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Berlin (ots) - Der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. bewertet
den heute im Bundeskabinett verabschiedeten Gesetzesentwurf der Bundesregierung
zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) als wichtigen Fortschritt für die
Wärmewende. "Die Entscheidung war überfällig. Das Kabinett sorgt mit dem
grundlegenden Systemwechsel im Gebäudesektor endlich auch formal für die
dringend benötigte Planungssicherheit. Der Beschluss ist ein deutlicher
Fortschritt gegenüber dem bisherigen Gebäudeenergiegesetz. Versorgungssicherheit
und Bezahlbarkeit haben nun Vorrang, ohne den Klimaschutz zu vernachlässigen",
betont Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW. Insgesamt ist das
Gesetz ein zentraler Schritt hin zu mehr Technologieoffenheit. Es setzt wichtige
marktöffnende Impulse für den Hochlauf klimaneutraler Gase. Diese haben nun
endlich Marktperspektiven und können künftig einen relevanten Beitrag zur
Dekarbonisierung leisten.
Mit der Einführung einer Grüngasquote schafft die Bundesregierung erstmals
praxistaugliche Instrumente, die Wasserstoff und Biomethan als wesentliche
erneuerbare Energieträger im Gebäudesektor ermöglichen. Die Bio-Treppe (10 bis
60 Prozent im Zeitraum 2029 bis 2040) und die Grüngasquote korrigieren einen
Fehler des alten GEG, das Wärmepumpen und Fernwärme unabhängig vom tatsächlichen
Energiemix privilegiert hatte. Der neue Ansatz ist sachgerechter und
systemischer. Zudem sorgt der Kabinettsbeschluss für mehr Entscheidungsfreiheit
für Gebäudeeigentümer, indem er der Heterogenität des Gebäudebestands in
Deutschland Rechnung trägt und den faktischen Zwang zu einzelnen
Heiztechnologien beendet.
Kritisch sieht der DVGW die Kostenaufteilung speziell für Gasheizungen zwischen
Mietern und Vermietern, die außerhalb des GModG - im CO2-Kostenaufteilungsgesetz
- verankert werden soll. Die dort festgeschriebene Differenzierung erschwert die
Wärmeversorgung durch Gas - und wird nicht auf andere Wärmelösungen wie Strom
oder Fernwärme angewendet. "Dass hier vor allem die Gasversorgung benachteiligt
wird, widerspricht dem Prinzip der Technologieneutralität und setzt
ordnungspolitisch falsche Signale. Damit entsteht der Eindruck, dass über das
Mietrecht ein indirekter Steuerungsmechanismus zulasten der Gasversorgung
etabliert wird, der den positiven Grundansatz des Gebäudemodernisierungsgesetzes
konterkariert", kritisiert DVGW-Chef Linke.
Neue DVGW-Wärmekostenstudie: Wirtschaftliche Heizlösungen hängen stark von
Gebäude und Standort ab
Der Gebäudesektor spielt bei der Energiewende eine zentrale Rolle: Fast 16
Prozent aller CO2-Emissionen werden in diesem Sektor verursacht. Gleichzeitig
ist fast jede zweite Heizung in Deutschland älter als 15 Jahre. Da Heizungen in
der Regel nach 20 bis 25 Jahren das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, wird in
den kommenden zehn Jahren über die Hälfte der Anlagen ersetzt werden müssen. Für
die Verbraucherinnen und Verbraucher ist dabei vor allem entscheidend, wie hoch
die Gesamtkosten sein werden. Dazu zählen nicht nur die Anschaffungskosten für
eine neue Heizungsanlage, sondern auch notwendige Sanierungsmaßnahmen sowie die
langfristigen Kosten für Energieträger und Wartung.
Die neue Wärmekostenstudie des DVGW zeigt, dass eine Brennwerttherme mit grünem
Gas je nach Ort, Gebäudeart und -zustand eine wirtschaftliche Alternative
darstellen kann.
Die Studie analysiert die Gesamtkosten verschiedener Wärmeversorgungslösungen
und vergleicht diese für exemplarische Ein- und Mehrfamilienhäuser mit
unterschiedlichen Effizienzklassen im Zeitraum von 2026 bis 2045. Ziel ist es,
Transparenz über die relevanten Kostenkomponenten zu schaffen und
Marktentwicklungen zu analysieren. Untersucht werden Brennwertthermen mit
Erdgas, Wasserstoff und Biomethan, Wärmepumpen und Fernwärme. In die
Berechnungen fließen sowohl Energiekosten als auch Investitions-, Betriebs- und
Wartungskosten ein.
Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass keine Heiztechnologie pauschal
wirtschaftlich überlegen ist. Welche Wärmeversorgungslösung wirtschaftlich
sinnvoll ist, hängt stark vom jeweiligen Gebäude, der Region, sowie von
regulatorischen und technologischen Entwicklungen ab. Entscheidend für die
Wirtschaftlichkeit sind der energetische Zustand des Gebäudes, die
Infrastrukturkosten und Netzentgelte, sowie der Zeitpunkt des Heizungstauschs.
Vor diesem Hintergrund ist ein diversifizierter Transformationspfad
erforderlich, der regionale und gebäudespezifische Unterschiede in der
Wärmeversorgung berücksichtigt.
Wie stark die Kosten variieren können, zeigt das Beispiel eines teilsanierten
Einfamilienhauses. Bei einem Heizungstausch noch in diesem Jahr reichen die
Gesamtkosten, also die des jährlichen Energiebezugs einschließlich der
anteiligen Anschaffungskosten, von rund 2.700 Euro (Erdgas-Brennwerttherme) bis
zu 5.900 Euro. Die Kostenspannen sind dabei erheblich: Erdgas-Brennwerttherme
(ca. 2.700 bis 3.300 Euro p. a.), Biomethan (ca. 3.200 bis 4.600 Euro p. a.),
Wärmepumpe (ca. 4.000 bis 4.700 Euro p. a., mit staatlicher Förderung 3.000 bis
3.700 Euro p. a.) sowie Fernwärme (ca. 3.000 bis 5.900 Euro p. a.).
Auch wenn Wasserstoff aktuell nicht die günstigste Alternative im Wärmemarkt
ist, kann er mit sinkenden Bereitstellungskosten eine Option für die Zukunft
sein. Regulatorische Entwicklungen, wie zum Beispiel die Bio-Treppe, können den
Markthochlauf grüner Gase unterstützen und sich positiv auf deren Verfügbarkeit
und Preisentwicklung auswirken.
Die Analyse der Wärmekosten erfolgt in einer Phase großer Verunsicherung bei
Endkunden und Entscheidungsträgern, insbesondere mit Blick auf künftige
Energieträger und Kostenentwicklungen. Die Studie des DVGW soll hier
Orientierung bieten und die Entscheidungsfindung im Wärmemarkt unterstützen. Die
Veröffentlichung der gesamten DVGW-Wärmekostenstudie erfolgt Anfang Juni.
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