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Berlin/Bonn (ots) - 12. Mai 2026 - Der frühere deutsche Außenminister Joschka
Fischer ist überzeugt, dass sich Europa künftig nicht mehr auf den Schutz der
USA wird verlassen können. "Amerika wird sich aus Europa zurückziehen. Das wird
einen fundamentalen Bruch mit der traditionellen Ordnung bedeuten und
Deutschland in eine völlig neue Rolle bringen - eine Rolle, die wir nicht
gewohnt sind", erklärte der Grünen-Politiker im Fernsehsender phoenix. Alle
Anzeichen wiesen darauf hin, dass Europa sein Schicksal militärisch selbst in
die Hand nehmen müsse. "Wenn ich Donald Trump richtig lese, dann hat er
innerlich mit der NATO bereits gebrochen. Darauf ist kein Verlass mehr", meinte
Fischer. Diese wie auch andere Entwicklungen habe man nicht zwingend vorausahnen
können. "Hinzu kamen aber individuelle Fehler. Man war der Meinung, alles ist
gut. Jetzt stellt man fest: wenig ist gut", kritisierte der Außenminister der
früheren rot-grünen Koalition.
Innenpolitisch stehe die deutsche Politik vor gewaltigen Aufgaben, nicht nur im
militärischen Bereich, sondern auch bei der Finanzierung des Sozialstaats, der
Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und bei der
Digitalisierung. "Es ist ein ganzes Bouquet von Herausforderungen, vor denen
Deutschland steht. Wir müssen das energisch anpacken", so Fischer. Er habe
Kanzler Merz mehr Erfolg gewünscht, als der aktuell habe - "im Interesse des
Landes". In den nächsten Jahren werde sich zeigen, ob Deutschland den
europäischen Weg beibehalte, oder die nationale Karte spiele, wie dies die AfD
wolle. "Das hielte ich für eine Katastrophe. Und das würde alles in Frage
stellen, was die Bundesrepublik seit 1949 erreicht hat."
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