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Hamburg (ots) - Iranische Gemeinschaften in ganz Deutschland mobilisieren für
das, was die Organisatoren als die größte Protestkundgebung der iranischen
Opposition bezeichnen, die jemals in Europa stattgefunden hat. Mehr als 100.000
Menschen werden am 20. Juni in Paris erwartet, um die Welle politischer
Hinrichtungen im Iran zu verurteilen und die Errichtung einer demokratischen
Republik zu unterstützen.
Aktivisten berichten, dass die Vorbereitungen in Dutzenden deutschen Städten
laufen, darunter Berlin, Hamburg, Frankfurt, Köln, München und weitere
Ballungszentren. Die Organisatoren sprechen von einem beispiellosen Engagement
innerhalb der iranischen Diaspora. Ganze Familien beteiligen sich ehrenamtlich
an den Vorbereitungen - in der Überzeugung, dass dieser Tag zu einem Wendepunkt
der internationalen Kampagne gegen die herrschende Theokratie in Teheran werden
könnte.
"Das wird unser größter Protest aller Zeiten", sagte der Iran- und
Islamismus-Experte sowie Jurist Hanif Mahoutchiyan (29), der die Vorbereitungen
in Hamburg unterstützt. "Junge Iraner spüren, dass sich etwas Grundlegendes
verändert. Wir wollen, dass die Welt versteht: Das iranische Volk lehnt sowohl
die Diktatur des Schahs als auch die religiöse Tyrannei ab und ruft nach
Freiheit."
Die Kundgebung am 20. Juni in Paris, organisiert von Unterstützern des
Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI), findet vor dem Hintergrund eines
drastischen Anstiegs von Hinrichtungen im Iran statt. Allein in den vergangenen
zwei Monaten wurden mindestens 25 politische Dissidenten hingerichtet - viele
von ihnen nach Verfahren, die Menschenrechtsgruppen als Scheinprozesse und
erzwungene Geständnisse bezeichnen.
Ein erheblicher Teil der Hingerichteten stand in Verbindung mit der Organisation
der Volksmojahedin Iran (PMOI/MEK), der wichtigsten Oppositionsbewegung, die
nach Angaben von Aktivisten eine führende Rolle bei Widerstandsaktivitäten im
Land spielt, darunter auch beim Aufstand im Januar 2026. Dutzende
PMOI-Aktivisten befinden sich derzeit in der Todeszelle. Die übrigen Opfer waren
Teilnehmer des Aufstands von 2026. Einige der Gehängten waren erst 18 oder 19
Jahre alt, darunter Meister im Ringen und Karate.
Die Organisatoren des Mega-Protests werfen Teheran vor, das Klima des Krieges
auszunutzen, um seine Hinrichtungswelle zu verschleiern, mit der ein weiterer
landesweiter Aufstand verhindert werden soll. Ihrer Ansicht nach fürchtet das
Regime die wachsende Stärke des organisierten Widerstands.
"Das Regime benutzt den Krieg als Deckmantel für Repression", sagte die
Soziologin und Frauenrechtlerin Nina Passian aus Karlsruhe, die seit mehr als
zwei Jahrzehnten an Demonstrationen gegen das Regime teilnimmt. "Ich gehe seit
Jahren zu Protesten, aber die Stimmung heute ist völlig anders. Es gibt Schmerz
und Wut, natürlich, aber auch echte Hoffnung. Die Menschen glauben, dass
Veränderung greifbar geworden ist."
Aktivisten, die an der Mobilisierung beteiligt sind, sagen, dass die Kampagne
weit über traditionelle politische Kreise hinausreicht. Neben Kampagnen in
sozialen Medien und Online-Organisierung verteilen Freiwillige Flugblätter,
organisieren Treffen in den Gemeinden und sprechen gezielt jüngere Generationen
an, die außerhalb Irans geboren wurden.
"In manchen Familien engagieren sich buchstäblich drei Generationen gemeinsam",
sagte ein Organisator in Köln. "Viele Menschen hier waren selbst inhaftiert oder
haben Angehörige im Iran verloren. Aber trotz dieses Leids liegt eine ernsthafte
Hoffnung in der Luft."
Die Demonstrierenden wollen westliche Regierungen, insbesondere Deutschland und
andere europäische Staaten, dazu auffordern, sich wesentlich entschiedener gegen
die Hinrichtungen zu positionieren. Aktivisten bezeichnen das derzeitige
Schweigen vieler europäischer Hauptstädte als "völlig inakzeptabel".
Zudem fordern sie Berlin auf, die Rolle des organisierten Widerstands im Iran
anzuerkennen und das zu unterstützen, was sie als Regimewechsel durch das
iranische Volk und den organisierten Widerstand bezeichnen. Die Demonstrierenden
betonen, dass inzwischen deutlich geworden sei, dass eine ausländische
Militärintervention keine Lösung darstellt. Stattdessen rufen sie zu politischer
und moralischer Unterstützung für den Kampf des iranischen Volkes um
demokratischen Wandel auf.
Nach Angaben der Organisatoren soll die Pariser Massenkundgebung mit 100.000
Teilnehmern mehr bewirken, als nur Repression zu verurteilen. Sie soll das
internationale Denken über Iran verändern und zeigen, dass es eine demokratische
Alternative sowohl zur herrschenden Theokratie als auch zur Rückkehr der
Monarchie gibt.
Für viele, die sich aus Deutschland auf den Weg nach Paris vorbereiten, ist die
Kundgebung nicht nur ein Protest, sondern ein Moment historischer Möglichkeit.
Autor ist FARBOD MAHOUTCHIYAN. Er ist Experte in den Bereichen Menschenrechte,
Kinderschutz, Migration, Krisenintervention und Stärkung der Zivilgesellschaft
sowie für Menschenrechtsfragen im Iran mit Schwerpunkt politische Gefangene und
Todesstrafe.
Pressekontakt:
Martin Patzelt, ehem. Mitglied des Deutschen Bundestages
E-Mail: mailto:martin.patzelt.dsfi@gmail.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/146655/6277936
OTS: Unabhängige Humanitäre Hilfe e.V. (UNHH e.V.)
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