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Berlin (ots) -
- Zwischenfrüchte und Pflanzen von stark degradierten Flächen liefern nur sehr
begrenzte Mengen für alternative Kraftstoffe
- Verfügbare Mengen entsprechen nur einem Bruchteil des Kraftstoffbedarfs selbst
bei optimistischen Szenarien
- DUH warnt vor erheblichen Klima- und Umweltrisiken durch Einsatz dieser
Pflanzen als Rohstoff für den Verkehr und fordert stattdessen Elektrifizierung
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt davor, auf sogenannte Zwischenfrüchte und
Pflanzen von stark degradierten Flächen wie Rizinus oder Raps als neue
Wunderlösung für Kraftstoffe im Verkehr zu setzen. Eine neue Studie von Cerulogy
im Auftrag des Europäischen Dachverbands Transport & Environment (T&E), bei dem
die DUH Mitglied ist, zeigt: Die Potenziale, diese Rohstoffe in der EU
anzubauen, sind äußerst gering. Sie können nicht einmal die Nachfrage in der
Luftfahrt ansatzweise decken. Zugleich sind die für Agrokraftstoffe verwendeten
Pflanzen mit erheblichen ökologischen Risiken verbunden. Die DUH fordert deshalb
von der Bundesregierung, sich nicht von falschen Versprechen blenden zu lassen,
die Förderung dieser Rohstoffe für den Straßenverkehr zu stoppen und die
Elektrifizierung weiter voranzutreiben.
Die Studie zeigt konkret: Die Umwandlung der Flächen zum Anbau solcher
Ölpflanzen kann die Biodiversität schwächen, zusätzlichen Düngemitteleinsatz
verursachen und durch direkte oder indirekte Landnutzungsänderungen erhebliche
Zusatzemissionen auslösen. Bei Pflanzen von stark degradierten Flächen drohen
gegenüber fossilen Kraftstoffen durch Neuerschließung von Anbauflächen bis zu
doppelt so hohe Emissionen. Unklare Definitionen, fehlende Kartierungen und
schwache Zertifizierungssysteme erhöhen darüber hinaus das Risiko von Betrug,
insbesondere bei Importen aus schwer kontrollierbaren Lieferketten.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Wer aus angeblichen
'Wunderpflanzen' einen Freifahrtschein für neue Verbrenner-Kraftstoffe basteln
will, betreibt klimapolitische Irreführung und schafft neue
Importabhängigkeiten. Die Studie zeigt glasklar: Diese Rohstoffe sind mit hohen
Umweltrisiken verbunden und für den Straßenverkehr schlichtweg nicht verfügbar.
Selbst unter optimistischen Annahmen reichen die Mengen nicht einmal aus, um den
Bedarf schwer elektrifizierbarer Sektoren wie der Luftfahrt auch nur annähernd
zu decken. Mit der Elektrifizierung haben wir eine skalierbare Lösung für den
Straßenverkehr - dafür muss die Bundesregierung stärkere Anreize schaffen."
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Anbaubiomasse im Tank
ist und bleibt ein ökologischer Irrweg, auch dann, wenn sie unter neuen
Etiketten vermarktet wird. Der Anbau von Energiepflanzen verschärft den
Nutzungsdruck auf Böden, Wasser, Artenvielfalt und schwächt natürliche
Kohlenstoffspeicher. Wer wertvolle Flächen für Kraftstoffe nutzt, statt sie für
Ernährung, Naturschutz oder natürliche Klimaspeicherung zu sichern, verschiebt
die Umweltkosten nur in andere Regionen und zukünftige Generationen. Die Politik
muss unsere Biodiversität und Artenvielfalt schützen und die Förderung dieser
Scheinlösung stoppen."
Link:
Das DUH-Briefing "Neue Wunderpflanzen im Verkehr?" und die Cerulogy-Studie
"Golden Cropportunity?" finden Sie hier: https://l.duh.de/p260504d
Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
0171 3649170, mailto:resch@duh.de
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mailto:mueller-kraenner@duh.de
DUH-Newsroom:
030 2400867-20, mailto:presse@duh.de
http://www.duh.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/22521/6267466
OTS: Deutsche Umwelthilfe e.V.
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