: Ein Herz für Kinder
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