|
Hamburg (ots) - Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat Recherchen des NDR
bestätigt, wonach Russland im Ostseeraum mutmaßlich großflächig die
Navigationssignale für den Luft- und Seeverkehr stört. "Natürlich sind das
hybride Attacken, die wir nicht als neue Normalität hinnehmen dürfen", sagt
Kallas in der ARD Story "Unsichtbarer Angriff", die das Erste am Dienstag, 26.
Mai um 22.50 Uhr ausstrahlt.
Für ihren Film haben die NDR Reporter Lennart Banholzer und Simon Hoyme mit
Flug- und Schiffskapitänen mehrerer Länder sowie mit Sicherheitsexperten
gesprochen. Der deutsche Pilot Niklas Ahrens von der "Vereinigung Cockpit"
spricht von "Besorgnis" unter Kollegen, weil es durch gestörte oder verfälschte
GPS-Signale, dem sogenannten "Jamming" und "Spoofing", "zu einer großen Zahl an
Fehlwarnungen kommt." Üblich sei, im Cockpit dann einen Teil des
Sicherheitssystems abzuschalten. "Wir nehmen uns so aber auch das
Sicherheitsnetz", so Ahrens weiter, "was uns in bestimmten Fällen geschützt
hätte." Ein Pilot einer dänischen Airline berichtet den NDR Autoren, dass die
Störungen seit 2022 stark zugenommen hätten. Von Kollegen, etwa auf Routen nach
Finnland oder ins Baltikum, wisse er, "dass sie es täglich haben."
Den NDR Recherchen zufolge ist von den GPS-Störungen auch der Seeverkehr
betroffen. "Ich befürchte wirklich, dass irgendwann ein Schiff auf Grund läuft
oder es eine Kollision gibt", sagt dazu im Film Magnus Winberg von der
finnischen Seefahrtsakademie Aboa Mare.
Dem britischen Royal Institute of Navigation zufolge sollen die Störsignale in
Kriegszonen vor allem feindliche Drohnen ablenken. Russland sende solche
Störsignale aber weit über das Konfliktgebiet hinaus. Auch den Absturz einer
aserbaidschanischen Passagiermaschine mit 38 Todesopfern im Jahr 2024 führt das
Institut laut NDR auf solche Störungen zurück.
Laut Sicherheitsexperte Nico Lange gehören die GPS-Störungen "für Russland ganz
sicher in den Bereich der Kriegführung". Vieles deute darauf hin, so Lange in
der Doku, "dass sich Russland zumindest gedanklich, aber auch planerisch mit der
Frage militärischer Operationen im Ostseeraum beschäftigt. Die sind dann gegen
die Anrainerstaaten gerichtet. Auch gegen uns."
Auf Anfrage des NDR bestätigte die Lufthansa, dass GPS-Störungen "eine
schwerwiegende Beeinträchtigung der Sicherheit der Zivilluftfahrt" darstellten.
Man sehe die Sicherheit der Passagiere aber "durch bestehende Systeme
gewährleistet". Die Russische Botschaft in Berlin nannte die Vorwürfe dem NDR
zufolge "unbegründet" und "haltlos".
Die ARD Story "Unsichtbarer Angriff: Wie Russlands Störsignale Europa bedrohen"
(Autoren: Lennart Banholzer und Simon Hoyme/Redaktion im NDR: Klaus Scherer)
wird am Dienstag, 26. Mai, um 22.50 Uhr im Ersten ausgestrahlt und ist bereits
ab Sonnabend, 23. Mai, in der ARD Mediathek zu sehen.
Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Unternehmenskommunikation
Presse und Kommunikation
Mail: mailto:presse@ndr.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/69086/6280535
OTS: NDR / Das Erste
|