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Berlin (ots) - Lange Zeit verstand man nach der deutschen Vereinigung unter
Konversion die Umwandlung militärischer Strukturen für eine zivile Nutzung. Vor
allem im Osten Deutschlands. Jetzt erfährt der Begriff eine fatale Umkehrung:
Angesichts teurer Rohstoffe und kriselnder Wirtschaft sehen Konzernlenker in der
Hinwendung zur Aufrüstung einen Ausweg. Jüngstes Beispiel sind Berichte, denen
zufolge im Mercedes-Benz-Konzern darüber nachgedacht wird, direkt ins
Rüstungsgeschäft einzusteigen.
Natürlich wird das mit politischem Pathos zugekleistert. Da die Welt
unberechenbarer geworden sei und Europa seine Verteidigungsfähigkeit ausbauen
müsse, sei das Unternehmen bereit, "dabei eine positive Rolle" zu spielen, sagte
der Konzernchef. Solche Propagandablasen kann er sich sparen, denn erstens ist
an der Produktion von noch mehr Waffen und Munition nichts positiv, und zweitens
geht es um nicht mehr als Geschäft und Gewinn: Man will dabei sein, wenn der
Milliardenkuchen der Militär-Sondervermögen verteilt wird, wenn Rüstungsaktien
boomen und die Kontrolle von Waffenexporten immer mehr zur Makulatur wird. Und
die sogenannten politischen Rahmenbedingungen sind günstig, wenn der Kanzler die
Bundeswehr "konventionell zur stärksten Armee Europas" und der
Verteidigungsminister die Truppe kriegstüchtig machen will.
Dass gerade die deutsche Autoindustrie - auch bei VW wird über Rüstungsprojekte
geredet - dabei sein will, hat maßgeblich damit zu tun, dass sie die Entwicklung
in der eigenen Branche verschlafen hat. Im Beharren auf ihren alten, immer
unattraktiver werdenden Geschäftsmodellen ist sie international erheblich in
Rückstand geraten.
Wenn sie diese vor allem selbst verschuldeten Defizite nun unter anderem mit der
Herstellung von Werkzeug für Mord und Totschlag kompensieren will, stellt das
auch die Gewerkschaften vor verschärfte Fragen beim Kampf um den Erhalt von
Arbeitsplätzen. Das zeigte sich gerade erst wieder beim DGB-Kongress. Geld, das
mit Kriegsgerät verdient wird, stinkt - entgegen einer landläufigen Redewendung
- eben doch gewaltig zum Himmel.
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