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Frankfurt am Main (ots) -
- Anteil der Gründerinnen und Gründer unter 30 Jahren liegt bei 40 Prozent
- Zahl der Existenzgründungen insgesamt steigt 2025 erneut, deutlicher Zugewinn
im Nebenerwerb
- Frauen gründen im Vollerwerb seltener als zuvor
- Menschen mit Einwanderungsgeschichte gründen überproportional häufig
Deutschlands Gründerlandschaft verjüngt sich weiter. Das Durchschnittsalter der
Gründerinnen und Gründer insgesamt lag 2025 in Deutschland bei 34,2 Jahren -
nochmals leicht niedriger als im Vorjahr mit 34,4 Jahren. Der Anteil der
Gründerinnen und Gründer unter 30 Jahren lag im vergangenen Jahr bei 40 Prozent
und damit gleichauf mit dem Rekordwert von 2024. Zum Vergleich: Im Jahr 2002
waren nur 30 Prozent der Gründerinnen und Gründer unter 30 Jahre alt, 2020 waren
es 32 Prozent. Mehr als ein Fünftel der jungen Gründerinnen und Gründer 2025
startete sogar aus dem Studium heraus.
Das sind Ergebnisse des jährlich erscheinenden KfW-Gründungsmonitors, den Dr.
Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, am Dienstag in einem Pressegespräch in
Frankfurt vorstellte. Im Jahr 2025 wurden dafür telefonisch und online
repräsentativ 50.000 Interviews geführt. Der Begriff Gründerinnen und Gründer
ist dabei breit definiert: Dazu zählen Menschen, die sich im Voll- oder
Nebenerwerb, freiberuflich oder gewerblich, per Neugründung, Beteiligung oder
Übernahme selbständig gemacht haben.
Auch der Gründergeist ist unter jungen Menschen am stärksten ausgeprägt. Auf die
Frage, ob sie - unabhängig von ihrer aktuellen persönlichen Situation - lieber
angestellt oder selbstständig wären, antworteten 36 Prozent der Befragten unter
30 Jahren, dass sie lieber selbstständig wären. Das waren mehr als in jeder
anderen Alterskohorte. Im Durchschnitt über alle Altersgruppen präferieren nur
26 Prozent der Bevölkerung die Selbstständigkeit.
Die auf den ersten Blick hohe Zahl bei den Jüngeren kann allerdings nicht
darüber hinwegtäuschen, dass auch bei ihnen die Gründungspräferenz einmal höher
lag. Anfang der Nullerjahre zog noch die Hälfte der Unter-30-Jährigen die
Selbstständigkeit einem Angestelltenverhältnis vor. In der Tendenz hat der
Gründergeist in Deutschland - also die zunächst theoretische Präferenz für eine
Selbstständigkeit - in den vergangenen Jahren abgenommen.
"Wir sehen zwei gegenläufige Trends. Einerseits nehmen vor allem viele junge
Menschen über die Medien erfolgreiche Gründer wahr, seien es
Start-up-Unternehmer oder Influencer, die als Rollenvorbilder für eine
Selbstständigkeit dienen. Andererseits wird in Deutschland im Vergleich zu
früher viel weniger gegründet. Dadurch kommen die Menschen auch seltener mit
Selbstständigen in Kontakt, Rollenvorbilder im direkten Umfeld fehlen", sagt Dr.
Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW.
Insgesamt stieg die Gründungstätigkeit im vergangenen Jahr an. Es gab rund
690.000 Gründerinnen und Gründer - nach 585.000 im Jahr zuvor. Die positive
Entwicklung wurde maßgeblich durch Nebenerwerbsgründungen getrieben. Es gab
483.000 Nebenerwerbsgründungen, im Jahr 2024 waren es 382.000. Dagegen
veränderte sich die Zahl der Gründungen im Vollerwerb kaum und lag bei 206.000.
Seit der Jahrtausendwende ist die Zahl der Gründungen in Deutschland aber
deutlich gesunken, 2002 etwa gab es noch rund 1,5 Millionen Existenzgründungen.
"Die geringere Gründungstätigkeit ist sicherlich auch dem über ein Jahrzehnt gut
gelaufenen Arbeitsmarkt geschuldet, der vielen Menschen attraktive
Arbeitsverhältnisse bot", sagt Schumacher.
Weitere zentrale Ergebnisse des KfW-Gründungsmonitors:
- Gründerinnen: Der Anteil der Gründerinnen lag 2025 bei 35 Prozent, einen
Prozentpunkt niedriger als 2024 - und unter dem langjährigen Durchschnitt von
39 Prozent. Der Rückgang resultierte maßgeblich aus den Vollerwerbsgründungen,
bei denen der Gründerinnenanteil von 33 Prozent auf 27 Prozent einknickte. Bei
den Nebenerwerbsgründungen blieb der Gründerinnenanteil stabil zum Vorjahr bei
38 Prozent.
- Menschen mit Einwanderungsgeschichte: 34 Prozent der Gründerinnen und Gründer
im Jahr 2025 hatten eine Einwanderungsgeschichte. Das heißt, sie selbst oder
beide Elternteile sind seit 1950 nach Deutschland eingewandert. Damit
gründeten Personen mit Einwanderungshistorie relativ zu ihrem
Bevölkerungsanteil überproportional häufig.
- Digitalisierung: Im Jahr 2025 bauten 44 Prozent der Existenzgründungen auf
digitale Angebote - ein neuer Rekordwert. Kundinnen und Kunden müssen also
digitale Technologien einsetzen, um die Produkte und Dienstleistungen des
Unternehmens nutzen zu können. Ein Jahr zuvor waren es 36 Prozent. Der Trend
zu digitalen Angeboten nimmt seit Jahren kontinuierlich zu.
- Gründungsform: 86 Prozent der Gründungen waren Neugründungen. Derivative
Gründungen, also Existenzgründungen, die auf bereits bestehenden Unternehmen
aufbauen, waren mit 14 Prozent dementsprechend selten.
"Es ist erfreulich, dass wieder mehr Menschen in Deutschland ein Unternehmen
ganz neu gründen und damit womöglich eine innovative Geschäftsidee umsetzen. Der
Wirtschaftsstandort Deutschland benötigt kreative und mutige Unternehmerinnen
und Unternehmer", sagt Schumacher. "Tatsache ist aber auch: Es gibt sehr viele
gute Unternehmen, die eine neue Führung benötigen. Das Durchschnittsalter der
Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland liegt bei über 54 Jahren. Viele
von ihnen suchen händeringend nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. Ein
Umdenken ist dringend erforderlich: Nicht nur sollten sich noch mehr Menschen in
Deutschland überlegen, zu gründen. Deutlich mehr sollten auch erwägen, ein
bestehendes Unternehmen zu übernehmen."
Der KfW-Gründungsmonitor ist abrufbar unter KfW-Gründungsmonitor | KfW (https://
www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/KfW-Research/KfW-Gr%C3%BCndungsmonitor.html)
Eine Grafik zum Alter der Gründerinnen und Gründer finden Sie unter Grafik
Gründungsalter | KfW (https://www.kfw.de/Presse-Newsroom/Pressematerial/Grafiken
-PE/Gr%C3%BCndungsmonitor-2026.jpg)
Pressekontakt:
KfW, Palmengartenstr. 5 - 9, 60325 Frankfurt
Konzernkommunikation und Markensteuerung (KK), Nina Luttmer,
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