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Berlin (ots) - Sehr große Teile der Bevölkerung in Deutschland fordern mehr
staatliche Investitionen und umfangreiche Reformen im Bildungssystem, um
insbesondere von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffenen Kindern mehr
Bildungschancen zu bieten. Dabei sprechen sich sowohl die Erwachsenen als auch
die befragten Kinder und Jugendlichen für einheitliche Bildungsstandards und
Bildungsbedingungen in ganz Deutschland unabhängig vom Bundesland aus, zudem
sollte Bildung von der Kita bis zur Schule generell kostenfrei sein. Das sollte
einhergehen mit mehr qualifiziertem Personal an Schulen und Kitas, um
pädagogische Fachkräfte von organisatorischen Aufgaben zu entlasten. Auch die
stärkere Zusammenarbeit der verschiedenen Bildungsinstitutionen wie Kita, Schule
oder Jugendarbeit wird ebenso priorisiert wie die Forderung nach einem
verpflichtenden und schnellen Zugang geflüchteter Kinder zur Schule.
Das sind zentrale Ergebnisse einer repräsentativen forsa-Umfrage unter
Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen im Auftrag des Deutschen
Kinderhilfswerkes für den Kinderreport 2026, den die Vizepräsidentin des
Deutschen Kinderhilfswerkes, Anja Siegesmund, die Bundesbildungsministerin Karin
Prien und der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, Holger
Hofmann, heute in Berlin vorstellten. Als wichtige Maßnahmen, um Mitbestimmung,
Teilhabe und demokratisches Lernen von Kindern und Jugendlichen in Kita und
Schule zu fördern, werden insbesondere eine verbindliche Demokratiebildung in
Schulen und mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler im
Schulalltag bewertet. Sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder und
Jugendlichen sprechen sich darüber hinaus für verbindliche Lern- und
Sprachförderangebote sowie eine flächendeckende Schulsozialarbeit und mehr
psychosoziale Beratungsmöglichkeiten aus, um insbesondere die Bildungschancen
sozial benachteiligter Kinder zu verbessern. Das gilt auch für
Unterstützungsangebote für Familien in belasteten Lebenslagen.
"In Deutschland hängen Bildungs- und Teilhabechancen weiterhin in hohem Maße von
sozialer Herkunft, Wohnort oder Aufenthaltsstatus ab. Diese Ungleichheiten
widersprechen dem Recht jedes Kindes auf diskriminierungsfreien Zugang zu
Bildung und auf bestmögliche Entwicklung. Bildung ist der Schlüssel für
gesellschaftliche Teilhabe und für den chancengerechten Zugang zu einer
angemessenen beruflichen Entwicklung", betont Anja Siegesmund, Vizepräsidentin
des Deutschen Kinderhilfswerkes . "Deshalb braucht es jetzt entschlossenes
politisches Handeln von Bund, Ländern und Kommunen. Ein chancengerechtes
Bildungssystem ist die Grundlage für die Verwirklichung der Kinderrechte und für
eine demokratische und soziale Gesellschaft. Das beginnt bei der frühkindlichen
Bildung und setzt sich in der Schule fort. Zukunftschancen entstehen, wo alle
Kinder gefördert werden, statt soziale Ungleichheiten zu verstärken. Dafür sind
im Zuge des Ganztagsausbaus massive Investitionen in Gebäude, Ausstattung und
multiprofessionelle Teams notwendig. Bildung endet aber nicht am Schultor.
Außerschulische Bildung und Offene Kinder- und Jugendarbeit sind unverzichtbar,
um Teilhabe zu ermöglichen, soziale Benachteiligung auszugleichen und
demokratische Kompetenzen zu stärken. Auch diese brauchen gute
Rahmenbedingungen, eine Beteiligung in den kommunalen Bildungslandschaften auf
Augenhöhe und gezielt und mehr finanzielle Mittel."
Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien : "Bildung ist der Schlüssel
zu fast allen Herausforderungen, vor denen unser Land steht. Deshalb ist
Bildungsgerechtigkeit eine Zukunftsfrage für unser ganzes Land. Denn ob Kinder
ihre Talente entfalten können, ob sie selbstbestimmt ihr Leben gestalten und
ihren Weg gehen, später Verantwortung übernehmen, darf nicht von Herkunft,
Einkommen oder dem sozialen Umfeld abhängen. Bildungschancen entscheiden über
gesellschaftlichen Zusammenhalt, wirtschaftliche Stärke und die
Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaft. Deshalb stellen wir Kinder und
Jugendliche konsequent in den Mittelpunkt unserer Politik.
Wir investieren gezielt in frühe Bildung, weil sich gerade in der Kita
entscheidet, mit welchen Chancen Kinder ins Leben starten. Mit dem
Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz stärken wir die Sprachförderung und
unterstützen besonders die Kinder, die auf Hilfe und Förderung angewiesen sind.
Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung schaffen wir mehr Teilhabe, fördern
Begabungen und Talente und eröffnen Kindern bessere Entwicklungsmöglichkeiten ab
dem Grundschulalter. Und mit dem Startchancen-Programm investieren Bund und
Länder gezielt dort, wo die Herausforderungen am größten sind: in Schulen in
herausfordernden Lagen. Über eine Laufzeit von zehn Jahren investieren wir in
moderne Lernumgebungen, in Chancenbudgets für passgenaue Schul- und
Unterrichtsentwicklung sowie in zusätzliches Personal zur Stärkung
multiprofessioneller Teams.
Unser Ziel ist klar: Wir wollen ein Bildungssystem, das Talente fördert und
gerade den Kindern bessere Chancen eröffnet, die auf Unterstützung angewiesen
sind."
Ausgewählte Ergebnisse der Umfrage für den Kinderreport 2026 im Einzelnen:
Veränderungen im Bildungssystem
Um sozial benachteiligten Kindern bessere Bildungschancen zu ermöglichen, halten
die erwachsenen Befragten es in erster Linie für (sehr) wichtig, für mehr
zusätzliches und qualifiziertes Personal an Schulen und Kitas zu sorgen, um
pädagogische Fachkräfte von organisatorischen Aufgaben zu entlasten. 93 Prozent
sind dieser Meinung. Große Zustimmung (91 Prozent) findet auch die Forderung
nach einheitlichen Bildungsstandards und -bedingungen in ganz Deutschland,
unabhängig vom Bundesland. Eine hohe Bedeutung kommt aus Sicht der erwachsenen
Bevölkerung (90 Prozent) zudem einer kostenfreien Bildung von der Kita bis zur
Schule, einschließlich Lern- und Unterrichtsmaterialien zu. Auch eine stärkere
Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bildungseinrichtungen wie Kita, Schule
oder Jugendarbeit findet große Zustimmung (88 Prozent), ebenso eine stärkere
finanzielle Förderung von Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter
Kinder (84Prozent). 80 Prozent halten einen verpflichtenden und schnellen Zugang
von geflüchteten Kindern zur Schule in Deutschland, unabhängig vom Bundesland
und möglichst direkt nach ihrer Ankunft, für (sehr) wichtig. Vergleichsweise
seltener, aber immer noch von der Mehrheit der Befragten, wird ein längeres
gemeinsames Lernen von Kindern mit unterschiedlichen Leistungsniveaus als
wichtig oder sehr wichtig genannt (59 Prozent).
Als wichtigste Maßnahme sehen es die Kinder und Jugendlichen an (88 Prozent),
dass Kitas, Schulen und Schulmaterial für alle Kinder kostenlos sind. 87 Prozent
sind der Meinung, dass in Deutschland für alle Schulen ähnliche Regeln gelten
sollten, damit alle Kinder die gleichen Chancen bekommen. Dass geflüchtete
Kinder, die nach Deutschland kommen, schnell in die Schule gehen können sollten,
meinen 78 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Eine stärkere Zusammenarbeit
zwischen Schulen, Kitas und anderen Angeboten für Kinder wie beispielsweise
Jugendtreffs halten 72 Prozent für (sehr) wichtig. Rund zwei Drittel der Kinder
und Jugendlichen (69 Prozent) sind der Meinung, dass es in Schulen mehr
Erwachsene geben sollte, die helfen, damit Lehrkräfte mehr Zeit für den
Unterricht haben. 61 Prozent der sind der Ansicht, dass Schulen mit vielen
Kindern aus armen Familien stärker finanziell gefördert werden sollten. Und
etwas seltener wird ein längeres gemeinsames Lernen von Kindern mit
unterschiedlichen Leistungsniveaus als (sehr) wichtig bewertet (49 Prozent).
Maßnahmen zur direkten Unterstützung sozial benachteiligter Kinder in der Schule
Als (sehr) wichtige Maßnahme zur direkten Unterstützung sozial benachteiligter
Kinder im Schulalltag, um diesen bessere Bildungschancen zu ermöglichen, werden
vor allem verbindliche Lern- und Sprachförderangebote (94 Prozent) angesehen.
Eine große Mehrheit hält auch Unterstützungsangebote für Familien in belasteten
Lebenslagen (91 Prozent) für (sehr) wichtig. Als weitere wichtige Maßnahme wird
von den Erwachsenen eine flächendeckende Schulsozialarbeit und psychosoziale
Beratung von Schülerinnen und Schülern angesehen. 87 Prozent halten das für
(sehr) wichtig. Zudem wird der Ausbau von Ganztagsangeboten an Schulen (82
Prozent) mehrheitlich als (sehr) wichtig bewertet. Etwas seltener (70 Prozent)
wird eine individuellere Leistungsbewertung über klassische Noten hinaus als
(sehr) wichtig eingeschätzt.
Um sozial benachteiligten Kindern bessere Bildungschancen zu ermöglichen,
sprechen sich die Kinder und Jugendlichen in erster Linie für Lern- und
Sprachförderangebote aus. Insgesamt 88 Prozent halten das für (sehr) wichtig.
Als besonders wichtig erachten die Kinder und Jugendlichen (86 Prozent) auch
Unterstützungsangebote für Familien in belasteten Lebenslagen. Und auch mehr
Ansprechpersonen in der Schule, beispielsweise in der Schulsozialarbeit, sehen
die Kinder und Jugendlichen als wichtige Maßnahme (81 Prozent) zur direkten
Unterstützung sozial benachteiligter Kinder an. Dass schulische Leistungen nicht
nur mit Noten bewertet werden sollten, bewerten 74 Prozent der Kinder und
Jugendlichen als (sehr) wichtig. Und mehr Ganztagsangebote zum Lernen, Spielen
und Ausprobieren sehen 71 Prozent als (sehr) wichtige Maßnahme an, um sozial
benachteiligte Kinder in der Schule direkt zu unterstützen.
Maßnahmen zur Förderung von Mitbestimmung, Teilhabe und demokratischem Lernen in
Kita und Schule
Als wichtige Maßnahmen, um Mitbestimmung, Teilhabe und demokratisches Lernen von
Kindern und Jugendlichen in Kita und Schule zu fördern, wird von den Erwachsenen
(88 Prozent) insbesondere eine verbindliche Demokratiebildung in Schulen
bewertet, um Wissen und Fähigkeiten für ein demokratisches Zusammenleben zu
vermitteln. Rund drei Viertel der Erwachsenen (78 Prozent) halten zudem mehr
projektbasierten Unterricht, der Schule stärker mit dem sozialen Umfeld
verbindet, für (sehr) wichtig. Etwa zwei Drittel der Erwachsenen (67 Prozent)
sehen außerdem verbindliche Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schülerinnen und
Schüler, um den Schulalltag aktiv mitzugestalten, als (sehr) wichtig an. Mehr
Möglichkeiten für Kinder, in Kitas bei Entscheidungen mitzubestimmen, halten 40
Prozent der erwachsenen Befragten für (sehr) wichtig.
Damit Kinder und Jugendliche in Kita und Schule mitbestimmen können und lernen,
wie Demokratie funktioniert, halten 94 Prozent der befragten Kinder und
Jugendlichen es für (sehr) wichtig, dass in der Schule gelernt wird, wie
Demokratie funktioniert und wie man fair miteinander umgeht. 88 Prozent bewerten
es als (sehr) wichtig, dass Schülerinnen und Schüler in der Schule in der Regel
mitentscheiden können, zum Beispiel bei Regeln oder Projekten. Dass es in der
Schule mehr Projekte geben sollte, bei denen Schülerinnen und Schüler mit
anderen Bereichen außerhalb der Schule zusammenarbeiten, beispielsweise mit
Vereinen oder der Nachbarschaft, halten 70 Prozent für (sehr) wichtig.
Mitbestimmungsmöglichkeiten für Kinder bereits in Kitas sehen 41 Prozent der
Kinder und Jugendlichen als (sehr) wichtig an.
Für den Kinderreport 2026 wurden im Januar 2026 im Auftrag des Deutschen
Kinderhilfswerkes von der forsa Gesellschaft für Sozialforschung und
statistische Analysen mbH zwei Erhebungen durchgeführt: Befragt wurden 1.006
Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren sowie 1.002 Erwachsene
(Allgemeinbevölkerung ab 18 Jahren). Beide Befragungen wurden als
Online-Befragung im Rahmen des repräsentativen Online-Panels forsa.omninet
durchgeführt. Alle Fragen wurden Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen
gleichermaßen gestellt, allerdings wurde den Kindern und Jugendlichen ein
Fragebogen mit Formulierungen vorgelegt, die der Altersgruppe angepasst worden
waren. Die ermittelten Ergebnisse können lediglich mit den bei allen
Stichprobenerhebungen möglichen Fehlertoleranzen (im vorliegenden Fall +/- 3
Prozentpunkte) auf die Gesamtheit der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland
bzw. der Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren übertragen werden.
Der Kinderreport 2026 des Deutschen Kinderhilfswerkes, die Fragen und Ergebnisse
der Umfragen für den Kinderreport 2026 sowie eine Zusammenfassung des
Kinderreports 2026 können unter http://www.dkhw.de/Kinderreport2026
heruntergeladen werden.
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