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Dortmund (ots) - Wie bleibt Nordrhein-Westfalen in einem herausfordernden
Marktumfeld ein starker Industriestandort - und welche Infrastruktur braucht es
dafür? Diese Frage stand im Mittelpunkt des fünften Thyssengas Dialogs am Montag
im Dortmunder U. Unter dem Leitthema "Grüne Gase für den Industriestandort NRW"
diskutierten rund 150 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und
Behörden über die künftige Gasversorgung. Was im Verlauf der Veranstaltung immer
wieder deutlich wurde: Es geht jetzt darum, Handlungsspielräume zu nutzen und
Schritt für Schritt ins Machen zu kommen, auch wenn viele Rahmenbedingungen noch
unklar sind.
"Nordrhein-Westfalen muss ein starker Wirtschafts- und Industriestandort bleiben
- heute und für alle kommenden Generationen. Dafür brauchen wir langfristige
Rahmenbedingungen und müssen Infrastrukturen, Energieträger und Sektoren
zusammendenken: für Versorgungssicherheit, Resilienz und Dekarbonisierung",
eröffnete Dr. Stefanie Kesting , Gastgeberin des Dialogs und CEO der Thyssengas
GmbH, die Veranstaltung.
Für Kesting, die seit Anfang des Jahres an der Spitze von Thyssengas steht, ist
klar: Der Gasmarkt verändert sich - und damit auch die Anforderungen an
Fernleitungsnetzbetreiber. Der sichere und zuverlässige Transport von Gas bleibt
die zentrale Aufgabe. Darauf aufbauend entwickelt Kesting den Ansatz von
Thyssengas weiter: Das Unternehmen versteht sich stärker als
Transformationspartner für Industrie, Kraftwerke, Stadtwerke und Regionen.
Ziel ist es, frühzeitig zu erkennen, welche Energieträger wann und wo benötigt
werden, Nachfrage zu bündeln und Akteure entlang der Wertschöpfungskette
zusammenzubringen.
Dafür verfolgt Thyssengas einen technologieoffenen Portfolioansatz. Je nach
Standort und Bedarf prüft das Unternehmen, welche Optionen technisch machbar,
wirtschaftlich tragfähig und perspektivisch anschlussfähig sind. "Die Industrie
braucht Orientierung und konkrete Optionen: Erdgas für eine verlässliche
Energieversorgung, Biomethan als sofort verfügbaren Baustein der
Dekarbonisierung und Wasserstoff als Perspektive für klimaneutrale
Produktionsprozesse", so Kesting. Dennoch sind die politischen Rahmenbedingungen
wichtig. "Aktuell erleben wir teils sprunghafte politische
Grundsatzentscheidungen in einer immer höheren Frequenz, ergänzt um
geopolitische Krisen. Die Energiewirtschaft darf dabei nicht zum Spielball von
kurzfristigen politischen Interessen, geopolitischen Spannungen und volatilen
gesellschaftlichen Erwartungen werden."
Transformation wird zur Standortfrage
Kaum ein Sektor steht so stark unter Druck wie die Stahlindustrie. Sie muss CO2
einsparen, international wettbewerbsfähig bleiben und ihre Produktion im
laufenden Betrieb absichern.
"Die Transformation der Stahlindustrie ist ein Epochenumbruch. Sie erfordert
eine technologische, organisatorische und wirtschaftliche Neuaufstellung - mit
dem Ziel, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit zu verbinden. Damit das gelingt,
brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Energiepreise und
eine Infrastruktur, die zeitgenau mit den Bedarfen der Industrie wächst,"
betonte Dr. Marie Jaroni , CEO von thyssenkrupp Steel Europe, im Rahmen der
Veranstaltung.
Grüne Transformation dürfe nicht als Ende industrieller Stärke verstanden
werden, sondern als Beginn einer neuen industriellen Ära. Ihre Perspektive
unterstrich: Industrielle Transformation und Infrastrukturentwicklung müssen
ineinandergreifen. Grüne Gase werden nur dann zum Standortfaktor, wenn sie
verlässlich verfügbar sind und rechtzeitig dort ankommen, wo die Industrie sie
braucht. Für den Wasserstoff-Hochlauf kann die Stahlindustrie dabei eine
Schlüsselrolle übernehmen - als Ankerkunde und industrieller Motor.
Wasserstoff-Hochlauf beginnt bei der Erzeugung
Woher kommen grüne Gase, allen voran Wasserstoff, künftig? Dr. Max Ellerich ,
Business Development Director bei Hystar, richtete seinen Blick auf die
Produktionsseite. Hystar entwickelt Elektrolyseure und arbeitet damit an einer
zentralen Voraussetzung für den Wasserstoff-Hochlauf. Für Ellerich ist klar: Die
Technologie entwickelt sich dynamisch weiter und bietet großes Potenzial,
Wasserstoff künftig effizienter und kostengünstiger zu produzieren. Entscheidend
sei nun, Vertrauen in die Technologie aufzubauen und in konkreten Projekten zu
zeigen, dass sie industriell funktioniert. Dafür brauche es den Mut, ins Machen
zu kommen - ebenso wie verlässliche Rahmenbedingungen und konkrete
Abnahmezusagen.
H2-Wertschöpfungskette: Vom Import zum Verbraucher
Ob der Wasserstoff-Hochlauf gelingt, entscheidet sich an der Schnittstelle von
Import, Transport und Verbrauch. Jan Eisenberg , Leiter Netzpartner und
technische Verträge bei Thyssengas, erläuterte, wie Thyssengas internationale
Importperspektiven mit konkreten Bedarfen in NRW zusammenführt. Ulrich Reuter ,
NRW-Repräsentant des Port of Rotterdam, sowie Sebastian Kaemmer und Harry Smit
von Hynetwork, der Tochter des niederländischen Gasnetzbetreibers Gasunie,
ordneten die Rolle niederländischer Wasserstoff-Importe für NRW ein. Klar wurde:
Der Hochlauf grüner Gase braucht grenzüberschreitende Zusammenarbeit - und den
Anschluss an konkrete regionale Versorgungsperspektiven.
Wie das vor Ort gelingen kann, verdeutlicht die geplante H2-Netzerweiterung im
Raum Düsseldorf/Neuss. Ansgar Taubitz , Referent Strategie bei Thyssengas,
erklärte, wie Thyssengas regionale Nachfrage bündelt, Cluster entwickelt und
Erweiterungen des H2-Kernnetzes vorbereitet. Das Fallbeispiel zeigt: Auch wenn
die regulatorischen Rahmenbedingungen noch nicht vollständig geklärt sind,
treibt Thyssengas die regionale Netzplanung frühzeitig voran und bringt lokale
Partner zusammen.
"Für uns Stadtwerke zählt, ob Wasserstoff vor Ort planbar wird. Unternehmen und
Kommunen brauchen konkrete Anschluss- und Versorgungsperspektiven. Nur dann
können wir investieren, planen und die Transformation der Region aktiv
gestalten", betonte Thomas Walkiewicz , Geschäftsführer der Stadtwerke Neuss.
Transformation entscheidet sich in den Regionen
Die besondere Bedeutung regionaler Projekte griffen auch Stephan Pusch , Landrat
des Kreises Heinsberg, und Guido Beckers , Geschäftsführer von BMR energy
solutions, auf. Anhand des Projekts H2HS machten sie deutlich, wie
Wasserstoff-Versorgung aus der Region heraus gedacht und vorbereitet werden
kann, gemeinsam mit Kommunen, Wirtschaft und Infrastrukturpartnern.
"Wir brauchen für die Regionen eine Art Businessplan: Wo wollen wir hin, was
können wir vor Ort selbst anstoßen und wo brauchen wir Unterstützung von außen?
Der erste Schritt sind lokale Netzwerke. Dort zeigt sich, welche Projekte
konkret möglich sind und welche Partner es dafür braucht", sagte Stephan Pusch.
Biomethan als pragmatischer Baustein der Dekarbonisierung
Neben Wasserstoff stand auch die Rolle von Biomethan im Fokus des Dialogs. In
einem Praxisimpuls erläuterten Jan Müller , Geschäftsführer von Shell Germany
Biogas, Dr. Marc Fiebrandt , Referent Strategie bei Thyssengas, und Sascha
Tenholter , Teamleiter Biogas bei Thyssengas, wie der Energieträger bereits
heute zur Emissionsminderung beitragen kann. Shell und Thyssengas arbeiten
daran, Biomethan über bestehende Gasinfrastrukturen nutzbar zu machen und in das
Netz einzuspeisen. Deutlich wurde: Biomethan kann die Resilienz der
Energieversorgung stärken, weil es speicherbar, grundlastfähig einsetzbar,
europäisch verankert und lokal verfügbar ist.
Hochlauf grüner Gase braucht Führung und Zusammenspiel
In der abschließenden Podiumsdiskussion erörterten Dr. Stefanie Kesting , Dr.
Kirsten Westphal , Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDEW, Dr. Gerhard
Holtmeier , Vorsitzender der Geschäftsführung von DEW21, Stephan Pusch , Dr. Max
Ellerich und Jan Müller , welche Voraussetzungen jetzt für eine erfolgreiche
Transformation geschaffen werden müssen. Einigkeit bestand darin, dass der Umbau
des Energiesystems nur gemeinsam gelingen kann. Die Rahmenbedingungen bleiben
schwierig, Wirtschaftlichkeit ist eine zentrale Voraussetzung und die
Transformationsaufgabe groß. Umso wichtiger sind Menschen und Unternehmen, die
Verantwortung übernehmen und konkrete Schritte gehen. Dafür braucht es eine
integrierte Sicht auf Strom- und Gasinfrastruktur und ein engeres Zusammenspiel
von Industrie, Kommunen, Netzbetreibern und Politik. Nur so lassen sich
Versorgungssicherheit, Klimaschutz, Resilienz und Wirtschaftlichkeit miteinander
verbinden.
"Transformation gelingt nicht, wenn jeder auf perfekte Bedingungen wartet",
resümierte Dr. Stefanie Kesting zum Abschluss. "Sie gelingt, wenn Akteure
frühzeitig aufeinander zugehen, gemeinsame Interessen erkennen und sich
gegenseitig Investitionssicherheit geben, um in die Umsetzung zu kommen. Genau
dafür haben wir den Thyssengas Dialog seit 2022 als Plattform etabliert - als
Auftakt für weitere Gespräche, neue Impulse und die gemeinsame Zusammenarbeit an
konkreten Lösungen."
Die Aufzeichnung des Thyssengas Dialogs #05 ist auf
https://www.thyssengasdialog.com abrufbar.
Über Thyssengas
Die Thyssengas GmbH ist ein deutscher Fernleitungsnetzbetreiber. Hauptsitz des
Unternehmens, das im Jahr 2021 sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat, ist
Dortmund. Thyssengas betreibt ein rund 4.400 Kilometer langes Gasnetz - zum
Großteil in Nordrhein-Westfalen, einzelne Leitungen aber auch in Niedersachsen.
Darüber werden sowohl nachgelagerte Verteilnetzbetreiber als auch
Industriebetriebe und Kraftwerke versorgt. Für die klimaneutrale Zukunft setzt
Thyssengas auf den gasförmigen Energieträger Wasserstoff. Der Dortmunder
Netzbetreiber engagiert sich dazu in zahlreichen Initiativen. Gleichzeitig
investiert er gezielt in die Umstellung seines Leitungssystems, um einen
schnellen Wasserstoff-Hochlauf als Teil der Energiewende möglich zu machen. An
acht Standorten im Netzgebiet beschäftigt das Unternehmen aktuell rund 550
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Tendenz steigend.
Pressekontakt:
Peter Alexewicz
Leiter Kommunikation und Energiepolitik
mailto:presse@thyssengas.com
0231 91291 3189
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/32019/6277736
OTS: Thyssengas GmbH
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