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Osnabrück (ots) - Nana Mouskouri (91), Sängerin, kommentiert in persönlichen
Worten ihren Abschied von der Bühne: "Ich war eine der glücklichsten Sängerinnen
der Welt", sagte die 91-Jährige der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz). "Und
jetzt bin ich sehr alt und kann nicht mehr so singen wie früher, nur ein
bisschen. Eines Tages verlässt einen das Singen dann ganz." So weit ist es in
ihrem Fall aber noch nicht: Trotz ihres Bühnenabschieds hat Mouskouri gerade mit
Nina Hagen ein Duett ("Never Grow Old") aufgenommen.
Auch die Pandemie habe Einfluss auf ihren Gesang gehabt, sagte Mouskouri, sprach
von einer Erkankung und betonte die mangelnde Routine wähernd der Covid-Zeit:
"Weil man nicht reisen konnten, bin ich nicht mehr aufgetreten und habe weder
gesungen noch geprobt. Natürlich hat meine Stimme die Sicherheit verloren",
sagte Mouskouri. "Hin und wieder singe ich schon noch. Aber ich wage es nicht
mehr, die Profi-Sängerin zu sein, die ich war - weil ich meine Stimme nicht mehr
so einsetzen kann, wie ich es gewohnt war. Es ist traurig. Aber es wäre noch
trauriger, keine gute Arbeit zu leisten."
Für ein beiläufiges Singen nebenbei nimmt Mouskouri ihre Arbeit übrigens viel zu
ernst: "Um singen zu können, muss ich es mit einem echten Anliegen tun. Dann ist
nicht nur meine Stimme fokussiert, mein ganzer Körper ist dann voll da", sagte
Mouskouri. "Unter der Dusche habe ich noch nie gesungen. Ich habe es mir zur
Gewohnheit gemacht, nur dort zu singen, wo ich dem Gesang nicht wehtue. Unter
der Dusche geht es schon wegen des Wasserrauschens nicht und wegen all der
Seifen und Shampoos. Wenn ich was zu erledigen habe, summe ich vielleicht ein
bisschen vor mich hin - aber selbst das nur ein ganz kleines bisschen. Wenn ich
wirklich singen will, nehme ich das sehr ernst. Ich singe nicht nur einfach so."
Mit einem Lächeln verriet Mouskouri auch etwas über ihre Markenzeichen: Die
berühmte schwarze Brille hat inzwischen Gleitsichtgläser. "Als ich elf Jahre alt
war, fingen meine Probleme mit den Augen an. Damals musste ich eine Brille
tragen, um in die Ferne zu sehen. Aber natürlich konnte ich später im Leben auch
in der Nähe nicht mehr so gut sehen", sagte die 91-Jährige. "Seitdem brauche ich
eine Brille, mit der ich auch lesen kann. Gleitsichtbrillen sind das Beste, was
wir da tun können. Das ist es, was ich aus meinem langen Leben mit Brillen
gelernt habe."
Anfangs sei die Brille ein Wagnis gewesen: "Als ich anfing, mit Brille
aufzutreten, sprachen alle davon. Ich war das Mädchen mit der Brille", sagte die
Sängerin noz und erinnerte sich an ihre Tour mit Harry Belafonte in den
60er-Jahren: "Belafonte war dagegen. 'Du gefällst mir damit nicht', hat er
gesagt. 'Keiner mag es, wenn junge Mädchen Brille tragen.' Am ersten Abend der
Tour sollte ich es mal ohne versuchen. Am zweiten Tag sagte er wieder: 'Trag sie
nicht.' Ich ließ sie weg und konnte schlecht sehen. Ich habe noch ein drittes
Mal ohne Brille gesungen." Dann aber, berichtete Nana Mouskouri, habe sie sich
ein Herz genommen und widersprochen: "Ohne Brille bin ich nicht ich selbst. Und
ich möchte auf der Bühne so sein wie im Leben auch. Außerdem hat man da oben
Lampenfieber. Wenn man dann auch noch schlecht sieht, ist es schrecklich.
Entweder singe ich mit Brille oder ich gehe. Er wollte, dass ich bleibe und hat
die Brille nie wieder erwähnt."
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